"Das Doppel ist wie eine Ehe"

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Marach: "Habe ein gewisses Niveau erreicht"

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Seit 14 Jahren ist Oliver Marach bereits Tennis-Profi.

"So eine schlimme Saisonvorbereitung hatte ich bis jetzt aber noch nie", klagt der 31-jährige Grazer im Gespräch mit LAOLA1.

Handgelenksprobleme und ein verschobener Wirbel im Rückenbereich sorgten für eine erzwungene Trainingspause bis Ende Dezember.

Dementsprechend sensationell ist der Saisonstart mit Neo-Partner Alexander Peya zu bewerten.

Turniersieg in Auckland

Nach dem Erstrunden-Aus in Brisbane ("Das haben wir mehr als Training genommen") triumphierte das Duo beim ATP-Turnier in Auckland.

Das steigert natürlich auch die Erwartungen für die Australian Open. In Melbourne sind Peya/Marach an Nummer neun gesetzt.

Im LAOLA1-Interview spricht Marach über die Chancen auf den ersten großen Titel, seine neue "Ehe" mit Peya und die Zusammenarbeit mit Neo-Coach Scott Davidoff.

Außerdem erklärt er, warum ihm ein Grand-Slam-Titel lieber als Olympia-Gold ist.

LAOLA1: Ihr seid mit einem Turniersieg in Auckland fast perfekt in die Saison gestartet. Die Gemütslage wird dementsprechend gut sein, oder?

Oliver Marach: Ja, mir geht's ganz gut. In Auckland haben wir wirklich sehr gut gespielt, nachdem wir die Woche davor mehr als Training genommen haben. Im Winter konnte ich leider keinen einzigen Schläger in die Hand nehmen. In Brisbane habe ich eigentlich das erste Mal wieder Tennis gespielt.

LAOLA1: Was hattest du denn für Probleme?

Marach: Ich bin mit Handgelenksproblemen aus dem Urlaub gekommen und gleich zum Arzt nach Wien gefahren. Leider ist es nicht viel besser geworden. Eineinhalb Wochen später habe ich mir von einem Handgelenk-Spezialisten in Frankfurt vier Spritzen geben lassen. Das hat zwar geholfen, aber als ich wieder zurückgekommen bin, hat es mir im Rücken einen Wirbel rausgehaut. Bis Ende Dezember habe ich dadurch nichts machen können. Deshalb habe ich in Brisbane vier, fünf Tage gebraucht, um in die Schläge reinzukommen. Fitnessmäßig bin ich zudem erst beim Aufbau. Das dauert noch.

LAOLA1: Wie sehr bist du mit Alex schon als Team zusammengewachsen? Unternehmt ihr auch mal öfter etwas mit euren Ehefrauen oder dergleichen?

Marach: Wir verstehen uns untereinander sehr gut. Hin und wieder braucht man auch einmal ein bisschen Distanz. Wir kennen uns aber schon sehr lange und gestalten uns unseren Freiraum je nach Lust und Laune. Unser Hauptziel ist es, dass wir im Doppel gut spielen. Es ist aber natürlich schön, wenn man sich mit seinem Doppelpartner auch über andere Sachen unterhalten kann als Tennis - und das ist mit Alex der Fall. Das ist wichtig, damit man auf der Tour nicht verkalkt.

LAOLA1: Was hast du aus dem letzten, für dich schwierigen Jahr mitnehmen können? Du hast ja mit Lukasz Kubot deinen fixen Doppelpartner verloren, 

Marach: So etwas machen ja viele durch. Das Doppel ist wie eine Ehe. Lukasz und ich haben uns ja nicht zerstritten. Durch seine Single-Ambitionen war es schwierig, alles unter einen Hut zu bringen. Es war letztes Jahr einfach nicht anders möglich. Da ich nur mehr Doppel spiele, war es für mich einfach ein zu großes Risiko und deshalb spielen wir jetzt nicht mehr zusammen. Wir sind jetzt aber nicht verfeindet, sondern reden nach wie vor miteinander. Zum Glück hat es im Vorjahr mit den wechselnden Doppelpartner gut geklappt. Oft haben wir sogar das Turnier gewonnen. Aber so etwas kann natürlich auch in eine andere Richtung gehen. Mittlerweile kann ich aber sagen, dass ich ein gewisses Niveau erreicht habe, auf dem ich mir meine Partner aussuchen kann. Ich muss dadurch keine Risiken eingehen und kann gezielt jene Spieler suchen, die zu meinem Spielstil passen. Zu Jahresende hat sich dann die Sache mit Alex ergeben. Für ihn war es schwierig, weil er ja auch sehr gut mit Kas zusammengespielt hat. Ich hab ihn in meiner Situation aber fragen müssen und war froh, dass er sich für mich entschieden hat.

