Thiem: Mit dem Opa zum 1. Titel

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Thiem soll noch heuer in die Top 200 kommen

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Am Sonntag im tschechischen Teplitz war es endlich soweit: Österreichs Ausnahme-Talent Dominic Thiem durfte sich über den ersten internationalen Herren-Turniersieg freuen.

Der 18-jährige Niederösterreicher setzte sich im Endspiel des 10.000-Dollar-Futures gegen Landsmann Marc Rath mit 6:2, 6:4 durch.

Zum Drüberstreuen triumphierte er auch im Doppelbewerb an der Seite von Lukas Jastraunig.

Bresnik zufrieden

Coach Günter Bresnik ist mit seinem Schützling naturgemäß zufrieden. „Er hat schon in den letzten Wochen sehr gut gespielt, es aber bei den Turnieren dann nie so rübergebracht“, erzählt der Experte im Gespräch mit LAOLA1.

„Einmal hätte er richtig gut gespielt, da ist er plötzlich krank geworden. Das war ein Riesenpech. Diesmal hatte er eine schwere Partie. Er wehrte zwei Matchbälle ab und kam glücklich weiter. Ab diesem Zeitpunkt ist es dann sehr gut gelaufen. Er hat gemeint, er spielt nicht besonders, gewinnt die Matches aber trotzdem ganz klar.“

Großvater als Sieger-Maskottchen

Als perfektes Sieger-Maskottchen erwies sich Dominics Großvater, der den Teenager bei den drei auf den Platz stehenden Futuren-Turnieren in Tschechien begleitet.

„Der Großvater - ein sehr aktiver Mensch - ist insofern ein guter Coach, da er nicht unnötigen Druck auf den Kleinen ausübt. Witzigerweise war er über ein Jahr nicht mit und jetzt hat es gleich gefruchtet. Der Großvater ist erfolgreicher als die professionellen Coaches“,  scherzt Bresnik, der unterdessen von Österreich aus die Zügel in der Hand hält.

„Wir telefonieren fast immer miteinander. Vor dem Match, nach dem Match, am Abend. In der Früh machen wir noch einen kurzen Plan für den Tagesablauf.“

Thiem kratzt an den Top 500

Im ATP-Ranking wird sich Thiem dank dem Erfolg in Teplitz von Position 620 in die Top 550 schieben.

Von dem von Bresnik hochgesteckten Saisonziel Top 200 ist der Youngster damit aber immer noch weit entfernt.

Über 250 ATP-Punkte benötigt man für einen Platz in dieser Kategorie, mit den in Teplitz gewonnenen 18 Zählern hat er mittlerweile 55 auf dem Konto.

Bresnik hält an Ziel Top 200 fest

„Die 18 Punkte sind sehr wichtig. Darauf sollte man jetzt aufbauen. Er braucht jetzt noch zwei, drei Future-Titel, damit er auf die Challenger-Tour gehen kann. Dafür sollte er um die 100 haben.“

An den Top 200 hält Bresnik aber weiter fest: „Das Jahr ist noch nicht aus, da sollte man seine Ziele nicht so schnell anpassen. Es wird aber natürlich mit jedem Monat schwieriger. Man sieht aber, dass er einfach Turniere gewinnen kann – das ist eine große Qualität.“

Der ehemalige Coach von Horst Skoff und Boris Becker traut seinem Schützling mittlerweile sogar schon einen Erfolg bei einem Challenger-Turnier zu.

Wird das Gewinnen selbstverständlich?

„Er hat das Zeug, dass er Leute zwischen den Top 50 und 100 schlagen kann. Theoretisch ist sogar schon ein Challenger-Titel drin. Da machst du mit einem Schlag 50, 60 Punkte und dann kann es schnell nach oben gehen.“

Thiem wird diese und nächste Woche noch jeweils ein Future in Tschechien spielen, danach geht es nach Slowenien. „Im Idealfall wird das Gewinnen für ihn selbstverständlich und dann kann er locker zwei, drei Future-Turniere gewinnen“, hofft Bresnik. “Die spielerischen Voraussetzungen sind auf jeden Fall da.“

"Biologisch ist er noch nicht so weit wie andere"

Probleme könnte jedoch wieder einmal der Körper bereiten. Seinen Riss in der Kniescheibe vom Jänner hat Thiem zwar mittlerweile ausgeheilt, „biologisch ist er aber einfach noch nicht so weit wie andere.“

„Teilweise sind 15-, 16-Jährige weiter als er. Das kann und will ich aber auch nicht beeinflussen. Er soll jetzt einmal seine Entwicklung durchlaufen“, bleibt Bresnik geduldig. „Ich weiß, wie gut er ist und er selbst weiß das jetzt auch wieder.“

Kitzbühel-Wild-Card für drei Jahre

Den Glauben an Thiem haben mittlerweile auch schon viele andere in Österreich gefunden. Der Präsident des Kitzbüheler Tennis-Klubs, Herbert Günther, besuchte Bresnik in der vergangenen Woche in der Südstadt und garantierte dem Talent eine Wild Card für die nächsten drei Jahre.

„Das ist ein toller Vertrauensvorschuss“, ist Bresnik auf seinen Schützling stolz. „Die rechnen natürlich damit, dass er einmal richtig gut wird.“

Die Kitzbüheler sind in diesem Punkt nicht alleine. Darauf hofft ganz Tennis-Österreich.

Christian Frühwald

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