Haas auf Wolke 7 - Tochter Valentina als Glücksbringer

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Mal zwickte der Rücken, dann schmerzte das Handgelenk. Die Hüfte wollte auch nicht so wie er und die Schulter schon gar nicht.

Operationen und Verletzungspausen standen Tommy Haas in den letzten Jahren immer wieder im Weg.

Die Karriere des Deutschen schien sich unaufhaltsam ihrem Ende zuzuneigen, doch der bald 35-Jährige hatte noch einen großen Traum, den er sich erfüllen wollte.

Vor den Augen der Tochter

Nicht etwa jenen, ein Grand-Slam-Turnier für sich zu entscheiden. Vier Mal zog er in die Runde der letzten Vier ein (zuletzt in Wimbledon 2009), triumphiert hat er nie.

"Dieser Zug ist wohl leider abgefahren. Da müssen wir die Kirche im Dorf lassen", will er sich keinen Illusionen hingeben.

Stattdessen hatte er das große Ziel, einmal live vor seiner Tochter zu spielen.

Im November 2010 erblickte Valentina das Licht der Welt, seither ist sie der ganze Stolz des Routiniers und seiner Verlobten, der Schauspielerin Sara Foster (u.a. bekannt aus "Spy Girls" und "90210").

Unglaublicher Erfolgslauf

Beim Masters in Miami sollte es schließlich soweit sein. Foster hatte Valentina mitgebracht, damit sie ihren Papi erstmals bei einem Turnier in Action sieht.

Für den Doppelstaatsbürger - neben der deutschen besitzt Haas seit Jänner 2010 auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft - ein Motivationsschub, der ihn zu neuen Höhen trieb.

Haas, der schon im Jugendalter als eines der größten Talente gepriesen wurde und seine "Lehre" in der Tennis-Akademie von Nick Bollettieri genoss, startete in Key Biscayne einen nicht für möglich gehaltenen Erfolgslauf.

Dem mühevollen Auftaktsieg über den Niederländer Igor Sijsling (6:0, 5:7, 6:3) ließ er ein 6:2, 6:3 gegen Alexandr Dolgopolov aus der Ukraine folgen.

Meisterstück gegen Djokovic

Das Meisterstück gelang ihm im Achtelfinale. Haas wuchs im Duell mit dem hochfavorisierten Serben Novak Djokovic, an Nummer eins gesetzt, über sich hinaus und fertigte diesen glatt mit 6:2 und 6:4 ab.

"Das ist einer der größten Siege meiner Karriere" urteilte er nach dem Sensationscoup, mit dem er Geschichte schrieb.

Es war nicht nur sein zweiter Erfolg gegen eine Nummer eins der Welt - die Premiere gelang ihm 1999 gegen Andre Agassi -, zugleich war es auch der erste Erfolg eines Ü30-Spielers gegen einen Weltranglisten-Ersten seit 30 Jahren.

„Djoker“ zollt Haas Respekt

"Es ist etwas Besonderes, das geschafft zu haben und dann noch gegen Novak, der seit Jahren das beste Tennis spielt und die wahre Nummer eins ist", konnte er das Geleistete kaum realisieren.

Sein Gegenüber zollte Haas größten Respekt. "Hut ab vor ihm, er hat großartig gespielt und war der Bessere", erklärte Djokovic nach seiner Niederlage.

Damit nicht genug, setzte der 34-Jährige noch einen drauf und ließ auch Gilles Simon in der Runde der letzten Acht keine Chance. Lediglich 64 Minuten benötigte er, um den Franzosen mit 6:3 und 6:1 vom Platz zu schießen.

In der Tat muss man den Hut ziehen, ist Haas doch der älteste Spieler in den Top 50 der Weltrangliste. Und wäre Ruben Ramirez Hidalgo (Nr. 100 der Welt) nur wenige Wochen jünger, würde Haas sogar die Seniorenliste der Top 100 anführen.

Die Serie soll weitergehen

Anzumerken ist ihm sein Alter derzeit freilich nicht. Haas agiert wie ein Mitt-Zwanziger und lehrt die Konkurrenz das Fürchten. Glücksbringer Valentina wirkt dabei wie ein Lebenselixier für den Altmeister.

Da muss der Nachwuchs auch mal "Überstunden" leisten. "Für gewöhnlich geht sie um halb acht ins Bett", gab Haas zu verstehen. In Key Biscayne wird aufgrund der späten Beginnzeiten eine Ausnahme gemacht.

Der Familienvater gestattet daher, dass der Nachwuchs länger aufbleibt, um bis zum Schluss die Daumen drücken zu können.

Auch im Halbfinale gegen den Spanier David Ferrer will Haas nicht darauf verzichten, schließlich hat er eine makellose Bilanz vor den Augen Valentinas. "Bis jetzt hat sie mich live noch nicht verlieren sehen." Das soll natürlich so bleiben.


 

Christoph Nister

 

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