"Möchte eine Grand Tour fahren und Rennen gewinnen"

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Das viertgrößte Radrennen der Welt - die Tour de Suisse - feiert 80. Geburtstag.

Neun Etappen müssen ab Samstag absolviert werden, 1.328 Kilometer sind es insgesamt.

Die Rundfahrt beginnt mit einem Prolog über 8,1 Kilometer und endet eine Woche später am Sonntag mit einem Bergzeitfahren (26,8 km).

Kein klarer Favorit

Nach der Absage von Bradley Wiggins (Sky) gehen Ryder Hesjedal (Garmin-Sharp), Tejay Van Garderen (BMC), Michele Scarponi (Lampre-Media) sowie Titelverteidiger Rui Costa (Movistar) mit Sieg-Ambitionen an den Start.

Einen klaren Favoriten gibt es nicht, das sieht auch Georg Preidler (Argos-Shimano) - neben Bernhard Eisel (Sky) und Stefan Denifl (IAM Cycling) einer von drei Österreichern, die die Schweiz-Rundfahrt bestreiten werden - so: "Es ist schwer zu sagen, die richtig Guten sind bei der Dauphine. Vielleicht ein Andreas Klöden (RadioShack, Anmerk.), der kann auch mal wieder schneller fahren. Andy Schleck glaub ich noch nicht. Der Portugiese Rui Costa, der letztes Jahr gewonnen hat, vielleicht noch."

Neues Team, neues Glück

Der 22-Jährige fährt seit diesem Jahr für Argos-Shimano und damit in einem World-Tour-Team. Ein Sieg sprang bisher zwar noch nicht heraus, dennoch ist er mit der Saison zufrieden: Er holte sich die Bergwertung beim Étoile de Bessèges und wurde Dritter bei Rund um Köln.

"Ich habe bisher nur gute Erfahrungen gemacht, es ist ein super Umfeld, sehr professionell. Ich bin ein gutes Rennprogramm gefahren und kann nichts Schlechtes berichten", ist der Österreicher, der die Ardennen-Klassiker zu seinen Lieblingsrennen zählt, glücklich über seinen Wechsel.

"Ich fühle mich sehr wohl, es ist ein junges Team und ich kannte viele Fahrer schon von U-23-Rennen mit dem Nationalteam", hatte er keinerlei Probleme damit, sich an das neue Umfeld zu gewöhnen.

Professionalität

Kein Wunder, bedeutete der Wechsel doch einen Aufstieg vom zweitklassigen Type-1-Team in die Beletage des Radsports. Sprachliche Probleme hatte er beim niederländischen Rennstall aufgrund seiner guten Englischkenntnisse keine, "zumal viele Holländer auch deutsch sprechen".

Die größten Unterschiede zeigen sich in der Professionalität des Teams. "Das sind so Kleinigkeiten, was etwa das Material angeht: Man versucht, jedes Prozent herauszukitzeln, darauf hat man bei Type 1 nicht so viel Wert gelegt. Bei den Rädern oder der Bekleidung gibt es große Unterschiede. Dazu legen sie zum Beispiel auch viel Wert darauf, dass man nach dem Rennen gleich nach Hause kommt und nicht im Flughafenhotel schlafen muss. Das ist super", erklärt Preidler, der zwar kein Vorbild hat, aber die Fahrweise eines Vincenzo Nibali oder Bradley Wiggins bewundert. "Die lassen sich nichts anmerken, obwohl sie voll am Limit sind. Das sind Gentlemen, sie verhalten sich im Feld sehr gut."

Teamwork

Bei der Tour de Suisse wird er sich ganz in den Dienst des Teams stellen und für seinen Kapitän arbeiten: "Wir gehen mit John Degenkolb an den Start und wollen mit ihm eine Etappe gewinnen. Da müssen wir schauen, dass alles für ihn passt, uns um ihn kümmern, ihm Trinkflaschen bringen und wenn er am Berg nicht mitkommt, auf ihn warten. Meine eigenen Ambitionen müssen da leider ein wenig zurückstecken."

