Mythos Roubaix: Wer kann Cancellara schlagen?

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Es ist die 111. Austragung des Kopfsteinpflaster-Klassikers Paris-Roubaix - eines der schwersten und berüchtigtsten Rennen des Radsports.

Am 7. April müssen die Fahrer 27 Kopfsteinpflasterpassagen, die insgesamt 52,6 der 256 Kilometer ausmachen, absolvieren, bevor im Velodrome von Roubaix der Sieger gekürt wird.

Die Pavés-Abschnitte wurden je nach Schwierigkeitsstufe mit Sternen bewertet - vier Abschnitte bekamen fünf davon und damit die schwerste Bewertung. Der letzte Kopfsteinpflaster-Sektor steht in Roubaix einen Kilometer vor dem Ziel an.

Zwei Österreicher dabei

25 Mannschaften werden beim Frühjahrsklassiker an den Start gehen, zu den 19 World-Tour-Teams gesellen sich mit Cofidis, Europcar, Sojasun, Bretagne-Séche, NetApp-Endura und IAM Cycling) sechs Équipes mit einer Wildcard. Wie im letzten Jahr gehen zwei Österreicher in der „Hölle des Nordens“ an den Start, doch noch nie in der Geschichte des Rennens konnte ein rot-weiß-roter Podestplatz eingefahren werden.

Kopfsteinpflaster-Spezialist Bernhard Eisel (Sky), der seine gute Frühjahrsform zuletzt als Siebenter bei Gent-Welvegem (wo er 2010 triumphieren konnte) und als Zehnter bei Mailand-San Remo unter Beweis stellte, wurde 2006 Fünfter in der "Hölle des Nordens". Gute Vorraussetzungen also für den Steirer, auch in diesem Jahr vorne mitzufahren und auf eine Top-Ten-Platzierung zu hoffen. Allerdings musste er die Flandern-Rundfahrt aufgrund einer Erkrankung zuletzt aufgeben.

Mit Marco Haller (Katusha) - dem viertjüngsten (22 Jahre, sechs Tage) Teilnehmer der heurigen Ausgabe - geht ein weiterer Österreicher ins Rennen, dem jedoch kein Top-Ten-Platz zuzutrauen ist. "Es wird weh tun, aber ich freue mich darauf", so der Kärtner, der bei seinem Roubaix-Debüt im vergangenen Jahr nicht in die Wertung kam.

Ohne Titelverteidiger

Nach seinem schweren Sturz bei der Flandern-Rundfahrt muss Titelverteidiger Tom Boonen (Omega Pharma-Quick Step) die Teilnahme bei der "Königin der Klassiker" absagen.

Der Belgier erlitt bei seiner Kollision nach 19 Kilometern mit einem Plastikschild Prellungen an Hüfte und Knie sowie einen Rippenbruch.

"Ein Start ist wirklich keine Option. Es ist hart, aus diesem Grund nicht am Rennen teilnehmen zu können, aber es geht wirklich nicht. Ich habe große Schmerzen, und das wird in den kommenden Tagen sicher nicht besser", so der 32-Jährige, der den Kopfstein-Klassiker bereits vier Mal gewinnen konnte und gemeinsam mit Roger De Vlaeminck Rekordsieger ist.

Der Topfavorit

Fabian Cancellara - souveräner Sieger der Flandern-Rundfahrt - stürzte beim Scheldeprijs und zog sich Blessuren an Oberschenkel und Knie zu. Zunächst konnte der Schweizer das Rennen fortsetzen, dann musste er doch vorzeitig aufgeben. Bei der Streckenbesichtung zur diesjährigen Roubaix-Ausgabe stürzte er erneut.

Für den Pavés-Klassiker gab er gegenüber „blick.ch“ aber Entwarnung: „Mir tut einfach das Füdle weh“, so der zweifache Roubaix-Sieger, der nach 2006 und 2010 seinen dritten Sieg einfahren könnte. Nur zwei weitere Starter konnten in Roubaix bereits gewinnen – Johan Vansummeren (2011) und der älteste Teilnehmer, Stuart O’Grady, dem 2007 der prestigeträchtige Sieg gelang. "Ich habe viele sehr schöne Erinnerungen an dieses Rennen. Ich weiß, wie man sich darauf einstellen muss. Trotzdem braucht man auch Glück - und man muss clever sein."

Cancellara geht somit als klarer Favorit ins Rennen, zumal auch Peter Sagan in Compiègne nicht an den Start gehen wird: "Hätte ich die 'Ronde' gewonnen, würde ich Roubaix auch fahren. So lege ich eine Pause ein", wirkte der Slowake nach seinem zweiten Platz bei der Flandern-Rundfahrt erschöpft.

Wer könnte ihn gefährden?

Der derzeitige Weltranglisten-Vierte, Sylvain Chavanel (Omega Pharma- Quick Step) stellte mit seinem 13. Platz bei der Flandern-Rundfahrt, dem vierten bei Mailand-San Remo und als Gesamt-Fünfter bei Paris Nizza seine gute Frühjahrsform bereits unter Beweis. Im letzten Jahr wurde er 27., 2009 belegte er mit Platz acht sein bestes Ergebnis bei Paris-Roubaix.

Juan Antonio Flecha, der diesjährige Fünfte bei Gent-Welvegem, konnte die Pavés-Tortour bereits sechs Mal unter den besten Zehn abschließen, dreimal (2. Platz 2007, 3.Platz 2010 und 2005) landete er auf dem Podium. Auch den 35-jährigen Thor Hushovd sollte man noch nicht abschreiben, immerhin erreichte der Norweger schon vier Top-Ten-Plätze (darunter zwei Podiumsplätze, 2. 2010 und 3. 2009), im letzten Jahr wurde er 14.

"Fürs Pavé gemacht"

Filippo Pozzato, der im letzten Jahr stürzte und das Rennen aufgeben musste, bekennt sich als Kopfstein-Pflaster-Fan: „Ich bin für das Pavé gemacht“, verkündete gegenüber "eurosport.yahoo.com".

Im Jahr 2010 konnte der Italiener mit Platz sieben eine Top-Ten-Platzierung einfahren, 2009 landete er als Zweiter sogar auf dem Podium.

Auch wenn Cancellara auf den ersten Blick der haushohe Favorit ist, Überraschungen gibt es im Radsport - und gerade auf den gefährlichen Kopfsteinpflaster-Sektoren, die von vielen gleichermaßen geliebt und gehasst werden - häufig. Man erinnere sich etwa an Vansummeren, der 2011 vor Cancellara triumphierte.

 

Henriette Werner

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