LAOLA1: Als österreichische Paarung seid ihr ja auch ein großes Thema für die Olympischen Spiele in London.

Marach: Natürlich. Das ist eines unserer vielen Ziele in diesem Jahr. Wir wollen ein großes Turnier gewinnen, im Davis Cup ins Viertelfinale kommen, bei den Olympischen Spielen vorne mitspielen und zum World Tour Finale nach London, wo die besten acht Doppel-Paare der Saison gegeneinander spielen.

LAOLA1: Wenn du es dir aussuchen könntest: Olympia-Sieg oder Grand-Slam-Titel - Was würdest du nehmen?

Marach: Puh! Olympia wäre schon cool, aber ich nehme lieber den Grand-Slam-Titel, denn mit dem bin ich beim World Tour Finale auch dabei und das ist einfach das beste Turnier auf der Tour.

Das Gespräch führte Christian Frühwald

LAOLA1: Angesichts dieser Umstände ist der Saisonstart ja beinahe schon als sensationell anzusehen.

Marach: Es war wirklich ein total verkorkster Winter. Soviele Verletzungen habe ich echt noch nie gehabt. In der letzten Woche haben wir aber wirklich sehr brav gespielt. Hoffentlich können wir das nach Melbourne mitnehmen.

LAOLA1: Inwiefern hast du dich in der kurzen Zeit schon mit Alex zusammenspielen können?

Marach: Wir haben mit Scott Davidoff einen eigenen Doppel-Coach engagiert. Er hat in den letzten beiden Jahren mit Mirnyi/Nestor gearbeitet und hilft uns sehr. Bei den ersten beiden Turnieren war er zwar noch nicht mit dabei, bei den Australian Open hilft er uns jetzt aber. Vor allem taktisch ist er eine große Hilfe. Zum Beispiel, wie ich beim Volley am Netz in eine bessere Stellung komme. In den letzten Jahren habe ich ja nie speziell Doppel trainiert und Davidoff ist mit Sicherheit einer der besten Doppel-Coaches auf der Tour. Wir sind sehr froh, dass er heuer mit uns zusammenarbeitet. Wir wollen uns weiter entwickeln und vielleicht gewinnen wir ja auch ein großes Turnier.

LAOLA1: Mit der Auslosung könnt ihr wohl zufrieden sein, oder?

Marach: Hanescu/Rochus in der ersten Runde sind sicherlich machbar. Es gibt schwierigere Ausgangspositionen. Wir müssen schauen, dass wir uns reinspielen und dann sehen wir ohnehin, was im Turnier möglich ist.

LAOLA1: Melbourne ist für dich sowieso ein ausgezeichneter Boden. 2009 im Halbfinale, 2011 im Viertelfinale.

Marach: Ich mag es sehr gerne, Alex leider weniger. Ich hoffe, es geht eher nach mir. Die Australian Open sind eines meiner liebsten Grand-Slam-Turniere. Ich habe hier immer gerne gespielt. Heuer ist es leider recht windig und dementsprechend schwierig zu spielen. Es stürmt extrem. Gute Matches sind bislang kaum zu sehen.

LAOLA1: Warum taugt's dir in Australien eigentlich so?

Marach: Das Klima ist natürlich eine feine Sache. Mir gefällt aber auch das Land sehr gut. Die Leute sind sehr nett und ich habe auch einige Freunde hier. Heuer haben uns auch meine Schwägerin und deren Ehemann begleitet. Leider ist Australien weit weg. Sonst würde ich gerne öfter herkommen. Tolle Mentalität, tolle Stadt, tolles Land!

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