Bester Boonen aller Zeiten?

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Tom Boonen hat zwei - für seine Verhältnisse - äußerst durchwachsene Jahre hinter sich.

Nach seiner Kokain-Affäre 2009 schien der Belgier nicht mehr ganz an seine Glanzform vergangener Saisonen zurückzufinden.

Ende März 2012 ist dieses kleine Karriere-Tief längst vergessen. Der 31-Jährige eilt von Sieg zu Sieg. Die Radsport-Gemeinde fragt sich, ob sie zurzeit den besten Boonen aller Zeiten erlebt.

Motor vs. Explosivität

Omega Pharma-QuickStep-Teamchef Patrick Lefreve spielte nach dem Gent-Wevelgem-Triumph die Form seines Schützlings zwar runter, Fakt ist aber: Boonen ist neben Fabian Cancellara der Topfavorit für die Flandern-Rundfahrt (1.4.) sowie Paris-Roubaix  (8.4.).

Die Rolle des Gejagten wirft der Flame natürlich seinem Schweizer Kontrahenten zu: „Der Mann, den es zu schlagen gilt, ist Fabian. Er ist noch immer ein, zwei Prozent vor mir“. Vergleichen könne man die beiden Klassikerjäger ohnehin nicht. „Er hat einen größeren Motor, aber ich bin explosiver.“

Wobei Boonen durchaus selbstbewusst genug ist, um seine eigenen Stärken anzusprechen: „Ich bin nicht der schnellste der Welt, das ist wohl Mark Cavendish. Aber wenn alle todmüde sind, bin ich noch immer einer der Besten.“

Boonen ist reifer geworden

Damit spricht Boonen selbst an, was seit einiger Zeit ersichtlich ist: Sein Fahrstil hat sich verändert. Die Endgeschwindigkeit des Belgiers ist nicht mehr so hoch wie zur Mitte des vorigen Jahrzehnts, aber vom sechsfachen Saisonsieger erwartet man auch nicht mehr unbedingt, dass er sich das Grüne Trikot bei der Tour de France krallt.

Allerdings wirkt der Belgier reifer als zu seiner „ersten Glanzzeit“. Die Siege beim E3 Prijs und Gent-Wevelgem wurden klug erfahren, der 31-Jährige sollte damit relativ frisch in die Woche der „Super-Klassiker“ gehen.

Deswegen hinkt der Vergleich mit dem Jahr 2007. Auch damals gewann Boonen den E3 Prijs, dazu auch Kuurne-Brüssel-Kuurne sowie Dwars door Vlaanderen.

Bei der Flandern-Rundfahrt, die heuer zum ersten Mal nach fast 30 Jahren nicht in Meerbeke sondern in Oudenaarde endet und Paris-Roubaix schauten dann nur die Plätze zwölf beziehungsweise sechs heraus.

Oder doch eine Überraschung?

Viele Experten sehen in der taktischen Reife den größten Vorteil Boonens im Vergleich zu Cancellara. Eine gute Rennstrategie wird Boonen auch brauchen.

Denn Cancellara kann einen mit seiner Fahrweise zermürben. Schafft man es jedoch dem Zeitfahrspezialisten bis zum Ziel zu folgen, ist wieder einiges drin. Das bewies nicht zuletzt der noch immer von einer Verletzung gehandicapte Vorjahressieger Nick Nuyens.

Zu langes Belauern dürfen sich Boonen und Cancellara sicherlich auch nicht leisten. Denn Fahrer wie etwa Peter Sagan (Liquigas) sind leistungsmäßig nicht weit weg.

me

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