Markus Kröll schreibt sein letztes Karriere-Kapitel

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Fünf Minuten und ein bisschen was Quälerei, Schmerzen und ganz viel Kopfkino.

Selbst die Profis mussten beim „Red Bull 400“, also den härtesten 400 Lauf-Metern der Welt, bis an ihre Schmerzgrenze gehen.

Und darüber hinaus. „Ich weiß nicht, warum man sich das antut. Ich weiß es einfach nicht“, verstand auch Markus Kröll im Ziel, oben am höchsten Punkt der Skiflug-Schanze, kurz nach seiner Ankunft die Welt nicht mehr.

Der Zillertaler, seit Jahren eine fixe Größe im heimischen Berglauf und an Schmerzen gewöhnt, brauchte ein paar Minuten, um sich zu fassen und wieder zu sich zu finden.

"Sind nicht vom Gas gegangen"

Erst dann konnte er im Gespräch mit LAOLA1 analysieren, warum es bei der Premiere des neuen Formats nicht mit dem Sieg klappte.

„Ich habe mich leider mit der Taktik etwas verschätzt, bin es zu ruhig angegangen.“

5:39:31 Minuten benötigte der 39-Jährige für die etwas andere Stadionrunde, war 34,73 Sekunden langsamer als Sieger Ahmed Arslan aus der Türkei.

„Auf der Schanze habe ich noch einmal kurz Hoffnung geschöpft, aber die Burschen sind nicht vom Gas gegangen. Und für mich war es schwierig, noch einen Gang zuzulegen.“

Schmerz nicht zuordenbar

Aber das war auch kein Wunder, lief Kröll doch auch im Staffel-Bewerb mit. „Ich bin die letzten 100 m gelaufen, auf den letzten 30 m hat es mich ziemlich zerrissen. Da habe ich mir schon gedacht: Ui, das kann was werden!“

Es ging dann aber doch besser als erwartet, wenngleich der Schmerz auf den letzten 40 m ein Comeback feierte.

„Ich war am Limit, es hat einfach nur noch weh getan. Und das Schlimmste war, dass sich der Schmerz nicht zuordnen ließ, weil es einfach überall weh getan hat.“

Wechsel auf die Langdistanz

Trotz dieser Erfahrung der etwas anderen Art will Markus Kröll wiederkommen, sollte das Lauf-Event in der Obersteiermark auch im nächsten Jahr stattfinden.

Auf den Bergen wird man ihn dagegen nicht mehr sehen – zumindest nicht mit einer Startnummer.

„Vom Dolomitenmann habe ich mich bereits verabschiedet. Jetzt folgt der Abschied vom Berglauf, in der nächsten Saison werde ich mich auf die Langdistanz konzentrieren.“

Schluss mit Lustig

Damit meint der Familienvater aber nicht den Marathon, sondern Läufe von sechs, sieben oder acht Stunden Dauer.

Und dann wird Schluss sein: Zu seinem 40. Geburtstag möchte Markus Kröll „leise“ auf Wiedersehen sagen: „26 Jahre in dem Geschäft reichen!“

Dass er es sich doch noch einmal anders überlegt, kann der Tiroler schon heute ausschließen.

"Hat mit Virus nichts zu tun"

„Wenn Kollegen, die mich 15 Jahre und länger begleitet haben, aufgehört haben, konnte ich das nicht verstehen."

"Aber jetzt bin ich an dem Punkt: Jedes Wochenende die Birne hinzuhalten, das hat mit Lauf-Virus nichts mehr zu tun. Es tut einfach nur noch weh!“

Die Faszination bleibt

Die Faszination Laufen wird Markus Kröll aber auch nach dem Ende seiner Karriere ständiger Begleiter sein.

„Wenn ich daheim im Zillertal vor die Haustüre gehe, raufschaue auf einen Gipfel und dann rauflaufe, weiß ich: Es gibt nichts Schöneres!“

Patricia Kaiser/Stephan Schwabl

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