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LAOLA1 Active mit Fritz Strobl auf "Streif"-Zug

Zwei Blasen an den Fußsohlen, Sonnenbrand auf den Schultern, ein beinahe-Kreislaufkollaps und Muskelkater an Stellen, von denen ich gar nicht gewusst habe, dass ich Muskeln habe oder besser gesagt, haben sollte.

Mein Körper hat bei den "4. Salomon Aktiv Tagen" in Kitzbühel einiges mitmachen müssen, aber was nimmt eine Redakteurin nicht alles auf sich, um am Ende zu wissen, wovon sie schreibt?

Als drei Wochen zuvor die Einladung zu dem Event in meinen Posteingang "flatterte", war die Gefühlslage gespalten. Auf der einen Seite schien das Dreitages-Programm, das ganz im Zeichen von "Trail Running" stand, mehr als interessant. Wie oft bietet sich einem die Chance mit dem sechsfachen Berglauf-Weltmeister Jonathan Wyatt und Österreichs Aushängeschild Markus Kröll zu trainieren oder mit dem zweifachen Kitzbühel-Sieger und Streckenrekordhalter Fritz Strobl auf "Streif"-Zug zu gehen? Abgerundet sollte das Programm von Schuh- und Uhrentests sowie Workshops mit Fitness-Profis, Sportarzt und Physiotherapeut werden. Außerdem waren Langlauf-Doppel-Olympiasiegerin Evi Sachenbacher-Stehle und der Olympia-Silberne Peter Schlickenrieder als Gesprächspartner angekündigt.

LAOLA1-Redakteurin Martina Gugglberger (li.) bei der Arbeit

Dann ist es so weit. Jeder sucht sich einen passenden Schuh aus - in meinem Fall fiel die Wahl auf einen schwarz-türkisen Speedcross 3 - erhält eine Pulsuhr und los geht’s bei strahlendem Sonnenschein und knapp 30 Grad - natürlich zu Fuß - zum See. Ziel sind drei Runden à 2,4 Kilometer um das kühle Nass, wobei die erste langsam sein soll und das Tempo von Runde zu Runde gesteigert wird. Soweit die Theorie. Dass ich das in der Praxis nicht schaffen werde, ist mir eigentlich von vornherein klar. Unter den neugierigen Augen der zahlreichen Touristen werden nacheinander die Teilnehmer auf die Strecke geschickt. Ich versuche ganz langsam zu starten, schließe nach einigen 100 Metern zu einer Läuferin auf, die in etwa mein Tempo hat und gemeinsam geht’s weiter. Wir reden über unsere Lauf-Erfahrungen, analysieren unsere Schuhe. Wie fühlt er sich an? Hat man guten Halt?

Als wir über einen schmalen Holzsteg laufen, sehe ich meinen Kameramann, also schön lächeln und locker weiterlaufen. Gegen Ende der Runde wartet ein giftiger Anstieg, der meinen Puls auf 189 klettern lässt und viel Kraft kostet. Spätestens jetzt ist eigentlich klar, dass ich die volle Distanz nicht durchstehen werde, aber mich hat der Ehrgeiz gepackt und ich will zumindest eine weitere Runde schaffen. Also vorbei an Start und Ziel, das Tempo ein bisschen gesteigert und weiter geht’s. Nach dem ersten Stück im Wald spüre ich, wie es in meinem Kopf zu pochen beginnt, die Finger fangen leicht zu kribbeln an. Ich laufe noch einmal in der prallen Sonne über den Steg und auf einmal beginnt meine Umgebung zu „wackeln“. Mein untrainierter Körper hat offensichtlich mehr als genug und ich hätte eher auf ihn hören sollen. Das restliche Stück gehe ich in schnellem Schritttempo und feuere die Läufer an, die mich überholen. Zu allem Überfluss kündigen sich zwei Blasen auf der Fußinnenseite an. Ich hätte nicht vergessen sollen, die Sommersocken gegen Sportsocken zu tauschen.

Spannende Sache, wenn da nicht die andere Seite wäre. Meine Laufkarriere, wenn man die Teilnahme an Cross-Country-Rennen zu Schulzeiten als solche bezeichnen will, ist seit über 15 Jahren vorbei. Mittlerweile geht meine Kondition gen Null, aber eine solche Gelegenheit darf man sich einfach nicht entgehen lassen. Um mich nicht ganz zu blamieren, krame ich meine Turnschuhe aus dem hintersten Eck und gehe ein paar Mal die Woche eine kleine Runde Laufen. Mit "kleine Runde" meine ich wirklich klein, denn die ersten Male komme ich nicht über einen Kilometer hinaus und benötige beinahe ein Sauerstoffzelt. Am Ende meiner "Trainingswochen" schaffe ich immerhin zwei Kilometer ohne danach völlig kaputt zu sein.

