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“Die ATP soll John Tomic von der Tour verbannen"

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“Die ATP soll John Tomic von der Tour verbannen. Ich will ihm im Tennis-Zirkus nie wieder begegnen!“

Thomas Drouet ist sauer, richtig sauer.

Der 29-jährige Franzose ist seit einem halben Jahr Trainingspartner von Bernard Tomic.

Zum Tennis spielen wird er in der nächsten Zeit aber nicht mehr kommen.

Nasenbeinbruch nach Kopfstoß

Eine gebrochene Nase, ein Einriss im rechten Augenlid und eine beleidigte Wirbelsäule – zumindest fünf Wochen wird Drouet damit ausfallen.

Zu verdanken hat er dies eben John Tomic. Der Vater von Bernard, die aktuelle Nummer 53 im ATP-Ranking und eines der größten Talente auf der Tour, setzte ihn am Samstagnachmittag in Madrid mit einem wuchtigen Kopfstoß für 15 Minuten außer Gefecht und fügte ihm dabei diese Verletzungen zu.

Streit um Packung Milch

Doch was war passiert? Warum rastete der Vater eines 20-jährigen Preisgeld-Millionärs derart aus?

Die Antwort ist erschütternd: Es ging um eine Packung Milch. Schon am Vormittag hätte Drouet diese organisieren sollen. Nachdem sich der Franzose mehrmals dieser Aufforderung verweigerte, eskalierte die Situation.

John Tomic und Sparring-Partner Drouet

„Er hat mir ins Gesicht gespuckt und mir gesagt, dass ich gefeuert bin und kein Geld mehr von ihm bekomme“, erzählte Drouet in der australischen „Herald Sun“. Mit diesen Worten kehrte ihm Tomic den Rücken.

Erstversorgung durch Dolgopolov und Tipsarevic

„Ich habe ihm dann gesagt, dass es okay für mich ist, Bernard wird mich schon bezahlen. Dann hat er sich plötzlich zu mir umgedreht und mir einen Kopfstoß versetzt. Ich habe nach Hilfe geschrien, bin niedergefallen und verlor für 10, 15 Minuten das Bewusstsein. Danach bin ich ins Hotel zurückgegangen und habe am ganzen Körper gezittert.“

Die Spieler Alexandr Dolgopolov und Janko Tipsarevic kümmerten sich in der Rezeption um den stark blutenden Drouet und verständigten die Rettung. Beide könnten noch von der spanischen Polizei befragt werden.

„Ich habe allerdings nicht gesehen, was passiert ist“, kann der Ukrainer allerdings wohl nur bedingt zur Aufklärung des Vorfalls beitragen.

„Er behandelt mich wie einen Hund“

Schon in den vergangenen Monaten gab es mit John Tomic immer Konflikte. „Er hat mich nie mit Respekt, sondern immer nur wie einen Hund, wie Scheiße behandelt“, so Drouet, der dabei auch an Bernard Tomic denkt.

„Er ist ein guter Junge, aber sein Vater manipuliert ihn. Er muss einen unglaublichen Druck aushalten – und das jeden Tag, seitdem er zehn Jahre alt ist. Wenn sein Vater nicht dabei ist, ist Bernard sehr entspannt. Ansonsten herrscht immer eine bedrohliche Stimmung.“

Bereits in der vergangenen Woche sei es im Training zu Handgreiflichkeiten gekommen. Nach einer Sparring-Session habe Tomic senior seinem Sprössling einen Schlag ins Gesicht verpasst. Bernard soll daraufhin in Tränen ausgebrochen sein.

„Der Typ gehört einfach weg von der ATP-Tour“, stellt Drouet klar.

Tomic sieht den Fehler nicht bei sich

Der mutmaßliche Aggressor sieht die Lage freilich anders: „Ich fühle mich nicht schuldig, ich glaube nicht, dass ich etwas Falsches getan habe“, verteidigte sich John Tomic gegenüber australischen Medien.

Seine Anwältin Carmen Dieguez erklärte, dass ihr Mandant dem Franzosen riet, einen Spaziergang zu machen, als dieser plötzlich aggressiv wurde. Der Kopfstoß soll eine Art Reflex gewesen sein, als er sich mit einem Griff an Drouets Schultern verteidigen wollte.

„Seiner Meinung nach war es Selbstververteidigung“, so Dieguez, die Tomic senior am 14. Mai vor dem Gericht in Madrid verteidigen wird.

Tomic ist kein unbeschriebenes Blatt

Der Tennis-Vater, der mit seiner Familie in den 90er-Jahren in den Wirren des kroatischen Unabhängigkeitskrieges über Stuttgart nach Australien flüchtete, ist auf der ATP-Tour kein unbeschriebenes Blatt.

Im Jahr 2006 soll er andere Coaches mit dem Auto von der Straße gedrängt haben. Drei Jahre später in Perth nahm er seinen Sohn vom Platz, weil er mit der Schiedsrichter-Leistung nicht einverstanden war.

Zudem liegt er seit Jahren mit dem australischen Tennis-Verband im Clinch. Immer wieder drohte er in Verhandlungen über finanzielle Unterstützungen damit, Bernard in Zukunft unter der kroatischen Flagge spielen zu lassen.

Auch der Sohnemann übertreibt gerne

Sein Sohnemann erwies sich in der Vergangenheit ebenfalls bereits als kleine Skandalnudel (Skandal-Boy Bernard Tomic). Wegen Geschwindigkeitsübertretungen und wilden Partys durfte Bernard Tomic schon öfters mit der Polizei Bekanntschaft machen.

Für Aufsehen sorgte Tomic auch einmal, als er den Stuhl-Schiedsrichter darum bat, seinen Vater des Stadions zu verweisen, da ihn dieser in seinem Spiel störe.

Mittlerweile bekommt er für diese Aktion wohl mehr Verständnis zugesprochen. Wobei sich dieses Thema in Zukunft sowieso erledigt haben könnte. Die ATP überlegt eine lebenslange Sperre von John Tomic.

Christian Frühwald

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