"Tour ist geschlossene Familie"

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Huber: "Wir sprechen uns immer miteinander ab"

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Den sogenannten "Trainer-Effekt" kennen wir in erster Linie vom Fußball.

Im Tennis ist es selten, dass ein neuer Coach schon kurzfristig für eine positive Veränderung sorgen kann.

Außergewöhnlich schnell gestaltete sich die Zusammenarbeit zwischen Andreas Haider-Maurer und Daniel Huber zu einer Erfolgsgeschichte.

Der erst 30-jährige Tiroler ist seit Dezember des vergangenen Jahres Touring-Coach von "AHM". Seither geht es mit dem 28-jährigen Waldviertler steil bergauf.

Unter anderem erreichte er beim ATP-500-Turnier in Rio das Halbfinale und scheiterte in Monte Carlo erst im Achtelfinale am Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic.

Starke Ergebnisse, die ihn auf den 48. Weltranglistenplatz nach vorne brachten (Ende 2014 lag er noch auf Rang 82) und zuletzt für eine Woche sogar Dominic Thiem als Nummer eins in Österreich ablöste.

Auch die letzten zwei Erstrunden-Niederlagen in Folge ändern nichts am positiven Eindruck, vielmehr liegt der Fokus auf den French Open in Paris.

Im LAOLA1-Interview spricht Daniel Huber, wie es zur Zusammenarbeit mit Haider-Maurer kam, warum er sich für die Laufbahn als Tennis-Trainer entschied und über die Erlebnisse als junger Trainer plötzlich auf die große ATP-Tour zu kommen.

LAOLA1: Wie hat sich deine Zusammenarbeit mit Andreas Haider-Maurer ergeben?

Daniel Huber: Andi und ich haben uns schon vor einigen Jahren in Tirol kennengelernt, als er unter Karel van Wyk trainierte. Schon damals hat Andi einen Touring Coach gesucht und mich gefragt. Nach ein paar Turnieren hat sich das dann aber zerschlagen, weil Karel hauptberuflich für ihn verantwortlich sein wollte. Wir standen aber immer in Kontakt und haben uns immer gut verstanden. Ende letzten Jahres hat er mich dann erneut kontaktiert. Damals war ich im Vorarlberger Tennisverband tätig und habe unter anderem Yvonne Meusburger auf der Tour begleitet.

LAOLA1: Hast du selbst einmal Tennis gespielt?

Huber: In meiner Jugend hatte ich den Traum, selbst einmal Profi zu werden. Bei mir hat es aber nicht gereicht. Das habe ich relativ schnell erkannt. Nach der Schule und dem Bundesheer habe ich meine Trainer-Ausbildungen gemacht und mit Anfängern begonnen. Ich hatte immer schon ein großes Herz für diesen Sport. Langsam habe ich mich nach oben gearbeitet. Wobei es jetzt sogar relativ schnell gegangen ist.

LAOLA1: War es immer schon dein Wunsch Touring Coach zu werden?

Huber: Mein Ziel war es, einen Spieler zu betreuen, der dort steht, wo Andi jetzt steht. Dazu braucht es natürlich immer auch ein bisschen Glück, damit man zur richtigen Zeit die richtigen Leute trifft. Das hängt von vielen Zufällen ab. Dieser Job macht mir Spaß und ich lebe ihn total. Ich bin sicher ein junger Trainer, viele Coaches in meinem Alter gibt es auf der Tour nicht.

LAOLA1: Wie wird man von den erfahrenen Trainern auf der Tour aufgenommen?

Huber: Ich hatte das Gefühl, dass es nicht so leicht ist, dass man mit anderen Trainern in Kontakt treten kann. Es ist ein bisschen eine geschlossene Familie. Die meisten Trainer, die schon lange dabei sind, bleiben da drinnen, weil die Spieler sie bereits kennen. Es ist schwierig reinzukommen. Mittlerweile geht es aber schon ganz gut und langsam lernt man die Leute kennen.  Man entwickelt sich selbst weiter. Ich habe schon viel gelernt.

LAOLA1: Hast du dir schon einige Übungen abschauen können?

