Die Tennis-Szene zieht den Hut vor Muster

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In dieser Woche geht in der Wr. Stadthalle eine rot-weiß-rote Tennis-Ära zu Ende.

Thomas Muster wird nach seinem überraschenden Comeback im vergangenen Jahr sein definitiv letztes Turnier auf der ATP-Tour spielen.

Im Generationen-Duell trifft der mittlerweile 44-jährige Steirer am Dienstag auf den 26 Jahre jüngeren Dominic Thiem.

LAOLA1 hat sich im Vorfeld dieses heiß erwarteten Matches in der österreichischen Szene umgehört.

Was halten Melzer & Co. vom etwas plötzlichen Ende des Muster-Comebacks, wie stehen sie zum ehemaligen Weltranglisten-Ersten und was erwarten sie vom Duell "Alt gegen Jung"?

Jürgen Melzer

Tom hat sich im Vorfeld wahrscheinlich mehr erwartet, als er im Endeffekt gewonnen hat. Für ein Match hat es heuer gereicht. Deshalb wird er sich wohl auch dazu entschlossen haben, im nächsten Jahr etwas leiser zu treten und nur mehr Challenger zu spielen. Er hat wohl gemerkt, dass das Loch zur ATP-Tour einfach zu groß ist. Ich kann aber nicht in ihn reinschauen. Ich finde es immer noch toll, wie er trainiert und sich vorbereitet. Sein Ehrgeiz und sein Einsatz sind beeindruckend! Er muss selbst entscheiden, wann es genug ist. Die passende Bühne wird ihm in Wien jedenfalls geboten.

Tom war der Tennis-Spieler, der das Tennis in Österreich groß gemacht hat und zu einer Sportart gemacht hat, die laufend im Fernsehen übertragen wird. Er war die Nummer eins der Welt und ist mit seinen unglaublichen Leistungen ein Volksheld geworden. Daher hatte seine Karriere natürlich auch viel Einfluss auf mich. Das österreichische Tennis wäre sonst nicht da, wo es heute ist. Natürlich war er ein Vorbild für mich, weil er aus meinem Land kommt und die Nummer eins der Welt war. Vom Spielerischen her waren wir aber einfach zu unterschiedlich.

Andreas Haider-Maurer

Tom braucht keinem Menschen etwas beweisen. Er hat sich gegenüber vor einem Jahr stark verbessert. Ich respektiere, was er macht. Er gibt immer sein Bestes. So wie er trainiert, trainieren auf der Tour nur sehr wenige. Ich sehe sein Comeback deshalb sehr positiv. Er muss selber für sich entscheiden, was noch möglich ist oder wann er aufhört. Es ist immer angenehm, ihn bei einem Spiel zu sehen. Er wird ja eh noch ein paar Challenger spielen, wie zum Beispiel in Salzburg in ein paar Wochen.

Tom hatte sicher einen großen Einfluss auf meine Karriere. Obwohl ich bei seinen Erfolgen noch etwas zu jung war, ist er von der Jugend auf ein großes Vorbild von mir. Als ich im letzten Jahr in der Wr. Stadthalle gegen ihn gespielt habe, war es eine große Ehre für mich. Es hat mir gefallen, dass ich so etwas erleben durfte.

Gegen Dominic wird es eine interessante Partie. Für beide ist es eine große Chance. Ich glaube, dass es ein offenes Match werden wird. Schauen wir mal, was dabei rauskommt.

Ronnie Leitgeb (ehemaliger Muster-Coach)

Tom hat sich in diesem Jahr o.k. geschlagen. Er hat eine irrsinnige körperliche Entwicklung gemacht. Das ist einer so spezifischen Sportart wie Tennis aber nur ein Punkt. Die Gesamtentwicklung des Sports bleibt nicht stehen. Er hat eigentlich mehr geschafft, als ich mir anfangs gedacht habe. Dass er es in dieser letzten Konsequenz so lange durch hält, hätte ich mir nicht gedacht.

Angeblich haben wir mittlerweile kein gutes Verhältnis mehr zueinander. Das ist aber eine Mär, die von gewissen Leuten gerne gestreut wird. Ich habe ein korrektes Verhältnis zu Tom und er hat zu mir auch ein korrektes Verhältnis. Wir haben kein tägliches Business miteinander und wir schlafen nicht mehr im selben Zimmer, so wie wir es sieben Jahre lang praktiziert haben. Es gibt aber keine Ressentiments von meiner Seite.

Das Duell gegen Dominic ist eine Riesenwerbung für das österreichische Tennis. Dieses Spiel wird es wahrscheinlich nur einmal geben. Für Dominic ist es eine ganz schwierige Auslosung. In alter Verbundenheit würde ich auf den Thomas tippen. Es wäre ein großer Schritt für ihn. Bei Dominic geht es weniger um seine Trainingsleistung als vielmehr um seine mentale Stärke. Er muss mental über sich hinauswachsen. Das ist eine tolle Challenge.

Das Match ist mit dem Duell vom Vorjahr gegen Haider-Maurer nicht zu vergleichen. Andi hatte Tour-Erfahrung und ist ein gestandener Profi. Für Dominic ist das wie eine Explosion. Mein Gefühl sagt mir, dass am Ende des Tages Tom das Match für sich entscheiden wird.

Herwig Straka (Turnierdirektor und Muster-Manager)

Beim Frühstück haben wir über die Auslosung gesprochen. Tom hat sich eigentlich Martin Fischer zur Revanche gewünscht. Gegen ihn hätte er sich nach der knappen Niederlage in Todi (Anm.: 6:7 im dritten Satz) einiges zugetraut. Es ist sowohl für Tom als auch für Dominic eine Herausforderung. Gegen jeden anderen hätte Thomas wahrscheinlich locker spielen können. In dem Fall ist es jung gegen alt. Die beiden trainieren ja sehr oft miteinander und kennen sich dementsprechend gut. Es wird sehr spannend werden. Für mich als Turnierdirektor ist es schön, weil auf jeden Fall einer der beiden in der zweiten Runde steht. Ich sehe es als Veranstalter also durchaus positiv.

Alex Antonitsch (Kitzbühel-Turnierdirektor)

Aus der Sicht eines Turnierdirektors ist das Comeback von Thomas Muster ein Wahnsinn. Tom macht nämlich auch extrem viel Arbeit abseits des Platzes. Er pusht seine Partien mit Interviews und dergleichen. Als Veranstalter würden wir gerne wieder eine Möglichkeit finden, dass er in irgendeiner Form spielen kann - sei es bei einem Senioren-Match oder im Doppel. Er war Nummer eins in einer Weltsportart – davon gibt es in Österreich nicht viele. Tom ist ein absoluter Hero und die Leute wissen das zu schätzen. Für mich war ein Satz von ihm in Kitzbühel ausschlaggebend. Als er sich nach einem 0:6 gegen Kohlschreiber unter Standing Ovations verabschiedet hat, hat er gemeint: „Genau das wollte ich. Ich will nichts geschenkt bekommen.“ Das ist der Tom, wie er ist.

Für das Publikum ist das Erstrunden-Duell gegen Dominic Thiem natürlich ein Knaller. Ich hoffe, dass sich die Fans fair gegenüber Dominic verhalten. Er spielt sicher schneller als Tom und kann ihm mit seinem Tennis richtig weh tun. Tom hat allerdings die Erfahrung auf seiner Seite. Eine volle Halle hat er schon öfter erlebt. Entscheidend wird sein, wie Dominic ins Spiel startet.

Aus der Wr. Stadthalle berichtet Christian Frühwald

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