Und dann ist er da, der Tag X. Um sechs Uhr in der Früh mache ich mich mit meinem Kameramann Christoph auf den Weg in die Gamsstadt. Im Hotel Kitzhof angekommen, werden wir bereits vom Salomon-Team rund um Philipp Nenning und Sabine Wolf empfangen. Nach der Reihe trudeln auch die weiteren Teilnehmer ein. Matthias, Bea, Edith … bald gebe ich die Hoffnung auf, mir alle 30 Namen zu merken. Beim Sekt-Empfang stellt sich schnell heraus, wer zu den echten Sportlern zählt und wer nicht.  Während sich Letztere für Sekt oder Aperol-Spritzer entscheiden, bevorzugen die anderen Mineralwasser mit Zitronenscheibe.

Im Ziel angekommen, setze ich mich völlig ausgepowert auf eine der vielen grünen Bänke. „Keine gute Idee“, meint Karl Matzner, unser zweiter Coach, und hilft mir wieder auf. Ich gehe langsam hin und her und es geht mir wirklich schnell besser. Gemeinsam machen wir noch ein paar Dehnungsübungen.  

In unserem Domizil, ja, das kann man wirklich so nennen, immerhin schlägt im Kitzhof die ÖSV-Truppe zu den Hahnenkamm-Rennen ihre Zelte auf, angekommen, will ich eigentlich nur noch ins Bett.  Allerdings steht in knapp eineinhalb Stunden Abendessen auf dem Programm. Also schnell rauf ins Zimmer, raus aus den durchgeschwitzten Klamotten und rein ins entspannende Schaumbad.

Nach dem Essen steht eine große Fragerunde mit Evi Sachenbacher-Stehle und Peter Schlickenrieder auf dem Programm. Zwei sehr erfolgreiche (Ex)-Langläufer aus Deutschland. Während sich die zweifache Olympiasiegerin die Spiele 2014 in Sotschi zum Ziel gesetzt hat, versucht Schlickenrieder als Vize-Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV) zum sportlichen Erfolg unserer Lieblingsnachbarn beizutragen und analysiert die Unterschiede zu Österreichs Langlaufteam.

Zum Abschluss eines ereignisreichen und langen Tages gönne ich mir an der Hotelbar ein gutes Glas Rotwein und bespreche mit Christoph die Pläne für den nächsten Tag. Der verspricht mir, einen Rollstuhl zu besorgen, sollte ich nicht mehr gehen können. Um halb eins falle ich todmüde ins kuschelige Bett. Wer darin von den Ski-Assen wohl schon geschlafen hat?

Nach einem ausgiebigen Mittagessen steht der erste Workshop auf dem Programm. Im Seminarraum sind verschiedene Modelle an Lauf-Schuhen ausgestellt und Suunto präsentiert auf einem großen Tisch die neuesten Pulsuhren. Salomon-Produktmanager Thomas Kamm erzählt uns von der Geschichte und Philosophie des Unternehmens, das 1947 mit der Produktion von Sägeblättern begonnen hat und mittlerweile vom Sportartikelmarkt nicht mehr wegzudenken ist. Salomon hat sich eine Reihe von Profis ins Boot geholt, die von der Planung über die Entwicklung bis zum fertigen Produkt mitarbeiten und ihre Erfahrungen einfließen lassen.  Zu diesem Team gehören auch die Bergläufer Jonathan Wyatt und Markus Kröll. Der eher introvertierte Neuseeländer sitzt nur drei Plätze links von mir und irgendwie hat man das Gefühl, dass es ihm fast unangenehm ist, als er vorgestellt wird und die Sprache auf seine Erfolge fällt.

Nach einer kurzen Einführung in die Funktionen der Pulsuhr Suunto Quest, die wir im Anschluss an den Theorieteil testen, klärt uns Fitness Coach Michael Mayrhofer über die Bedeutung der Herzfrequenz und so manches damit verbundene Ammenmärchen auf. Es sei ein Trugschluss, dass die Herzfrequenz analog ein Barometer für Leistung sei, da diese nicht nur durch Belastung, sondern auch Hormone gesteuert wird. Deshalb könne auch nicht für jeden gelten, dass der Fettstoffwechsel-Puls zwischen 120 und 140 oder ein hoher Puls bei 180 liege. Diese Durchschnittswerte, die von Leistungssportlern im Alter zwischen 20 und 25 Jahren stammen, seien im Einzelfall meistens falsch. Als Faustregel gelte: "Ein gesundes Herz kann man nicht überlasten." Sehr beruhigend, weil mein Puls wird wohl beim bevorstehenden Laufen um den Schwarzsee in ungeahnte Höhen schnellen.  Wir füllen auch einen zweiseitigen Fragebogen mit persönlichen Angaben und Trainingsstatus aus. „Wie oft laufen Sie in der Woche“ ist unter anderem zu lesen. Die Antwort „Nie“ steht erst gar nicht zur Auswahl. Ich muss schmunzeln und lasse die Frage unbeantwortet.

