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Das "Murray-Trauma"

Andy Murray kann es ja doch noch!

Mit seinem 3:6, 6:2, 6:0-Finalerfolg am Sonntag im Endspiel von Tokio zwang er erstmals nach fünf Niederlagen in Folge wieder den großen Rafael Nadal in die Knie.

Im Head-to-Head verkürzte der Schotte damit immerhin auf 5:13. Für Murray, der von seinen letzten 23 Matches 22 gewann, sollte dies für die Zukunft besonders mental wichtig sein.

Schließlich hat er weiterhin sein ganz großes Ziel vor Augen: Den Triumph bei einen Grand-Slam-Turnier!

Warten seit 1936

Der Erfolgs-Hunger der britischen Fans ist groß. Seit 1936 wartet das Geburtsland des „weißen Sports“ auf einen Major-Titel im Herren-Einzl.

Zuletzt stemmte Fred Perry für Großbritannien eine Major-Trophäe in die Höhe.

Vor 75 Jahren holte sich der polarisierende, weil aus der Arbeiterschicht stammende Sohn eines Baumwollspinners bei den US Open den letzten seiner insgesamt acht Grand-Slam-Titel.

Stärkster Brite seit Fred Perry

Seitdem scheiterten alle seine potenziellen Nachfolger an dem enormen Erwartungsdruck aus ihrem Heimatland. Selbst Andy Murray scheint derzeit auf dem besten Weg, ein ähnliches Schicksal zu erleiden.

Dabei kann man den 24-jährigen Schotten, der erst am Sonntag das ATP-Turnier in Bangkok souverän für sich entscheiden konnte, durchaus aus als den stärksten britischen Tennis-Spieler seit dem legendären Fred Perry bezeichnen.

Seit seinem Sprung in die Weltspitze vor über drei Jahren hat er allerdings mit drei großen Problemen zu kämpfen: Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic!

Auf Grand-Slam-Ebene nicht konstant genug

An diesem Trio gab es für Murray bislang einfach kein Vorbeikommen.

Während es auf Tour-Ebene durchaus zu Gelegenheitserfolgen reichte, reichte es auf Grand-Slam-Ebene nur zu zwei Siegen über Nadal. Gegen Federer und Djokovic ist er bei Major-Events noch sieglos.

Dabei hat er gegen Federer mit 8:6 sogar ein positives Head-to-Head und auch gegen Djokovic (4:6) sieht die Bilanz nicht allzu schlecht aus. Einzig gegen Nadal (5:13) hat Murray eine allgemein schlechte Statistik vorzuweisen.

Bei den US Open musste sich Murray wie schon zuvor bei den French Open und in Wimbledon im Halbfinale Nadal geschlagen geben.

Seinen Glauben an sich selbst hat der Schotte aber noch nicht verloren.

„Ich habe ihn ja schon zwei Mal bei einem Grand-Slam-Turnier geschlagen. Ich muss einfach nur richtig gut spielen. Vor allem auf Hardcourt fehlt mir nicht viel zu Rafa.“

"Komme meinem Ziel immer näher"

Murray will diesen Abstand in den nächsten Jahren noch weiter verkürzen. „Ich muss gesund bleiben und mich weiter verbessern. Dann komme ich meinem Ziel, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, immer näher.“

„In dieser Saison habe ich immerhin meine besten Grand-Slam-Ergebnisse erzielt“, meint der 20-fache ATP-Turniersieger, der gleich zu Jahresbeginn das Endspiel der Australian Open erreichte.

Murray fordert faire Bewertung seiner Erfolge

Klappt es auch in Zukunft nicht, könnte Murray als der beste Spieler aller Zeiten in die Geschichte eingehen, der es nie zu einem Grand-Slam-Sieg schaffte. Spukt dieser Gedanke bereits in seinem Hinterkopf herum?

„Ich habe hoffentlich noch drei, vier Jahre in denen ich mein persönlich bestmögliches Tennis abrufen kann“, bleibt Murray cool.

"Habe viele Dinge gut gemacht"

Der ehemalige Weltranglisten-Zweite und siebenfache Masters-Sieger fordert zudem eine faire Bewertung seiner Leistungen: „Wenn man meine Karriere nur nach meinen Erfolgen bei Grand-Slam-Turnieren bewerten würde, hätte ich natürlich eine schreckliche Karriere."

"Die hatte ich meiner Meinung nach bislang aber nicht. Ich habe auch viele Dinge ganz gut gemacht“, so Murray, der in seiner Karriere schon über 17 Millionen US-Dollar an Preisgeld einkassierte.

Von diesen Milliönchen würde er allerdings sicher gerne die eine oder andere gegen einen Grand-Slam-Titel eintauschen.

Christian Frühwald

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