"Manchen fehlt der Respekt"

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Hochzeit? "Man wird entspannter und reifer"

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Jürgen Melzer kann auf erfolgreiche Wochen zurückblicken.  Nach dem Challenger-Titel in Dallas stürmte der 31-jährige Niederösterreicher ins Viertelfinale des ATP-1000-Turniers von Miami.

Dort musste sich der ÖTV-Daviscupper erst dem späteren Finalisten David Ferrer geschlagen geben.

Den Lohn für diese Mühen gab es am Montag schwarz auf weiß: In der Weltrangliste verbesserte sich Melzer auf Platz 37, das Race 2013 weist ihn gar als Nummer 16 aus.

„Gute Ausgangsposition“

„Damit habe ich eine gute Ausgangsposition für die nächsten Monate“, freut sich der Deutsch-Wagramer im LAOLA1-Interview. Schließlich hat er nach der verpatzten Sandplatz-Saison im vergangenen Jahr heuer kaum Punkte zu verteidigen.

Die Gründe für den Aufschwung sieht Melzer neben harter Arbeit in der Vorbereitung vor allem in seinem neuen Trainer-Team. Mit Coach Alex Waske und Fitness-Trainer Christian Rauscher verfügt er über ein eingespieltes Betreuer-Gespann.

Perfektes Umfeld

„Das funktioniert sehr gut. Sie pushen einen richtig nach vorne“, erklärt Melzer, der am Mittwoch wieder für ein paar Tage Training nach Offenbach in die Tennis-Akademie von Waske, die er gemeinsam mit Rainer Schüttler betreibt, reiste.

Hinzu kommt, dass nach seiner Hochzeit im vergangenen Jahr mit Damen-Profi Iveta Benesova auch im privaten Umfeld alles passt.  Als Ehemann sei in ihm, eine „gewisse innere Ruhe“ eingekehrt. „Man wird ein bisschen entspannter und reifer.“

Dadurch kann Melzer auch die in der Öffentlichkeit aufkeimende Kritik an seiner Person verkraften, die selten fundiert, dafür aber lautstark in die weite Welt getragen wird.

Warum er sich mittlerweile damit abgefunden hat, erklärt er ebenfalls bei uns.

LAOLA1: Gratulation zu den letzten Wochen. Wie schaut deine Bilanz nach Dallas und Miami aus?

Jürgen Melzer: Natürlich positiv. Ich habe mir selber wieder bewiesen, dass ich noch viele Matches hintereinander gewinnen kann. Was mir besonders wichtig ist: Vor allem in Dallas habe ich nicht immer super gespielt und gewonnen. Ich habe viele Partien rausgefightet. Das ist eigentlich noch positiver, da es einfacher ist, gut zu spielen und zu gewinnen. Wenn es wichtig war, habe ich gut gespielt. Nur das beste Match, das ich gespielt habe, habe ich leider verloren.

LAOLA1: Du meinst die Viertelfinal-Niederlage gegen David Ferrer.

Melzer: Genau. Da habe ich für mich selber wieder gesehen, dass ich denen da vorne wieder näher komme. Das war für mein Selbstvertrauen extrem wichtig.

Jürgen Melzer heiratet im September 2012 seine Iveta

LAOLA1: Wie hat sich für dich das Leben nach deiner Hochzeit im Vorjahr grundsätzlich verändert?

Melzer: Es ändert sich nicht viel, aber ich glaube doch, dass eine gewisse innere Ruhe einkehrt. Wir haben aber noch beide Wohnungen Wien und Prag und üben auch beide denselben Beruf aus. In einem selbst, dreht sich vielleicht eine kleine Schraube. Man wird ein bisschen entspannter und reifer.

LAOLA1: Ist euer Lebensmittelpunkt mehr in Wien oder in Prag?

Melzer: Es kommt immer darauf an, was sich gerade anbietet. Es geht sich wahrscheinlich auf 50:50 aus. Solange wir beide noch aktiv sind, werden wir daran nichts ändern.

LAOLA1: Iveta pausiert seit dem letzten Jahr wegen einer Verletzung an  der linken Schulter. Wann kehrt sie wieder auf die WTA-Tour zurück?

Melzer: Sie hat gerade erst das „protected ranking“ zugestanden bekommen und überlegt, wann sie wieder mit den Turnieren anfängt. Das wird irgendwann in der nächsten Zeit passieren. Da muss man dann einmal schauen, wie ihre Schulter darauf reagiert. Derzeit ist das noch alles Zukunftsmusik. Sie macht sich selbst aber keinen argen Stress.