Huber: Das passiert immer wieder. Davon lasse ich mich gerne bereichern. Es funktioniert nicht, wenn ich als Trainer sage, dass nur meine eigenen Sachen gut funktionieren. Daher ist es super, wenn man Inputs von außen bekommt, die man für seine eigene Philosophie verwenden kann.

LAOLA1: Gehst du im Training auf Spionage-Tour?

Huber: Ich schau mir auf jeden Fall an, wie die Stars trainieren. Ich muss aber auch schauen, was davon im Spiel von Andi umsetzbar ist. Meist diskutiert man am Tisch mit anderen Trainern. Je nachdem wie offen man selbst auf die Leute zugeht, umso mehr kann man mitnehmen. Es soll immer eine gewisse Entwicklung stattfinden und kein Stillstand sein. Mit Österreichern kommt man natürlich schneller in Kontakt, an die Top-Stars kommt man da schon weniger schnell ran.

LAOLA1: In der Vergangenheit hat Andi schon sehr gute Partien gegen Top-Leute gespielt, wie zum Beispiel bei den US Open gegen Robin Söderling, wo er dann aber in fünf Sätzen verloren hat. Habt ihr auch mental gearbeitet?

Huber: Weder Andi noch ich sind große Fans des Mental-Trainings. Von diesem klassischen Gedanken muss man sich lösen und einmal schauen, was für einen Menschen man vor sich hat. Wie tickt er? Was hat er gern? Wann fühlt er sich wohl? Wenn wir gut arbeiten und kommunizieren, entsteht auch eine Art Vertrauen, durch das er sich vielleicht mehr zutraut. Der Rest passiert am Tennisplatz. Wenn er gute Punkte spielt, gibt ihm das eine Sicherheit in seinen Schlägen, auf die er dann auch in engen Situationen zurückgreifen kann. Psyche und Physis sind eng miteinander verbunden.

LAOLA1: Was sind eure Schwerpunkte im Training?

Huber: Die Beinarbeit ist generell immer ein Thema. Wir haben zum Beispiel ein paar Kleinigkeiten verändert, damit er sich bei Rallyes leichter tut. Was wir machen, sprechen wir auch immer miteinander ab. Ich will wissen, wie es ihm geht, wenn ich was Neues einbringe. Wenn er sich nicht gut dabei fühlt, dann mache ich das nicht, sondern finde einen anderen Weg.

LAOLA1: Wo habt ihr derzeit euren Trainings-Stützpunkt?

Huber: Wir trainieren in Innsbruck. Im Dezember waren wir noch in der Südstadt, weil Andi das schon davor fix ausgemacht hatte. Auf lange Zeit will er aber sowieso nach Tirol übersiedeln, weil dort seine Verlobte wohnt. Für mich ist es natürlich auch angenehm. In Tirol hat man seine Ruhe. Es ist ein Ort, an dem man wieder runterkommen kann. Das ist wichtig.

LAOLA1: Wie sind deine Erwartungen für die French Open?

Huber: Ich hoffe, dass die Auslosung so ausfällt, dass die dritte Runde möglich ist. Einen Gesetzten muss man dafür schlagen. Wenn es kein Djokovic oder Nadal sein sollte, hat Andi das aber auf jeden Fall drauf.

LAOLA1: Hast du als Trainer Erfahrung mit Rasen-Tennis?

Huber: Ich habe schon einmal darauf gespielt. Es ist natürlich etwas anderes, aber ich weiß schon, was ich mit ihm machen muss, damit sein Tennis auch auf Rasen funktioniert.

LAOLA1: Hast du spezielle Trainer-Vorbilder?

Huber: Nein, aber natürlich war wie bei jedem in meinem Alter Thomas Muster ein großes Vorbild.

LAOLA1: Bist du beim Davis Cup in Kitzbühel im ÖTV-Team mit dabei?

Huber: Wir haben diesbezüglich noch nichts ausgemacht und ich weiß noch gar nicht, wie es Stefan (Anm.: Davis-Cup-Kapitän Koubek) haben will. Ich glaube aber nicht, dass es gut ist, wenn jeder Trainer rund um die Uhr bei seinem Spieler ist. Ich werde auf alle Fälle vor Ort sein – und wenn ich in der letzten Reihe auf der Tribüne sitze. Damit habe ich auch kein Problem.

Das Gespräch führte Christian Frühwald

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