"Aus dem Beruf ist eine Passion geworden"

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Was ihn berührte. Warum er aufhört. Was die Zukunft bringt. Thomas Muster nach dem Abschied:

Eine Ära ging am Dienstag zu Ende. Thomas Muster bestritt in der Wr. Stadthalle sein letztes Match auf ATP-Ebene.

Mit dem 2:6, 3:6 gegen Dominic Thiem verabschiedete sich die steirische Tennis-Legende nach einem eineinhalbjährigen Comeback-Experiment endgültig in den Ruhestand.

Selten sah man den 44-jährigen Leibnitzer so gerührt, wie an diesem 25. Oktober 2011. Und noch seltener sprach der ehemalige Weltranglisten-Erste danach so frei von der Leber weg.  So erzählte Muster über…

…seinen sentimentalen Abschied in der Wr. Stadthalle:

Wenn man eineinhalb Jahre so viel Arbeit, Fleiß und Ehrgeiz investiert, dann ist so ein Abschied von seinem Publikum, das mich meine ganze Karriere begleitete, schon sehr emotional. Es war genau der richtige Moment, meinen Abschied über die Bühne zu bringen. Und vielleicht auch genau der richtige Gegner.

…seinen Plan für die Zukunft:

Ich werde 2012 noch ein paar Senioren-Turniere spielen. Eigentlich wollte ich ja auch 2012 noch auf der Tour spielen. Meine Familie braucht mich derzeit aber mehr als das Tennis. Es gibt einen Krankheitsfall, der mir sehr nahe geht.

…sein Comeback:

Als ich 1999 aufgehört habe, bin ich vom Tennis davon gelaufen und wollte damit nichts mehr zu tun haben. Irgendwann habe ich dann begriffen, dass ich kein Kaufmann oder sonst was bin, sondern ein Tennis-Spieler und mein ganzes Leben dafür und davon gelebt habe. Es war für mich eine unglaublich lehrreiche Zeit. Ich bereue gar nichts. Die Frage war immer: Warum tut er sich das an? Ich habe mir aber nichts angetan. Ich hab alles freiwillig und mit viel Spaß und Begeisterung an der Sache gemacht.  Es hat mir sehr viel Respekt von vielen Menschen und auch Spielern eingebracht.

…zu hohe Erwartungen an seine Rückkehr:

Eigentlich hätte ich es mir sogar noch schwieriger vorgestellt. Ich habe mich den Top 1000 sehr gut angenähert. Es war vor allem in den letzten vier Monaten ein ordentlicher Leistungsschub da. Ich glaube, dass im nächsten Jahr sogar noch mehr möglich gewesen wäre.

…in Zukunft fehlende Trainingseinheiten:

Ich muss sowieso noch ab- und weiter trainieren. Sport und Tennis machen wir weiterhin Spaß. Ein „Jojo-Leben“ kannst du nicht ewig machen.

…seine zukünftige Rolle im Tennis-Sport:

Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich lasse die Dinge einmal auf mich zukommen. Vorerst habe ich wichtigere Sachen zu tun. Aber warum nicht? Sag niemals nie.

…die Begeisterung der Fans:

Ich konnte die Liebe und Begeisterung der Fans beim Comeback sicherlich mehr genießen als früher. Wenn man in dem „Radl“ drinnen und die meiste Zeit im Ausland ist, hat man nie Zeit für solche Dinge.  Jetzt konnte ich das alles viel mehr in mich aufsaugen und die Emotionen genießen. Natürlich auch deshalb, weil es nicht mehr so abhängig von Sieg und Niederlage war. Es ist faszinierend, wenn man vor tausenden Menschen auf den Platz geht. Ich kann es nur mit einem Künstler vergleichen, der auf eine Bühne kommt. Das wird mir ganz sicher abgehen. Da müsste ich lügen, wenn ich sagen würde, dass das nicht wunderschön ist.

…seine frühere Abneigung zu Medienterminen:

Der Tag hat nur 24 Stunden. Wenn du populär bist, kannst du es nicht jedem recht machen – dafür ist der Tag zu kurz. Wenn du Leistung bringen willst, brauchst du diese Zeit, um zu regenerieren und für die Dinge, die dich populär machen. Wenn du nur auf die Fans zugehst und in Folge nichts mehr gewinnst, ist es gleich wieder damit vorbei. Die Schutzwand baust du nur deshalb auf, weil du deine Ruhe brauchst. Diesmal war ich nicht mehr so getrieben. Aus meinem Beruf ist eine Passion geworden.

Aufgezeichnet von Christian Frühwald

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