LAOLA1: Du bist aktuell die Nummer 16 im Race – so schlecht war das Jahr 2013 bislang also nicht. Mit dem Saisonziel Top 20 liegst du voll auf Kurs. Beste Voraussetzungen also für die Sandplatz-Saison, oder?

Melzer: Ich hatte schon im letzten Jahr eine gute Ausgangsposition vor der Sandplatz-Saison aus der ich dann leider nichts gemacht habe. Ich brauche einen guten Start und dann können wir weiterschauen. Wichtig wird sein, dass ich bei den großen Turnieren punkte. Ich habe bis Paris durchgenannt, werde aber sicher nicht alles durchspielen. Casablanca, Monte Carlo, Bukarest, München, Madrid, Rom – da muss ich mir gut überlegen, wo ich dann spielen werde, damit ich in Paris zuschlagen kann.

LAOLA1: In der öffentlichen Meinung stehst du trotzdem oft heftig in der Kritik. Vor allem in Internet-Foren kommentieren viele User mit viel Spott und Häme, wenn es mal nicht so gut läuft. Im Laufe der Zeit wird man sicher abgebrühter, inwiefern ärgern dich Kommentare wie „Er soll doch endlich aufhören“ aber doch noch?

Melzer: Ich lese keine Internet-Foren mehr, mir wird es aber immer wieder zugetragen. Zwischendurch muss ich mich ja sogar rechtfertigen, wenn ich ein Challenger-Turnier gewinne. Bei uns wird im Tennis extrem viel negativ geschrieben. Ich habe erst kürzlich gesagt, dass man alles schlecht reden kann. Ich bin im April Nummer 16 der Welt – da ist schon einiges gespielt worden. Ich mache so gut wie möglich mein Ding – mehr kann ich nicht machen.

LAOLA1: Nimmst du es heute lockerer als früher?

Melzer: Klar, aber man denkt sich halt schon immer wieder, dass manchen einfach der gewisse Respekt fehlt. Im Ausland ist es besser. In Amerika oder Mexiko bekomme ich viel mehr Respekt, als es hierzulande der Fall ist. Aber dieses Thema wurde eh schon oft besprochen und ich will da auch gar nicht mehr viel drüber jammern. Es ist so, wie es ist. Da kann man nichts machen.

Das Gespräch führte Christian Frühwald

LAOLA1: Warum lief es zu Beginn der Amerika-Tournee so gar nicht nach Wunsch? Sijsling, Sousa, Zverev (Erstrunden-Niederlage in Memphis, Acapulco und Indian Wells) sind eigentlich Spieler, die nicht unbezwingbar sind.

Melzer: In Memphis habe ich noch ganz gut gespielt. Da hat Sijsling aber eine echt gute Partie gespielt und knapp gewonnen. In Acapulco habe ich die Umstellung auf Sand nicht geschafft und einen dementsprechenden Mist gespielt. Die Niederlage in Indian Wells war am Ende des Tages eigentlich positiv, da ich sonst nicht nach Dallas gekommen wäre. Wobei die Niederlage gegen Zverev aber extrem wehgetan hat. Da habe ich drei Sätze besser gespielt und war im Endeffekt einfach zu blöd, im entscheidenden Satz das Break zu machen. In Dallas ist es dann immer besser gelaufen. Je mehr man gewinnt, umso mehr wächst das Selbstvertrauen und dann ist in Miami auch noch eine gute Auslosung hinzugekommen. Ich freue mich, dass es wieder gut läuft. Ich habe mir auf jeden Fall eine gute Ausgangsposition für die nächsten Monate verschafft.

LAOLA1: Alex Waske gilt als großer Motivator. Hat er dich nach deiner Negativ-Serie richtig auf die Erfolgsspur gepusht?

Melzer: Das hilft auf jeden Fall. Man unterschätzt aber, wie gut das ganze Team Waske/Rauscher funktioniert. Die beiden kennen sich sehr gut. Sie wissen einfach, was zum richtigen Zeitpunkt zu machen ist und lassen nie locker und pushen einen nach vorne. Das geschieht aber alles mit Maß und Ziel. Es wird nie einer über den Kamm geschert. Sie können einen richtig motivieren. Auch während dem Match sind sie sehr laut. Alex spielt jeden Punkt beinahe selbst mit. Diese Energie bekommt man auch auf dem Court mit.

LAOLA1: Inwiefern gibt dir auch deine Frau Iveta Stabilität? Mit ihr hat dieser Siegeslauf in den USA ja begonnen. Ab Dallas war sie mit dabei.

Melzer: Das kommt natürlich auch dazu. Mit ihr fühle ich mich logischerweise auch sehr wohl – wäre ja auch schlimm, wenn es nicht so wäre.

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