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Australien hofft auf eine Goldene Generation

35 Jahre sind eine lange Zeit. So lange warten die australischen Tennis-Fans schon auf einen Heimsieg bei den Australian Open im Herren-Einzel.

Pat Cash, Patrick Rafter, Lleyton Hewitt oder Mark Philippoussis - allesamt große Spieler mit zahlreichen Erfolgen. Doch in Melbourne wollte es einfach nie klappen.

Im Vergleich dazu war Mark Edmondson eher ein Nobody. Der Überraschungssieger von 1976 sorgte nach seinem Triumph bei den Australian Open mehr als Doppel-Spezialist für Furore.

Drei Eisen im Feuer

Neue Chance, neues Glück: Nachdem sich die Karriere eines Lleyton Hewitt schön langsam dem Ende zuneigt, hofft man in "Down Under" auf eine goldene Generation.

Mit Bernard Tomic, James Duckworth und Benjamin Mitchell haben die Australier gleich drei heiße Teenager-Eisen im Tour-Feuer.

Durchbruch von Tomic im Jahr 2011

Vor allem Tomic ist auf der Tour schon lange kein Unbekannter mehr. Mit seinen 19 Jahren hat sich das Ausnahme-Talent bereits auf den 42. Weltranglistenplatz vorgearbeitet.

Einer breiten Masse wurde er heuer in Wimbledon bekannt, wo sein sensationeller Erfolgslauf erst im Viertelfinale vom späteren Sieger Novak Djokovic gestoppt werden konnte.

"Zu meinem 20. Geburtstag (Anm.: 21. Oktober) will ich in den Top 10 stehen", legt sich der Australier die Latte hoch.

Tomic gilt als extrem talentiert und darf sich schon seit einigen Jahren zahlreicher Unterstützer und Sponsoren erfreuen. Von einigen Experten wird dem Teenager allerdings fehlender Trainingseinsatz vorgeworfen.

"Bin halt entspannter als andere"

So beklagte sich beispielsweise der australische Davis-Cup-Kapitän Patrick Rafter über seine mangelnde Einstellung bei den Sparring-Sessions.

"Ich bin halt einfach ein bisschen entspannter als andere", kann Tomic mit derlei Kritik nicht viel anfangen. "Ich habe gerne Spaß am Platz und schaue dabei nicht zornig und angespannt aus."

Anzeige wegen gefährlicher Fahrweise

Aber auch abseits des Tennis-Courts lässt es der Youngster gerne einmal krachen. Im Dezember kassierte er eine Anzeige wegen gefährlicher Fahrweise mit seinem orangenen BMW M3.

Den Sportwagen darf er nur dank einer Ausnahme-Genehmigung lenken.

Ein "Bad-Boy"-Image würde Tomic laut eigener Aussage trotzdem "nicht einmal ein bisschen" erfüllen. "Wahrscheinlich war der Polizist einfach nur neidisch."

Duckworth mit erfolgreichem Tour-Debüt

Erstmals ein bisschen aus dem großen Schatten von Tomic konnte in der letzten Woche in Brisbane James Duckworth heraustreten. Bei seinem Debüt auf der ATP-Tour erreichte der 19-Jährige aus Sydney auf Anhieb das Achtelfinale.

In der ersten Runde eliminierte der Wild-Card-Starter den Franzosen Nicolas Mahut. Im vergangenen Jahr verbesserte sich Duckworth im Ranking um knapp 500 Plätze. Mittlerweile ist er auf Position 275 zu finden.

Dabei plagte sich der Enkel von Beryl Penrose (Australian-Open-Siegerin 1955 im Einzel und Doppel) in den vergangenen zwölf Monaten mit Knie-Problemen herum.

Deshalb bestritt der aufschlagstarke Rasen-Liebhaber beinahe ausschließlich Sandplatz-Turniere.

Arbeitswille als großer Vorteil

Duckworth ist der Vorzeige-Spieler des AIS (Australian Institute of Sport). Dessen Head Coach Brent Larkham ist von seinem Schützling überzeugt.

"Er hat in der letzten Saison viel an Reife gewonnen und große Schritte nach vorne gemacht. Eine seiner größten Stärken ist sein großer Arbeitswille."

Ebenfalls im Team des AIS findet sich Benjamin Mitchell, der im ATP-Ranking sogar ein paar Ränge vor Duckworth zu finden ist.

In Brisbane klappte es für den Alterskollegen von Duckworth nicht ganz so gut: Gegen den Japaner Tatsuma Ito setzte es für den Weltranglisten-227. eine glatte Auftaktniederlage.

"Bin bereit für den nächsten Schritt"

"Ich habe aber das Gefühl, dass ich bereit bin, den nächsten Schritt zu machen", gibt sich der Jungspund, der 2011 vier Future-Turniere für sich entscheiden konnte, zuversichtlich. 

"Körperlich fühle ich mich nach der Arbeit im letzten Jahr großartig", so Mitchell, der in Brisbane gemeinsam mit Duckworth einige Trainingseinheiten mit Rafter absolvierte.

Wild Card für die Australian Open

"Es ist großartig mit Pat zu arbeiten. Er ist wirklich ein toller Kerl und die Arbeit am Platz hat mir in meinem Spiel viel geholfen."

Wie nah das Duo bereits an der Weltspitze dran ist, werden wir nächste Woche sehen können. Bei den Australian Open sind sowohl Duckworth als auch Mitchell dank einer Wild Card im Hauptbewerb mit dabei.

Christian Frühwald

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