Starkes Fahrerfeld in Lüttich am Start

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Seit 1892 findet das älteste Eintagesrennen der Welt, Lüttich-Bastogne-Lüttich, statt.

Nach dem Amstel Gold Race und dem Flèche Wallonne bildet "Lü-Ba-Lü" den Abschluss der Ardennen-Klassiker und ist zugleich das härteste der drei Rennen.

Am Sonntag werden 25 Teams bei der 99. Ausgabe von "La Doyenne" an den Start gehen. Mit dabei auch das neue Schweizer IAM-Team mit den beiden Österreichern Matthias Brändle und Stefan Denifl, die allerdings bei der Entscheidung keine große Rolle spielen sollten.

Vier Lüttich-Sieger starten

Im vergangenen Jahr gewann der Kasache Maxim Iglinskiy (Astana) überraschend vor seinem jetzigen Teamkollegen Vincenzo Nibali das Radsportmonument.

Neben dem 32-Jährigen stehen mit Alessandro Valverde, Andy Schleck und Philippe Gilbert drei weitere ehemalige Sieger am Start.

Das Rennen beginnt traditionell – wie der Name schon sagt – in Lüttich und führt bis nach Bastogne in Richtung Süden, bevor es wieder zum Ausgangspunkt zurückgeht.

Elf Steigungen

Auf der 261,5 Kilometer langen Strecke gibt es kaum flache Abschnitte,  es geht ständig rauf und runter: Insgesamt müssen elf relativ kurze, steile Anstiege bewältigt werden.

Der bekannteste ist La Redoute – der drittletzte und oftmals entscheidende Berg. Zwei Kilometer bei durchschnittlich 8,8 Prozent Steigung müssen die Fahrer nach bereits 223 gefahrenen Kilometern hinaufklettern, die steilste Stelle weist über 20 Prozent Steigung auf.

Leichte Änderung

Im Vergleich zum letzten Jahr gibt es aufgrund von Straßenbauarbeiten eine Änderung in der Streckenführung: Es geht nicht über den Côte de la Roche aux Faucons, sondern über den etwas flacheren Côte de Colonster. Diese Tatsache könnte sich als Vorteil für die Klassikerfahrer im Vergleich zu den reinen Kletterern erweisen.

Rekordsieger ist übrigens Eddy Merckx – der „Kannibale“ konnte „Lü-Ba-Lü“ von 1969 bis 1975 insgesamt fünf Mal gewinnen.

Bild: A.S.O.

Kein klarer Favorit

Favoriten in Lüttich sind entweder kletterstarke Klassikerspezialisten oder Rundfahrer, die besonders stark am Berg sind.

Dennoch gibt es am Sonntag nicht den einen klaren Favoriten, wie es etwa Fabian Cancellara bei Paris-Roubaix war.

Das kasachische Astana-Team stellt allerdings mit Vorjahressieger Maxim Iglinskiy, Vincenzo Nibali und Enrico Gasparotto das gesamte Podium des vergangenen Jahres.

Nibali (Rang acht 2011, Zehnter 2008) bewies seine gute Form zuletzt beim Giro del Trentino, den er am Freitag mit einem Sieg auf der letzten Etappe für sich entscheiden konnte sowie im März bei seinem Triumph bei Tirreno Adriatico (vor Chris Froome und Alberto Contador).

Dem Vorjahressieger-Team können allerdings einige starke Fahrer in die Quere kommen.

"Nicht in Bestform"

Allen voran Weltmeister und Klassikerspezialist Philippe Gilbert (BMC). Im Jahr 2011 war der Belgier in einer Überform und siegte tatsächlich bei allen Ardennen-Klassikern.

Heuer belegte er Platz zwei beim Pfeil von Brabant, Rang fünf beim Amstel Gold Race sowie Platz 15 beim Flèche Wallonne.

„Ich bin noch nicht in Bestform, aber es wird von Tag zu Tag besser“, so Gilbert, der neben seinem Sieg auch einen dritten (2010) und einen vierten Platz (2009) beim ältesten Eintagesklassiker vorweisen kann und von einem starken Team um Mathias Frank, Marcus Burghardt, Amaal Moinard und Dominik Nerz unterstützt wird.

Sprintstark

Seine Endschnelligkeit könnte ihm zu Gute kommen, wenn eine größere Gruppe ins Ziel kommt, denn von den weiteren Favoriten verfügt lediglich Alessandro Valverde (Movistar) über eine ähnliche Sprintstärke.

