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Muster: "2012 ist dann endgültig Schluss"

Seit dem Beginn seines "Experiments" am 29. Juni 2010 beim ATP-Challenger in Braunschweig sind rund 13 Monate vergangen.

Der mittlerweile 43-jährige Thomas Muster wollte es noch einmal wissen, trainiert seit eineinhalb Jahren so intensiv, dass er Bewunderung auch aus dem Kreis seiner weit jüngeren Profikollegen erntet.

Rein von den Ergebnissen her betrachtet, hat der früheren Nummer 1 der Welt all die Plage bisher nur einen Sieg und 18 Niederlagen gebracht.

So auch jene in der ersten Kitzbühel-Runde am Montag gegen Philipp Kohlschreiber - nach nur 66 Minuten hieß es 3:6,0:6.

Aus einem anderen Blickwinkel

"Die Challenger-Ebene ist eine ganz solide Klasse und ein paar Ausflüge so wie dieser hier - da sieht man eh, dass es seine Grenzen hat. Da gibt es keine leichte Auslosung mehr, da kannst du es drehen und wenden wie du willst", erklärte Muster, der Neo-Turnierdirektor Alexander Antonitsch ein fast volles Stadion bescherte.

"Aber man darf es nicht überziehen", erklärte der Steirer. Auch wenn einem Veranstalter kaum Besseres passieren kann, so stellt Muster klar:

"Die eine Ebene ist die geschäftliche und es ist auch okay, dass das Stadion voll ist. Dann gibt's auch eine sportliche, da muss man schon ein bisserl vergleichen." Man dürfe es nicht ausreizen.

Dann ist endgültig Schluss

Im Klartext soll das heißen, dass Muster seine zweite Karriere bald nur noch auf Challenger-Turniere reduzieren wird.

2012 wird er noch weiter spielen, aber möglicherweise nicht mehr das gesamte Jahr und mit reduziertem Challenger-Turnierplan.

Spätestens zum 45. Geburtstag am 2. Oktober 2012 soll Schluss sein.

Ein steiniger Weg

Noch sieht der 44-fache Turniersieger Steigerungsmöglichkeiten bei sich, allerdings wird die Luft nach oben immer dünner.

"Es geht schon Woche für Woche nach wie vor besser, aber die Sprünge werden extrem klein. Es ist irrsinnig viel Aufwand für ein halbes Prozent da, und ein Prozent dort", gesteht das Arbeitstier Muster und natürlich ist der fehlende messbare Erfolg auch ein Übel.

"Es täte natürlich auch gut, einmal ein Match zu gewinnen für das Selbstvertrauen."

Erfolg nicht um jeden Preis

Der Gang in die Future-Ebene ist für Muster, den vielleicht fittesten 43-Jährigen in Österreich, aber kein Thema. "Natürlich könnte ich auf diesem Level vielleicht ein paar Finali spielen, aber das mag ich nicht mehr."

San Marino, Cortenons und Manerbio (alle in Italien) sowie nach einer Woche Pause Genua, ein weiterer ATP-Tour-Ausflug nach Bukarest und ein Madrid-Challenger.

Bis zu seinem zweiten Stadthallen-Auftritt in Wien nach seinem Neustart hat Muster noch ein intensives Programm vor sich.

Der vermutlich letzte ATP-Auftritt

Nach Wien im Herbst will er die Ausflüge zu größeren Turnieren aber bleiben lassen.

"Vielleicht komme ich nächstes Jahr her und spiele auch gern Quali, da nehme ich niemanden was weg. Es gibt vielleicht nächstes Jahr mehrere Spieler, die sich aufdrängen, hier eine Wildcard zu haben", sagt Muster.

Musters sentimentale Seite

Das im Oktober zweijährige Töchterchen Maxim war am Montag mit Musters Frau Caroline und dessen Eltern unter den Zuschauern. Ein Umstand, der dem zweifachen Familienvater durchaus etwas bedeutet.

"Es ist schön, dass sie in irgendeiner Form noch etwas gesehen hat und man ihr sagen kann, da warst du schon dabei. Das hat auch eine gewisse Wertigkeit. Mein Sohn hat das nie erleben können, meine Tochter hat das mitbekommen und das ist eine klasse Sache", ließ sich Muster in die Seele blicken.

Muster äußerte sich in der Folge noch über viele weitere Themen. Hier ein paar Auszüge:

   ... Schauplatz Kitzbühel: "Was mir am Herzen liegt, ist, dass das Turnier in den Sommer hierhergehört, so wie das Hahnenkammrennen im Winter. Hier war immer Party. Es war hier immer wirklich toll, das Flair, das Ambiente. Kitzbühel war immer dafür bekannt, dass die Spieler hierher auch ihre Familien mitgenommen haben."

   ... Junge Kollegen auf der Challenger-Tour: "Keiner will gegen mich spielen, weil keiner Gefahr laufen will..." (zu verlieren, Anm.) (lacht).

   ... Zum Stadion Kitzbühel, in dem er einst sogar trainierte, als Hubschrauber die Flutlichtmasten eingeflogen haben: "Es ist ein tolles Stadion - bis auf ein paar kleine Baufehler. Wenn das voll ist, kann es ein Hexenkessel sein. Es hätte sich für Davis Cups im Sommer angeboten." Doch dazu sei es (wegen vorzeitiger Niederlagen) nie gekommen.

   ... 2012: "Da wird definitiv Schluss sein."

   ... ob er seine Alkohol- und Zigaretten-Enthaltsamkeit auch danach bewahren wird: "Ich habe jetzt ein Jahr lang keinen Alkohol getrunken, nicht einmal ein Glaserl. Das könnte mir schon unterkommen, ein Glas Weißwein aus meinem Keller."

   ... möglichen neuerlichen Gewichtszuwachs: "Dieses Jo-jo kann man ja nicht ewig machen, dann komme ich mit 55 wieder und fang wieder an." (lacht)

   ... seine Schlagzeuger-Qualitäten: "Ich wollte heuer in die Musikschule gehen und das von der Pieke auf lernen, das habe ich verschoben. Natürlich habe ich Ideen, mir ist noch nie fad geworden im Leben."

   ... Fanpost: "Ich kriege alles Mögliche in Stößen. Das geht von Begeisterung bis zu 'was wollen Sie alter Trottel noch' und zu Heiratsangeboten. Gott sei Dank besitze ich als einer der wenigen Menschen keine E-mail-Adresse."

  ... mögliche Trainertätigkeit: "Da müsste ich wieder 40 Wochen unterwegs sein, da spiele ich gleich wieder lieber selbst." (lacht)

  ... neue geschäftliche Projekte: "Ich versuche den Sport jetzt konsequent. Es verlangt einem sehr viel ab, das jeden Tag zu machen. Mir fällt schon wieder was ein. Die Familie hat auch einen gewissen Stellenwert. Aber Österreich wird Lebensmittelpunkt bleiben."

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