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"Glaube, dass ich in London dabei sein kann"

Leichte Entwarnung bei Jürgen Melzer!

Die wieder akut gewordenen Rückenbeschwerden zwingen den 30-jährigen Niederösterreicher zwar auf einen Start in Basel und beim Masters 1000 in Paris, eine Teilnahme am Doppel-Masters Ende November in London könnte aber möglich sein.

"Es ist noch ein weiter Weg bis dorthin, aber wir sind ganz guter Dinge, dass wir das hinbekommen", meinte Melzer am Montagabend in einem TV-Interview.

"Genügend Zeit"

"Wir haben jetzt genügend Zeit, um uns wirklich einmal ohne Tennis um meinen Körper zu kümmern. Wenn uns das gelingt, dann glaube ich eigentlich schon, dass ich in London dabei sein kann."

Melzer hat sich mit seinem deutschen Doppelpartner und Freund Philipp Petzschner auch dank des US-Open-Titels vorzeitig für den Auftritt in der O2-Arena qualifiziert.

Die besten acht Teams messen einander dort vom 20. bis 27. November zunächst in drei Gruppenspielen vor täglich ausverkaufter Halle mit 17.000 Zuschauern.

Folgeerscheinung?

Melzer, der schon vergangene Woche bei den Erste Bank Open mit einer Oberschenkelverletzung zu kämpfen hatte, hat möglicherweise als Folgeerscheinung dessen in Basel über Nacht wieder Rückenschmerzen bekommen.

Einen Versuch, sich Montagvormittag für sein geplantes Erstrundenmatch am Abend gegen Donald Young (USA) einzuschlagen, musste er abbrechen.

Darum hat Melzer schweren Herzens eigentlich entschieden, dass er seine Saison vorzeitig beenden wird.

Diesselbe Blessur wie in Rom

"Er hat es schon in der Nacht gespürt und dann in der Früh beim Einschlagen ist es gar nicht mehr gegangen", erklärte Melzer-Manager Ronald Leitgeb am Montag.

"Er sagt, es ist dasselbe wie in Rom, genau dieselbe Stelle. Vielleicht kommt es auch von irgendwelchen Ausweichbewegungen im Zusammenhang mit dem verletzten Oberschenkel", mutmaßte Leitgeb.

Melzer hatte sich heuer in Rom eine Art Blockade im Lendenwirbelbereich zugezogen, die ihn dann in der Folge auch bei den French Open sehr behindert hat.

"Es gibt kein fitspritzen"

Leitgeb zeigte sich bezüglich einer Masters-Teilnahme wenig zuversichtlich:

"Ohne Druck, aber eher nicht", meinte Leitgeb auf eine diesbezügliche Frage. "Sollte es sich ergeben, ja, aber jetzt muss man einmal schauen, dass er komplett schmerzfrei ist und der Körper sich wieder erfängt."

Als Spieler stehe man die gesamte Saison lang unter Druck und habe keine Zeit, sich einmal vier Wochen aus dem Betrieb herauszunehmen. "Das machen wir jetzt einmal."

Man wollte den French-Open-Halbfinalisten 2010 und diesjährigen US-Open-Doppel-Sieger auch nicht mit aller Gewalt auf den Platz stellen. "Es gibt jetzt kein fitspritzen, das schleppt man dann mit. Jetzt muss man einmal eine harte Entscheidung treffen und es ist eine knallharte, zu sagen: heute ist die Saison beendet. Aber es ist die einzige Chance, ihn auch wieder hundertprozentig hinzukriegen", stellt Leitgeb noch am Vormittag fest.

Kritik am System

Melzer hatte vor kurzem in Wien selbst angedeutet, dass die Regenerationszeit bei Verletzungen mit zunehmendem Alter länger dauert, doch das Alter spielt für Leitgeb in diesem Fall keine Rolle.

"In Summe ist es keine Altersfrage, sondern eine des ATP-Systems. Du brauchst einfach Phasen des Aufbaus und der Regeneration."

Dafür bleibt den Spielern freilich wenig Zeit. Durchaus mitspielen könne, so Leitgeb, auch die Tatsache, dass Melzer aufgrund seiner Erfolge 2010 sehr viel spielen musste, und dies nun eine Spätfolge sein könnte.

Dass Melzer dank seiner ausgezeichneten Doppel-Qualitäten auch eine Doppelbelastung hat, ist auch klar. "Wie willst du das jemanden, der zu den weltbesten Doppelspielern gehört, verbieten?", fragte Leitgeb zurecht.

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