Eine kleine Hoffnung darauf, es selbst einmal zu probieren, hat er aber doch: "Ich kann es auf der ersten Etappe vielleicht mal probieren, da gibt es eine Bergankunft."

Die Vuelta ist das Ziel

Für diese Saison hat sich Preidler die Teilnahme an einer dreiwöchigen Rundfahrt als Ziel gesetzt: "Ich möchte auf jeden Fall eine Grand Tour fahren und Rennen gewinnen. In Köln war es schon sehr knapp, allerdings hat es im Sprint dann nicht ganz gereicht."

Mit einem Start bei der Tour-de-France wird es aber aller Vorrausicht nach in diesem Jahr nichts. "Da sind die Chancen sehr gering. Unser Team ist bei der Tour rein auf Sprinter ausgelegt und wird nur Sprintanfahrer sowie die endschnellen Kittel und Degenkolb mitnehmen", so der Grazer, der nicht nur aus diesem Grund an seinen Sprintqualitäten feilen will.

"Ich möchte mich auf die Vuelta konzentrieren, die ist heuer sehr schwer mit vielen Bergankünften. Vielleicht klappt es ja", verrät er seine Pläne.

Keine Ö-Tour

Was auf jeden Fall nicht klappt, ist die Verteidigung des Bergtrikots bei der Österreich-Rundfahrt, denn sein Team Argos-Shimano wird an dieser nicht teilnehmen.

"Ich hab schon gefragt, aber sie haben gemeint, wir werden sie nicht fahren", bedauert der Steirer, der aber dennoch froh darüber ist, dass sie stattfindet. "Es ist super, dass die Verantwortlichen (um Direktorin Uschi Riha, Anm.) die Rundfahrt weiter fortführen und durchgeboxt haben. Schade ist halt, dass sie solche Probleme mit der Sponsorensuche haben und jetzt auch noch mit der Etappe, die sie umgestalten müssen. Für die jungen Österreicher ist es auf jeden Fall wichtig und ein Sprungbrett."

Als solches eignet sich seiner Meinung nach auch die Tchibo Top.Rad.Liga sehr gut. "Wenn ich mit anderen Fahrern aus den Nachbarländern spreche, sind die sehr eifersüchtig, weil sie so eine Rennserie nicht haben. Es sind zwar keine UCI-Rennen, aber der Level ist sehr hoch und die Entwicklung ist gut", zeichnet Preidler ein positives Bild des österreichischen Radsports.

Enttäuschend

Auf die neusten Dopingfälle um Danilo di Luca und Mauro Santambrogio (beide Vini-Fantini) angesprochen, zeigt er sich verständnislos: "Das ist Wahnsinn! Man kann es kaum glauben, dass es noch immer solche Leute gibt. Da kann man nicht mehr viel dazu sagen, dass man so blöd sein kann. Es ist einfach enttäuschend, da fährt man selber ein Rennen und fragt sich, warum kann der so schnell fahren und ich reiß schon wieder ab?"

Dennoch blickt der 22-Jährige optimistisch in die Zukunft: "Mittlerweile bereinigt sich das langsam von selbst, hab ich das Gefühl und es wird wieder humaner. Das System funktioniert ganz gut - ADAMS, die Kontrollen und der Blutpass. Dem kann man schon vertrauen, es funktioniert und wird in den nächsten Jahren immer effizienter."

Mit Radsport-Politik will er sich indes nicht beschäftigen, es scheint als sei diese für den Fahrer ganz weit weg. Auf die Frage, ob es besser wäre, einen neuen UCI-Präsidenten zu bekommen - Brian Cookson verkündete in dieser Woche, gegen den amtierenden Präsidenten Pat McQuaid anzutreten, entgegnet er: "Ich habe da kaum einen Bezug. Ich fahre die Rennen der UCI und was oben passiert, daran kann ich nicht viel ändern. Ich weiß, wer Präsident ist, aber gesehen habe ich ihn noch nie."

Vielleicht wäre dies ein guter Ansatzpunkt für den nächsten - beziehungsweise alten - Präsidenten, die Nähe der Fahrer zu suchen und mit ihnen in den Dialog zu treten...

 

Henriette Werner

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