"Kuckuck, kuckuck, kuckuck“ – Mein Wecker reißt mich am nächsten Morgen um acht Uhr aus dem Schlaf.

Nach den Strapazen des vergangenen Tages viel zu früh, aber heute steht ein "Streif"-Zug mit Fritz „The Cat“ Strobl auf dem Programm.  Also raus aus den Federn. Aber mein Schwung in den Tag wird prompt gestoppt - Aua! Hab ich Muskelkater! Allerdings nicht in den Oberschenkeln, nein, an den Hüften! Da hat man Muskeln? Ich schalte einen Gang zurück und stehe ganz langsam auf. Das wäre geschafft. Rein ins frische Lauf-Outfit – dieses Mal mit Sportsocken, man lernt ja aus seinen Fehlern.

Im Frühstücksraum ist bereits reger Betrieb. Strobl und Markus Kröll sind bereits da. Für gewöhnlich lasse ich die wichtigste Mahlzeit des Tages aus,  aber an diesem Morgen müssen Kaffee, ein Glas Orangensaft und Müsli sein. Immerhin geht es auf die berühmt berüchtigte "Streif", dieses Abenteuer sollte man nicht mit leerem Magen in Angriff nehmen.

Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel macht sich der Tross gegen 9 Uhr auf zur Hahnenkamm-Bahn. Die Fahrt in der Sechser-Gondel, wir fahren mit jener von Kristian Ghedina, dauert lediglich ein paar Minuten und bietet einen tollen Blick über Kitzbühel und die Tiroler Bergwelt. Fast kitschig. Oben angekommen, sticht einem sofort das Starthaus ins Auge, das auf einer kleinen Erhebung thront.

Aber bevor wir die „Streif“ genauer unter die Lupe nehmen, geht’s ins Bergbahn-Museum, das im Restaurant „Hochkitzbühel“  integriert ist. Beeindruckend auf welchen Holzlatten sich die Ski-Asse von damals die gefährlichste Abfahrt der Welt hinuntergestürzt haben. Wo heute Hightech-Zäune stürzende Läufer abfangen, waren früher Strohballen der einzige Schutz vor Abgrund oder Wald. Im in der Rennwoche zum Vorbereitungsraum umfunktionierten Spielzimmer gibt der Streckenrekordhalter Streif-Anekdoten zum Besten und erzählt, wie ein nervöser Stefan Eberharter die jungen ÖSV-Abfahrer vor deren ersten Starts das Fürchten lehrte (hier geht’s zum Video). Ungewollt, wie Fritz mehrmals betont.

Beim ersten kurzen Abstecher ins Starthaus und einem beeindruckenden Blick aus dem Starthaus auf die steile Strecke, denke ich mir nur, dass man nicht ganz normal sein kann, wenn man sich da runter stürzt. Dann ist es vorerst vorbei mit dem gemütlichen Teil. Es wird wieder gelaufen. Die Schnellen schließen sich Jonathan und Markus an, der untrainiertere Rest Fritz. Die ersten 500 Meter auf der Schotterstraße den Berg hinauf kann ich noch mithalten, doch an diesem Tag stoße ich sehr schnell an meine Grenzen und muss einsehen, dass meine Batterien außer einem schnellen Wanderschritt nichts mehr hergeben. Thomas Kamm, Produktmanager bei Salomon, schließt sich mir an und gemeinsam bezwingen wir den Berg. Oben angekommen treffen wir auf den Rest der Strobl-Truppe. Nach einer Runde um einen angelegten Teich, in dem ein paar riesige Karpfen ihr Leben genießen und dessen Wasser im Winter für den Betrieb der Schneekanonen benötigt wird, geht es im Laufschritt über die unebene Wiese Richtung Bergstation. Endlich bergab!

