Thiem löst Melzer als Österreichs Nummer eins ab

Aufmacherbild
 

Zumindest vorübergehend kam es an diesem Montag im österreichischen Tennis zur Wachablöse.

Erstmals seit dem Juni 2008 ist Jürgen Melzer nicht mehr die rot-weiß-rote Nummer eins.

Da der 32-jährige Deutsch-Wagramer in der Vorwoche in Madrid schon in Runde eins gegen Juan Monaco verlor und Dominic Thiem mit seinem Sensation-Sieg über Stanislas Wawrinka ins Achtelfinale einzog, ist seit dem 12. Mai 2014 erstmals der Youngster Österreichs bester Tennis-Spieler im ATP-Ranking.

Schlägt Melzer zurück

Während sich Thiem von Position 70 auf Rang 61 verbessern konnte, rutschte Melzer von Platz 64 auf 67 zurück.

Seinen Nummer-1-Status könnte sich Melzer allerdings schon in dieser Woche wieder zurückholen.

Nach seinem überraschenden Erstrunden-Sieg beim ATP-1000-Turnier in Rom über US-Aufschlagkanonier John Isner fehlen dem ehemaligen Weltranglisten-Achten noch zwei Siege, um wieder an Thiem, der derzeit wegen Magenbeschwerden pausieren muss, vorbeizuziehen.

Melzer erstmals seit 2008 "nur" Nummer 2

Am 16. Juni 2008 war Jürgen Melzer zuletzt "nur" der zweitbeste Tennis-Spieler Österreichs. Als 82. lag er acht Positionen hinter Stefan Koubek.

Damals kämpfte er sich nach einer monatelangen Verletzungs-Serie (Handgelenk, Rücken, Bänderriss im Knöchel) wieder zurück an die Spitze.

Zwei Jahre später stand Melzer am Höhepunkt seiner Karriere: Bei den French Open erreichte er nach einem Viertelfinal-Sieg über Novak Djokovic das Halbfinale.

In Folge stand Melzer im Endspiel von Hamburg, feierte Siege über Rafael Nadal und Roger Federer und schaffte als zweiter Österreicher nach Thomas Muster den Sprung in die Top Ten.

Melzer als unangefochtene Nummer eins

Ein Blick auf unsere Statistik zeigt, dass in dieser Zeit über die rot-weiß-rote Nummer eins eigentlich keine Diskussion geben konnte. Nach dem Rücktritt von Koubek konnte nur Andreas Haider-Maurer in die Top 100 der Welt reinschnuppern.

Aber auch schon vor dem verletzungsbedingten Absacker im Jahr 2008 blieb Melzer als rot-weiß-rote Nummer eins meist ungefährdet.

Einzig im August 2006 machte ihm der heutige Doppel-Spezialist Oliver Marach Dampf, als er als Weltranglisten-82. nur neun Positionen hinter dem Deutsch-Wagramer lag.

Melzer löste Koubek ab

Ansonsten stand Melzers Status allerdings nie Gefahr, seitdem er am 12. Jänner 2004 erstmals vom ATP-Computer als Österreichs Nummer eins ausgepuckt wurde. Damals konnte Koubek seinen Doha-Titel nicht verteidigen und stürzte von Position 53 auf 91 ab.

Melzer und Thiem verstehen sich blendend

Beinahe kampflos erbte Melzer dadurch den Platz an der Sonne, den er in den kommenden zehn Jahren bis eben auf wenige Wochen im Jahr 2008 nicht mehr hergab.

Kampf um Nummer eins könnte spannend werden

Langfristig wird die Position Thiems als neue heimische Nummer eins voraussichtlich ebenfalls ziemlich einzementiert sein. Melzer könnte kurzfristig aber durchaus noch ab und an die Nase vorn haben.

Schließlich hat der 32-Jährige aufgrund seiner Schulterprobleme ein halbes Jahr pausieren müssen und dementsprechend ab Oktober keine Punkte mehr zu verteidigen.

Spätestens dann werden also die Karten wieder völlig neu gemischt. Österreichs Tennis-Fans können sich also freuen, wenn sich die der Alt- und der Jungstar gegenseitig zu Höchstleistungen hochpushen.

Schlussendlich entscheidet sowieso das inter- und nicht das nationale Ranking über Wohl und Wehe der Beteiligten.

Schließlich ist auch ein Roger Federer aktuell nur die Nummer zwei im eigenen Land - ein Status, mit dem der Schweizer Weltranglisten-Vierte aber wird leben können.

Teamplay statt Kleinkrieg

Trotz allem Konkurrenz-Denken ist zudem nicht zu befürchten, dass dem heimischen Tennis in Zukunft ein Kleinkrieg wie in den 90er Jahren zwischen Thomas Muster und Horst Skoff droht.

Alt und jung kommen ausgezeichnet miteinander aus. Melzer hilft Youngster Thiem vielmehr, schnell auf der Tour Fuß zu fassen.

Seit seinem Comeback nach halbjähriger Verletzungspause posten beide Spieler regelmäßig gemeinsame Aktivitäten auf sozialen Netzwerken.

"Es ist sehr wichtig, dass wir Top-Spieler haben", zeigte sich der Routinier im Gespräch mit LAOLA1 schon zu Saisonbeginn betont kollegial und patriotisch.

Zudem gab Melzer schon öfters zu bedenken, dass es in Zukunft vor allem im Davis Cup Grund für erhöhten Optimismus gibt.

Christian Frühwald

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen