"Ich habe nie gerne gegen Linkshänder gespielt"

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Eigentlich mag sie Jürgen Melzer ja nicht. Diese Vergleiche mit Thomas Muster.

In einer anderen Zeit setzte die steirische Tennis-Legende mit einem gänzlich konträren Spielstil Fußstapfen, die nur wenigen Ausnahme-Könnern nicht zu groß gewesen wären.

In einem Punkt findet sich zwischen Österreichs bestem und zweitbestem Spieler aller Zeiten aber trotzdem eine Gemeinsamkeit.

Beide machten bzw. machen die ATP-Tour als sogenannte "Leftys", also als Linkshänder unsicher.

"Das ist wohl wirklich das Einzige was uns verbindet. Wir spielen mit der linken Hand und haben denselben Manager (Anm.: Ronnie Leitgeb)", gibt Melzer im Gespräch mit LAOLA1 zu.

Als "Lefty" hat man - wie jeder Hobby-Spieler aus eigener Erfahrung weiß - einen nicht zu unterschätzenden Vorteil auf seiner Seite.

Federer: "Schwierig, sich auf Linkshänder einzustellen"

Melzer: "Der Drall vom Aufschlag geht in die andere Richtung. Man kann ganz andere Winkel als die anderen produzieren."

"Linkshänder können Breakbälle immer auf ihrer Lieblingsseite abwehren", erklärt Roger Federer. "Besonders mit einer einhändigen Rückhand, ist der Return extrem schwer anzubringen."

"Es ist schwierig, sich auf den Linkshänder-Aufschlag einzustellen. Man muss ruhig bleiben und einen Weg finden, um ihr Service zu durchbrechen."

Der Schweizer weiß, wovon er redet. Schließlich hat er oft genug von Langzeit-Rivale Rafael Nadal die Vorteile eines Linkshänders am eigenen Leib zu spüren bekommen.

Von 27 Duellen gegen den Spanier konnte der 16-fache Grand-Slam-Gewinner nur neun gewinnen.

Soviel darf spekuliert werden: Würde Nadal als Rechtshänder spielen, wäre dieses Head-to-Head wohl bedeutend knapper ausfallen.

Onkel Toni stellte Rafal Nadal auf Linkshänder um

Bedanken kann sich "Rafa" bei seinem Onkel und Coach Toni Nadal, der seinem Neffen schon im Alter von drei Jahren den Tennis-Sport ans Herz legte.

Denn eigentlich ist Nadal von Geburt an Rechtshänder. "Das Einzige, was Rafael mit seiner linken Hand macht, ist Tennis spielen", erklärt Toni. "Wenn man ihm einen Ball zuwirft, fängt er ihn mit der rechten Hand."

"Die Umstellung war nicht leicht"

Erst im Alter von acht Jahren wechselte er auf links. "Als Rafael klein war, spielte er die Vorhand beidhändig, weil er nicht stark genug war."

Platz Spieler Prozentsatz Bilanz
1. Rafael Nadal 92,5% 62:5
2. Pete Sampras 84,1% 143:27
3. Lleyton Hewitt 81,4% 79:18
4. Andy Roddick 80,7% 71:17
5. Boris Becker 80,4% 135:33
6. Mats Wilander 79,4% 104:27
7. Jimmy Connors 78,6% 169:46
8. John McEnroe 76,4% 123:38
9. Jim Courier 75,9% 104:33
10. Kent Carlsson 75,6% 31:10
11. Roger Federer 75,2% 88:29
12. Todd Martin 75,2% 76:25
13. Marcelo Rios 74,4% 58:20
<span style=\'color: #ff0000;\'>14. <span style=\'color: #ff0000;\'>Thomas Muster <span style=\'color: #ff0000;\'>74,2% <span style=\'color: #ff0000;\'>95:33
15. Tim Henman 73,8% 90:32
16. Gustavo Kuerten 73,8% 59:21
17. Andy Murray 73,8% 45:16
18. Michael Chang 73,7% 137:49
19. Andre Agassi 72,5% 121:46
20. Ivan Lendl 72,1% 163:63

Onkel Toni machte aus Rafa einen Linkshänder

"Ich habe ihm aber gesagt, dass es im Profi-Tennis wichtig ist, die Vorhand nur mit einer Hand zu spielen. Und dann haben wir es gleich so umgestellt, dass er die Vorhand mit links spielt."

Schließlich würde er damit über einen zusätzlichen Vorteil verfügen. "Die Umstellung war aber nicht leicht. Beim ersten Turnier hat sich Rafael sehr schwer getan", erinnert sich Toni zurück.

Für Melzer ist derartiges unvorstellbar: "Wenn du kein Gefühl in der linken Hand hast, kannst du das nicht machen. Wenn ich mit der einen Hand besser bin, dann werde ich auch mit der Hand spielen. Ich würde Keinem raten, von rechts auf links umzulernen."

Vorteil auf der Vorteil-Seite

Nadal selbst könne sich an diesen Eingriff kaum mehr erinnern. "Es hat sich aber auf jeden Fall ausgezahlt, von Rechts- auf Linkshänder zu wechseln", ist der zehnfache Grand-Slam-Gewinner überzeugt.

Mit einem Linkshänder-Aufschlag kann man seinen Gegner auf der Vorteil-Seite leichter aus dem Platz hinausdrängen. Zudem ist die Fehlerquote beim Return deutlich höher, da bei den meisten Spielern die Rückhand schwächer als die Vorhand ist.

"Habe nie gerne gegen Linkshänder gespielt"

Selbst wenn es zu keinem Fehler kommen sollte, hat der Aufschläger bei einem schlecht getimten Return schnell den Vorteil auf seiner Seite. Vor allem Rod Laver und John McEnroe haben zu ihrer Zeit mit dieser Taktik große Erfolge gefeiert.

"Ich habe nie gerne gegen Linkshänder gespielt", erinnert sich der ehemalige Weltranglisten-Erste Carlos Moya auf der offiziellen ATP-Homepage an seine aktive Karriere zurück.

"Mit ihrem Service nach außen auf der Vorteils-Seite ist es sehr schwierig. Man muss einen zusätzlichen Schritt nach links machen, öffnet dann aber eine Lücke in der Mitte. Da ist man dauernd am Umstellen."

Linkshänder macht kein "Aufschlag-Ass"

Für das Service sei es zwar hilfreich, Linkshänder zu sein, um als Aufschlag-Spezialist die ATP-Tour à la John Isner unsicher machen zu können, sei es für Melzer aber zu wenig.

"Den Aufschlag trainiert man nur dann verstärkt, wenn man sieht, dass er eine Waffe werden kann. Selbst bei mir war das nicht der Fall, da ich dafür einfach zu klein bin", meint der 1,83 Meter große Deutsch-Wagramer.

Linkshänder Moya spielte mit rechts

Petr Korda, der als Linkshänder bei den Australian Open 1998 triumphierte, gibt zu, dass "man gegen einen Linkshänder einfach immer länger braucht, um ins Spiel zu kommen. Der Ball springt anders weg und es ist für den Gegner sehr unangenehm."

Kurioserweise ist Moya selbst ein Linkshänder. Seine Vorhand hat der Paris-Sieger von 1998 aber immer mit rechts gespielt.

"Als Kind habe ich mir den rechten Arm gebrochen. Mit links hat sich das einfach nicht gut angefühlt", erklärt Moya, warum er sich selbst dieses Vorteils beraubte.

Christian Frühwald

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