Der zweifache Sieger der "Ältesten" (2008, 2006, Zweiter 2007) bewies mit seinem zweiten Platz beim Amstel Gold Race und seinem siebenten Rang beim Flèche Wallonne seine gute Frühjahrsform.

„Ich freue mich, dass meine Formkurve nach oben zeigt. Das ist ein gutes Zeichen speziell für Lüttich, denn das ist für mich ein größeres Ziel als Amstel, weil es mir schlicht mehr liegt. Meine Motivation könnte nicht größer sein“, erklärte Valverde vor dem Rennen.

Müder Contador

Der Spanier Alberto Contador (Saxo Tinkoff) fuhr mit der Tour de San Luis bereits im Januar seinen ersten Saisonsieg ein, belegte bei der Oman-Rundfahrt den zweiten Gesamtrang und wurde Dritter bei Tirreno-Adriatico sowie Fünfter der Baskenland-Rundfahrt. Beim Wallonischen Pfeil landete er zuletzt jedoch nur auf Rang 33. „Ich merke, dass ich nach dem langen Frühjahr müde bin“, so Contador, der 2010 in Lüttich Neunter wurde.

Mit Amstel-Gold-Sieger Roman Kreuziger (Rang vier 2011) hat Contador einen weiteren Siegkandidaten beziehungsweise einen sehr starken Helfer im Team, auch Chris Anker Sörensen (2011 Rang 6.), Karsten Kroon und Nicholas Roche könnten sich als wertvolle Helfer erweisen.

Im Gegensatz zu Gilbert und Valverde hat Contador keine guten Chancen, wenn er gemeinsam mit anderen Fahrern ins Ziel kommt. Ein Solo-Sieg wäre wahrscheinlicher, allerdings fühlt er sich durch die neue Streckenführung benachteiligt, da sie seiner Meinung nach dazu führe, dass eher eine Gruppe ins Ziel komme, als ein Solist.

Starkes Sky-Team

Chris Froome reist mit einer sehr starken Mannschaft an, um seine Tour-Form aufzubauen und zu testen.

Allerdings sind es noch knapp 70 Tage bis zur Tour de France und der Brite hat bisher noch keine Spitzenergebnisse bei Klassikern vorzuweisen.

Doch zusammen mit den starken Kolumbianern Sergio Henao (Zweiter Flèche Wallonne) sowie Rigoberto Uran geht Sky durchaus mit Podium-Ambitionen an den Start.

Wer sonst?

Auch Katusha hat mit den Spaniern Joaquim Rodriguez (Sechster beim Flèche Wallonne) und Flèche-Wallonne-Überraschungssieger Daniel Moreno zwei heiße Eisen im Feuer, die sich durchaus Hoffnungen auf einen Podiumsplatz ausrechnen können.

Die französische Tour-Hoffnung Pierre Rolland (Europcar) geht ebenfalls mit hohen Erwartungen an den Start, er nutzte die Trentino-Rundfahrt als Vorbereitung auf den Klassiker und nannte gegenüber LAOLA1 Lüttich-Bastogne-Lüttich neben der Tour de France als sein großes Saisonziel.

Garmin-Sharp hat mit Daniel Martin (Vierter Flèche Wallonne) und Ryder Hesjedal (Neunter im Vorjahr) sowie Edelhelfer Fabian Wegmann und Thomas Dekker eine konkurrenzfähige Mannschaft am Start. Ebenso wie AG2R, das mit Carlos Betancur (Dritter Flèche Wallonne) und Rinaldo Nocentini (Zehnter Flèche Wallonne) eine größere Rolle spielen könnte.

Außer Form

Andy Schleck (RadioShack-Leopard), der 2009 in Ans siegte, sowie mit einem dritten Rang 2011, als Vierter 2008 und Fünfter 2010 schon sehr gute Ergebnisse bei „La Doyenne“ ablieferte, sucht nach wie vor nach seiner Form und wird im Kampf um den Sieg kaum eine Rolle spielen.

Der Luxemburger muss schon zufrieden sein, ohne großen Rückstand ins Ziel zu kommen. Dabei wird er unter anderem von Maxime Monfort und Haimar Zubeldia unterstützt.

 

Henriette Werner

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