Thiem: "War immer am Abgrund"

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Kohlschreiber stoppt Erfolgslauf von Thiem

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Nach zehn Siegen en suite, die ihm zwei ATP-Titel in Umag und Gstaad sowie ein Halbfinale in Kitzbühel gebracht haben, war im elften Match für Dominic Thiem Endstation.

Ein starker Philipp Kohlschreiber verhinderte am Freitag ein neuerliches Kitz-Finale Thiems mit einem 6:0,7:6(6)-Erfolg nach 88 Minuten.

Den Titel macht er sich am Samstag mit Überraschungsfinalist Paul-Henri Mathieu (FRA) aus.

Bärenstarker Kohlschreiber

Kohlschreiber startete bärenstark in den ersten Satz, den er nach nur 25 Minuten auch schon wieder beendete.

Thiem fand hingegen gar nicht seinen Rhythmus, dementsprechend selbstkritisch war er auch.

Zum TV-Interview ging er erst gar nicht, bei der Pressekonferenz hatte er sich etwas abgekühlt in der wieder enormen Hitze in Kitzbühel. Auf dem Platz wurden in der Sonne 43 Grad gemessen.

"Bin immer am Abrund gewankt"

"Der erste Satz war natürlich wieder ein schrecklicher Fehlstart. Der zweite war dann besser, aber alles in allem war er die ganze Zeit der bessere Spieler", konstatierte der 21-jährige Niederösterreicher.

"Ich habe keinen einzigen Breakball gehabt. Ich bin immer am Abgrund gewankt und habe mich irgendwie ins Tiebreak gerettet. Und dann habe ich beim Satzball einen Doppelfehler gemacht, der im Netz verhungert ist", lautete die unzufriedene Bilanz Thiems.

"Hab mich gut reingefightet"

Natürlich sei die Spannung nach seinem großen Programm nicht mehr ganz so groß wie am Anfang gewesen. "Aber trotzdem habe ich mich spät aber doch wieder sehr gut reingefightet."

Dies sei aber auch gegen Andreas Haider-Maurer so gewesen. "Das kann nicht immer gut gehen, wenn man sich die ganze Zeit auf einem Drahtseil bewegt und die Gefahr ist, dass man das Break kriegt."

An seine Serie hat er jedenfalls nicht gedacht. "Jede Serie ist irgendwann einmal vorbei - selbst die von Djokovic war vorbei damals. Es ist ganz normal, dass es irgendwann einmal bergab geht mit allem."

Das Angebot Kohlschreibers, sich auch am Finaltag von Dominics kleinem Bruder Moritz einspielen zu lassen, brachte Thiem dann wieder zum Lächeln. "Ich weiß nicht wie er dann heimkommt. Wenn er ihn heimführt, habe ich nichts dagegen", meinte Thiem lachend.

Thiem denkt schon an Monreal

Natürlich war Thiem nicht frohen Mutes, aber nach einer so reichen Beute der vergangenen Wochen, zeigte er auch Demut. "Ich denke, es wäre auch vermessen, wenn ich enttäuscht wäre. Ich habe gegen einen Gegner verloren, der einfach stärker war und natürlich habe ich die letzten drei Wochen sehr gut gespielt."

Darum dachte Thiem schon an die Abreise nach Montreal am Sonntag zum Masters-1000-Turnier. Die Canadian Open sind wieder eine ganz andere Liga als zuletzt.

"Die Matches sind nicht so ein Problem, aber das Reisen und der Jetlag. Aber trotzdem ich fahre jetzt nicht hin und schenke ab, sondern werde auch dort alles versuchen."

Thiem reist sogar als neue Nummer 17 der Welt nach Übersee, da diejenigen Spieler, die ihn dank guter Leistungen in Washington noch hätten überholen können, ausschieden.

Kohlschreiber: "War grandios von mir"

Finalist Kohlschreiber bilanzierte sein Halbfinale freilich ganz anders. "Der erste Satz war sicher grandios von mir: alles richtig gemacht, keine Fehler, druckvoll agiert. Da habe ich nahe an meinem Limit gespielt", freute sich der Wahl-Kitzbüheler.

"Im zweiten hat sich Dominic gesteigert, aber ich hab ein, zwei Geschenke gemacht und so aus meiner Sicht das Match unnötig zu eng gemacht", bilanzierte der zehn Jahre ältere Kohlschreiber.

In seinem heuer zweiten Finale nach München hofft Kohlschreiber nun auf seinen sechsten Titel.

"Der Traum ist jetzt, hier das Turnier zu gewinnen. Aber Mathieu hat sich aus der Quali durchgefightet, hat sich stark präsentiert, war schon Nummer zwölf der Welt, ihn darf man nicht unterschätzen."

Kohlschreiber hat gegen Mathieu eine 3:1-Bilanz und, was noch wichtiger ist, zwei der Siege hat er 2015 gefeiert. Es wäre der erste Titel seit Düsseldorf 2014 und erst der zweite außerhalb von Deutschland.

Langer Leidensweg von Mathieu

Glücklich war auch sein Finalgegner Mathieu, der als erster Qualifikant der Turniergeschichte in der Profi-Ära um den Titel spielt. Er hat einen zweijährigen Leidensweg mit Verletzungen sowie einer Erkrankung seiner Frau hinter sich.

"Das ist sehr groß für mich, weil ich viele schwere Momente hatte und ich habe oft zu mir selbst gesprochen und mir gesagt, dass ich es immer noch schaffen kann", erklärte der 33-jährige Franzose, der im Ranking (noch) auf Platz 109 liegt.

Das Endspiel geht am Samstag nicht vor 13.00 Uhr in Szene.

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