"Thiem spielte grottenschlecht"

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"Die Top-10 sind noch meilenweit weg"

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Auch für Günter Bresnik, den langjährigen Betreuer Dominic Thiems, sind die vergangenen Wochen sehr erfreulich gewesen.

Der am 21. April 1961 geborene Wiener ist vielleicht der größte Kritiker seines Schützlings, predigt aber seit Jahren auch, welch großes Potenzial der 21-jährige Thiem hat.

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Spekulationen über ein frühzeitiges Erreichen der Top Ten will Bresnik derzeit aber noch nicht hören.

Immer ruhig mit den jungen Pferden

"Die Top Ten sind noch so weit weg. Man muss die Kirche im Dorf lassen. Der steht jetzt einmal auf 20, so Gott will, das ist super, aber für ihn komplett wurscht", nimmt sich Bresnik wie immer kein Blatt vor den Mund. Zwischen Rang 20 und 10 sei der Abstand noch so groß.

In einer virtuellen, aber noch nicht offiziellen Rangliste fehlen Thiem aktuell rund 1.600 Punkte auf den Zehnten, Milos Raonic, Thiem hat knapp halb so viele Zähler wie der Kanadier.

"Mit 250er-Turnieren wirst du nicht erste Zehn. Da braucht es schon auch Semifinali, Finali bei 500er- und 1000er-Turnieren", meinte Bresnik. Und natürlich auch ein gutes Abschneiden bei den vier Majors.

Lieblings-Attribute des Coaches

Darum will er auch nichts darüber hören, wo er denn seinen Schützling mental derzeit einordnet und ähnliche Spekulationen.

"Er kann sich durchquälen, hat eine hohe Leidensfähigkeit und eine hohe Belastungsverträglichkeit - das sind meine Lieblingsworte", sagte der Wiener. Und letztlich, so glaubt Bresnik, sind all die neuen Weltranglistenhürden auch für Thiem egal.

"Als er erstmals erste 100 war, war er enttäuscht, denn es hatte sich nichts geändert." Dasselbe sei bei den ersten 50 passiert oder als er erstmals bei einem Grand Slam gesetzt wurde - es habe sich nichts geändert.

"Es wird sich nie etwas ändern, bis er sich seinen Wunsch erfüllt hat, und das ist ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen oder Nummer eins der Welt zu sein. Davon ist er meilenweit entfernt."

Grottenschlechte Kitzbühelspiele

Von den beiden Generali-Open-Auftritten in dieser Woche ist Bresnik gar nicht begeistert.

"Dass er mit so grottenschlechten Leistungen zwei Matches gewinnt, ist für mich beeindruckend. Ich habe nicht einmal gewusst, dass der noch so schlecht spielen kann", sagte Bresnik, der aber natürlich weiß, dass Thiem schon sehr müde ist.

"Es ist cool. wie er damit umgeht, aber müde muss er sein. Man darf nicht vergessen, er hat zuerst die Davis-Cup-Woche gehabt, wo er sehr viel trainiert und dann zwei anstrengende Matches verloren hat", erinnerte der Coach, der früher auch Leute wie Boris Becker oder Patrick McEnroe trainiert hat. "Im Prinzip ist das die vierte Woche am Stück."

Nicht umsonst so viele Aufgaben

Die Tatsache, dass es in bereits sechs Partien in diesem Jahr zu Aufgaben des Gegners gekommen ist, spricht für Bresnik sehr wohl für die Qualitäten Thiems.

"Sein Spiel ist für die anderen so kräfteraubend, weil die immer von einer Ecke in die andere hin- und herstraucheln, das kostet ihnen zweimal so viel Kraft. Die meisten geben halt auf, weil sie nicht mehr können." Dies sei für Thiem sogar eine Bestätigung für gute Arbeit.

Ob der Aufstieg in die Top 20 nicht fast schon zu schnell kommt? "Wenn einer so konstant wie er spielt, ist es nicht zu früh. Es ist der Niederschlag von dem, was er schon tatsächlich leistet."

Richtig begeistert haben ihn zuletzt allerdings nur das Semifinale gegen Gael Monfils und das Endspiel gegen Joao Sousa in Umag. "Würde er Woche für Woche so spielen, geht die Reise noch weiter."

Das Gegenteil von optimistisch

Doch Bresnik glaubt nicht wirklich an die Fortsetzung der Serie in Kitzbühel, war vor dem Kitz-Semifinale gegen Philipp Kohlschreiber am Freitagnachmittag pessimistisch.

"Ich bin ein Parade-Tiefstapler. Aber ich weiß nicht, wie er gegen den gewinnen soll."

Am meisten wünscht sich Bresnik, dass der aktuell noch Weltranglisten-21. nicht mehr an die aktuelle Serie denkt. "Er soll nicht sein Spiel an dieses Serien-Denken anpassen. Mir ist wichtig, dass er wieder einmal so zu spielen anfängt, wie es gehört. Hier hat er zwei Matches rausgewürgt."

Noch ein paar Extra-Prozent

Günter Bresnik mit seinem Schützling Dominic Thiem

Ob man das aufgrund der vorhandenen Müdigkeit denn überhaupt verlangen könne? "Es kostet ihn wahrscheinlich weniger Kraft. Gut spielen ist für ihn weniger anstrengend als so."

Für Kitzbühel hat Thiem jedenfalls nun die Kür vor sich. "Mit dem Semifinale hat er seine Pflicht erfüllt." Bresnik glaubt, dass statt den mehr als 5.000 Zuschauern am Viertelfinaltag ohne Österreicher vielleicht nur 2.000 gekommen wären.

Vielleicht könne die am Freitag neuerlich gute Atmosphäre noch einen kleinen Effekt bewirken: "Dass er noch einmal etwas rauskitzelt, was gar nicht mehr da ist."

Haider-Maurer mit Mike Tyson verglichen

Kritisch äußerte sich Bresnik einmal mehr in Richtung Turnierplan 2016 und dem wegen Olympia sehr dichten Plan. "Wochen mit drei Turnieren und Davis Cup schaden den Turnieren und dem Davis Cup. Das ist absurd geregelt, finde ich."

Und schlägt eine in Olympiajahren längere Saison vor. "Da muss ich notfalls die Saison bis Ende November oder Mitte Dezember gehen lassen."

Übrigens hat Bresnik auch für die Turnierplanung von Haider-Maurer, der statt einer Hartplatzvorbereitung in den USA vor den US Open kommende Woche einen Challenger auf Sand vorzieht, kein Verständnis.

"Ein Spieler, der definitiv Top-50-Niveau hat, kann sich nicht ständig über Challenger absichern. Ich muss dorthin, wo die Leute sind, mit denen ich mich messen möchte. Wenn ich Mike Tyson bin, will ich nicht mit einem Federgewicht in den Ring steigen."

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