Blick aus dem Starthaus auf die "Streif"

Als wir bei einer Almhütte vorbei traben, ruft die resolute Wirtin „Hey Fritz! Auffa mit dir!“ Strobl kennt hier oben echt Gott und die Welt. Kurzer Small Talk und die ganze Truppe wird hinauf zur Hütte beordert. Die Wirtin, eine fülligere Dame mittleren Alters in kurzer Lederhose und rot-weiß karriertem Hemd, stellt sich mit einer Nussschnaps-Flasche auf eine Bierbank. Wir laufen im Gänsemarsch an ihr vorbei und sie schüttet jedem einen Schuss des Hochprozentigen in den Mund. Einer schummelt sich immer wieder in die Schlange und hat am Ende vier Mal Spritzer intus - Fritz Strobl. So ein Schnapserl erweckt nicht nur in mir die Lebensgeister, auch manch anderer Teilnehmer ist nach dem Zwischenstopp aufgedreht – zumindest kurzfristig.

Im Starthaus angekommen, wartet ein sensationelles kaltes Buffet auf uns, welches mit allerlei Tiroler Schmankerl aufwartet und zwei deutsche Gäste, die unfreiwillig für Belustigung sorgen sollten. Nachdem Fritz, wie schon so oft an diesem Tag, von Wanderern erkannt und um ein Autogramm gebeten wird, werden die zwei Kölner neugierig und fragen den zweifachen Streif-Sieger und Streckenrekordhalter, ob er denn schon einmal die Abfahrt hinunter gefahren sei. Alle lachen und Fritz klärt sie über seine Person auf. Im Nachhinein ist ihnen ihre Unwissenheit sichtlich peinlich. „Das ist wohl so, als ob wir in Deutschland nicht wüssten, wer Günther Jauch ist“, findet sich schnell ein passender Vergleich. Ich mache unsere Lieblingsnachbarn auf die bronzene Plakette aufmerksam, die rechts am Eingang zum Starthaus Strobls Streckenrekord aus dem Jahre 1997 mit einer Zeit von 1:51,58 Minuten ausweist, aufmerksam. Ok, man muss als deutscher Flachländler Fritz Strobl nicht kennen, aber als sie dann erzählen, dass sie zu Beginn ihrer Gondelfahrt nicht gewusst hätten, dass sie am Ende auf der wohl bekanntesten Rennstrecke der Welt stehen, können wir nur lachend und ungläubig den Kopf schütteln.

Was das Herz begehrt: Kaltes Buffet am Starthaus

Frisch gestärkt von Schweinsbraten, Speck und Käse bzw. Salat und Gemüsestreifen macht sich ein Großteil zu Fuß auf den Weg über die "Streif" zum Hotel. Ich wäre gerne mitgegangen, aber auf mich wartet ein spannendes Interview mit Jonathan Wyatt. Höflich wie ich bin, biete ich dem Neuseeländer einen der zahlreichen Liegestühle an.  Doch von Bequemlichkeit in diesem Sinne hält der sechsfache Berglauf-Champion nichts. Die Liegestühle würden ein falsches Bild von ihm zeichnen und hätten mit Trail Running und dem Spaß in der Natur nichts zu tun. Ok, da muss ich ihm Recht geben. Wir setzen uns also auf den Holzboden vorm Starthaus, hinter uns der Wilde Kaiser. Jonathan, der sich immer ruhig im Hintergrund gehalten hat, blüht beim Thema Trail Running richtig auf und seine Augen beginnen zu glänzen. Er erzählt von seinen Fußproblemen, die ihn die ganze Saison gehandicapt haben, seiner Arbeit für Salomon und gibt Tipps für Einsteiger und Fortgeschrittene. Von seiner Begeisterung angesteckt, gebe ich ihm am Ende des Gesprächs ein Versprechen, das ich vielleicht noch bereuen werde. In einem Jahr will ich mit ihm im Laufschritt die Strecke bezwingen, den ich an diesem Tag noch im Schritttempo bewältigen musste.

Für den Rückweg wählen Christoph, Jonathan und ich die Gondel. Wir erwischen jene von Felix Neureuther, der sich im Slalom in die Siegerliste eintragen durfte.

Zurück im Hotel ist kurz Zeit für eine erfrischende Dusche, dann geht’s mit dem nächsten Workshop weiter.

Dr. Christian Fink von der Sportsclinic Austria gibt wertvolle Tipps für Anfänger, Neueinsteiger und Fortgeschrittene. Wie soll man sein Training anlegen? Welche Gefahren lauern? Was sind die häufigsten Fehler? Die Antworten in Kurzfassung:  Bewegung ist immer gesund, aber man kann mit 40 nicht dort anfangen, wo man mit 20 aufgehört hat. Man muss sich realistische, den persönlichen Gegebenheiten (z.b. Alter) angepasste Ziele setzen. Damit minimiert man nicht nur das Verletzungsrisiko, sondern behält auch die Freude am Sport. Die Dosis mache das Gift, so der Sportmediziner. Ein Bergab-Marathon sei einmal zu vertreten, wenn man seinen Körper dieser Belastung regelmäßig aussetze, dürfe man sich nicht wundern, wenn dieser Schaden nehme.

Markus Kröll schwärmt beim Abendessen von der Schönheit Kapstadts

Nach dem Interview mit Markus Kröll auf der Terrasse, der von seinen Zukunftsplänen erzählt und auf seine erfolgreiche Berglauf-Karriere zurückblickt, stürzen wir uns auf gemischten Salat, deftige Kasnocken mit gerösteten Zwiebeln, Kaiser- und Heidelbeer-Schmarren, um letzteres in verständlichem Deutsch wiederzugeben. Während wir uns die Köstlichkeiten schmecken lassen, erzählt Kröll von seiner Kindheit und Jugend in einem kleinen Tiroler Tal, und man bekommt irgendwie das Gefühl, dass ihm der Berglauf quasi in die Wiege gelegt wurde. Seine Trainingsabenteuer in Südafrika mit Klapperschlangen, Weißen Haien und Überfällen, schrecken mich zwar von einem Besuch eher ab, doch für den Tiroler zählt Kapstadt zu den schönsten Flecken dieser Erde und er würde am liebsten sofort in den nächsten Flieger steigen.

Ein gutes Schnapserl für die Verdauung und wir machen uns mit Fackeln "bewaffnet" auf den Rückweg. Mittlerweile hat es ganz schön abgekühlt und die angekündigten Regentropfen lassen nicht lange auf sich warten. Das tut der guten Stimmung aber keinen Abbruch. Gegen Mitternacht sind wir zurück im Hotel. Die Einladung für einen Drink an die Bar zu kommen, lehne ich dankend ab. Ich will nur in mein Bett.

Am nächsten Morgen ist beim Frühstück Zeit, das Erlebte der letzten Tage Revue passieren zu lassen. Die waren echt anstrengend, aber ich kann jetzt verstehen, warum so viele Menschen Spaß am Laufen haben. Man ist danach zwar völlig geschafft, fühlt sich aber gut und ist stolz auf sich, wenn man ein paar 100 Meter mehr als noch beim letzten Mal geschafft hat. Von der schönen Natur, in der man sich beim Trail Running bewegt, ganz abgesehen. Ich nehme mir fest vor, mit dem Laufen weiterzumachen, schließlich habe ich ein Versprechen abgegeben.

Während ich in Gedanken um den Schwarzsee laufe, signiert Jonathan fleißig Poster und Autogrammkarten. Einige waren echt schon wieder Laufen. Mein Muskelkater ist zwar nicht weniger geworden, im Gegenteil, aber den versprochenen Rollstuhl muss ich dann doch nicht in Anspruch nehmen. Allerdings bin ich froh, dass Christoph den Weg zurück nach Wien hinter dem Steuer sitzt.

 

Martina Gugglberger

Zum Abschluss des Workshops zeigt uns Physiotherapeut Reinhard Huber Übungen für einzelne Muskelgrupppen an Rumpf und Beinen und versucht uns von der Wichtigkeit der Fußpflege zu überzeugen. Damit meint er nicht etwa Peelings und Co., sondern Massagen und Übungen zur Koordination und Kräftigung der Zehen. Unser Fuß besteht aus vielen Muskeln, die mit einfachen Mitteln trainiert werden können und sollen. Um uns das zu veranschaulichen, schnappt sich jeder einen Sessel und wir bilden im Garten einen Halbkreis. Schon einmal bewusst probiert, die große Zehe zu heben, während die anderen vier ruhig am Boden bleiben oder umgekehrt? Im ersten Versuch gar nicht so leicht. Geübte können diese Übung mit jeder einzelnen Zehe! Ich nicht.

Zum Abendessen geht es hoch hinaus. Ziel ist die Seidlalm, direkt an der "Streif" gelegen. Mit dem Taxi fahren wir bis zum Schranken, weiter dürfen "Normalos" wie wir nicht. Also marschieren wir erneut einen Berg hinauf. Laut Hüttenwirt ein Fußmarsch von 20 Minuten. Wer es glaubt. Auf dem letzten Drittel überholt uns ein silberner SUV und wer lächelt uns verschmitzt an? Genau, Fritz Strobl. Er hat Christoph und den Fotografen aufgegabelt.  Am Ende kommen wir nach über einer halben Stunde verschwitzt am Ziel an und wir haben gewiss nicht getrödelt.

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