Lendl: "Murray kann auch auf Sand gut spielen"

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Was haben die Superstars Andy Murray und Boris Becker gemeinsam?

Klar, natürlich die rote Haarfarbe.

Doch auf den zweiten Blick offenbart sich eine weitere Gemeinsamkeit: Beide Spieler konnten auf der ATP-Tour nie ein Sandplatz-Turnier für sich entscheiden.

Während für Becker der Zug mittlerweile abgefahren ist (die vergebenen Matchbälle im Monte-Carlo-Finale gegen Thomas Muster wurmen “Bobele“ wohl immer noch), darf sich der 25-Jährige aus dem schottischen Dunblane noch Hoffnungen machen, diesen schwarzen Fleck seiner Trophäen-Sammlung auszulöschen.

Schwache Sandplatz-Statistik

26 ATP-Titel konnte Murray in seiner Karriere bislang einfahren. Davon entfallen 22 auf Hartplatz, darunter auch der langersehnte erste Grand-Slam-Sieg bei den US Open im Vorjahr. Drei holte er auf Rasen (Olympia-Gold in Wimbledon!) und einen auf Teppich.

Nimmt man Murrays ATP-Bilanz unter die Lupe, zeigt sich, dass die magere Ausbeute auf roter Asche kein Zufall ist. Während er auf Hartplatz fast vier von fünf Partien für sich entscheiden kann, kommt er auf Sand nur knapp über 60 Prozent.

Debakel gegen Wawrinka

Auch der Start in die diesjährige Sandplatz-Saison verlief nicht gerade vielsprechend. In Monte Carlo setzte es nach einem Auftaktsieg gegen den Franzosen Edouard Roger-Vasselin in Runde drei eine bittere 1:6, 2:6-Lehrstunde gegen Stanislas Wawrinka.

„Keiner will ein Match so verlieren“, war Murray selbst maßlos enttäuscht von seiner Vorstellung. „Hoffentlich ist diese Pleite genug Motivation für mich, mich in den nächsten Wochen zu verbessern.“

Siege Niederlagen Prozentsatz Titel
Hartplatz
282 78 78,3% 22
Sand
48 31 60,8% 0
Rasen
61 14 81,3% 3
Teppich
8 3 72,7 1
Halle
92 28 76,7% 9
Freiluft
307 98 75,8% 17

Eine Steigerung wird bitter notwendig sein. Dem Weltranglisten-Dritten droht in den nächsten Wochen in der Sandplatz-Saison wie gewohnt das Schicksal, den Anschluss an seine drei Rivalen Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer zu verlieren.

Vor allem im Hinblick auf die French Open, wo Murray als bestes Ergebnis ein Halbfinale aus dem Jahr 2011 vorweisen kann, schmerzt diese Aussicht.

Coach Lendl steht Murray zur Seite

Coach Ivan Lendl will deshalb alles daran setzen, Murrays Leistungs-Abstand auf Sand zu verringern. „Andy weiß, dass er auf Sand besser werden muss. Dafür muss er mehr Sätze spielen und mehr Zeit auf Sand verbringen“, erklärte der ehemalige Weltranglisten-Erste in einem Interview mit „The Telegraph“.

„In Monte Carlo ist er noch herumgeschlittert und hat leicht die Balance verloren, es wird aber von Tag zu Tag besser. Er ist nicht auf Sand groß geworden, das heißt aber nicht, dass er darauf nicht gut spielen kann.“

„Ganz im Gegenteil sogar: Ich glaube, dass er auf Sand besser spielen kann, als er selbst es vielleicht glauben mag. Es braucht einfach seine Zeit, bis man sich auf diesem Belag wohl fühlt und an sich selbst glaubt.“

Sand erfordert Umstellungen

Der Unterschied zu den anderen Belägen ist zwar nicht mehr so groß wie in den 90er Jahren, als das Spezialistentum im Tennis-Zirkus viel ausgeprägter war, trotzdem erfordern das immer noch notwendige Rutschen und der langsamere Ball-Absprung eine gewisse Umstellung.

In Monte Carlo gegen Wawrinka wurde deutlich, dass Murray erst am Beginn des Prozesses steht. „Da hat er gleich zu Beginn ein paar Fehler gemacht und war von sich selbst enttäuscht. Diese Gedanken hat er dann nicht mehr aus seinem Kopf bekommen.“

Parallelen zu Lendl

Ein ähnliches Dilemma erlebte Lendl selbst in seiner aktiven Karriere. Während er auf Sand drei Mal die French Open gewann, blieb ihm der erhoffte Wimbledon-Triumph trotz seines großen Ehrgeizes ewig verwehrt.

„Ich habe mir oft gedacht, dass ich besser gar nicht an den Start gehe, weil ich am Sonntag vor Turnierbeginn nicht einmal Tony Roche (Anm.: Lendls damaliger Coach) schlagen konnte“, erinnert sich Lendl zurück. Wie sein heutiger Schützling galt auch der Tscheche als großer Perfektionist.

„In der ersten Wimbledon-Woche habe ich Leute wie Dick Stockton und Paolo Cane in fünf Sätzen niedergerungen. Eigentlich hätten sie mich schlagen sollen, aber irgendwie habe ich dann doch gewonnen. Für mich  war es aber trotzdem schockierend, wie ich da immer gespielt habe.“

Nadal spricht Trost zu

„Man muss einfach Geduld haben“, spricht Lendl aus Erfahrung. „Das betrifft sowohl Andy als auch mich und die Medien. Ich bin davon überzeugt, dass er heuer eine gute Sandplatz-Saison abliefern wird. Er muss auf diesem Belag einfach mehr dafür arbeiten, als auf einem anderen Untergrund.“

Das wissen auch seine Konkurrenten. „Andy tut sich auf Sand bei seinen ersten Turnieren immer schwer. Ich bin mir sicher, dass er in den nächsten Wochen besser spielen wird“, spricht im Rafael Nadal Trost zu.

Christian Frühwald

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