Ein Ende ganz ohne Schrecken

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Rohregger: Ich bin sehr, sehr dankbar, was ich im Radsport alles erleben und welche Leute ich kennenlernen durfte. Auf diesem Wege möchte ich mich auch gleich bei allen Fans, bei meiner Familie und meinen Freunden bedanken für die super Zeit. Mein Schritt ist absolut nichts Negatives, sondern eine positive Veränderung.

LAOLA1: Und wie sieht die sportliche Bilanz aus?

Rohregger: Höhepunkt waren natürlich der Erfolg bei der Ö-Tour und der Sieg am Kitzbüheler Horn. Aber auch insgesamt meine jährlichen guten Ergebnisse bei der Heim-Rundfahrt. Stolz bin ich, dass ich alle drei großen Landesrundfahrten absolvieren konnte. Und ich war Teil des besten Teams der Welt, war bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften … Bis auf Paris – Roubaix gibt es eigentlich nichts, was auf meiner Agenda fehlt. Deshalb gehe ich gesättigt raus aus dem Radsport.

LAOLA1: Aber das Rennrad wird jetzt nicht im Keller verstauben, oder?

Rohregger: Sicher nicht! Sport ist eine Lebenseinstellung für mich. Aber ich freue mich auch darauf, Klettern zu gehen, aufs Tennis spielen oder mit dem Kajak fahren. All die Dinge, die ich früher nie machen durfte, weil ich sportspezifisch unterwegs war. Jetzt kann ich mich wieder breiter aufstellen.

LAOLA1: Es gibt Gerüchte, dass Sie dem Radsport weiter erhalten bleiben. Können Sie hier schon etwas verraten?

Rohregger: Ja, ich werde eine Mentoring-Rolle beim Team Tyrol übernehmen. Dort möchte ich dem Nachwuchs meine Erfahrungen weitergeben. Und vielleicht ergibt sich auch noch etwas im Profi-Radsport, wo es sicher interessante Möglichkeiten gibt.

LAOLA1: Man muss sich also keine Sorgen machen, dass Sie in ein Loch fallen?

Rohregger: Das ist das Schlimmste für einen Sportler, wenn man in ein Vakuum reinfällt und merkt, dass da niemand ist. Zum Glück habe ich gute Leute um mich, deshalb besteht die Gefahr nicht.

LAOLA1: Aus dem Team RadioShack-Nissan-Trek wird 2014 das Team Trek. Wo geht da die Reise hin?

Rohregger: Es ist ein Trend, dass Radfirmen Teams übernehmen. Sei es Trek, Cannondale oder BMC. Da muss man schauen, wie sich das entwickelt. Fakt ist, dass es momentan sehr, sehr schwierig ist, es sind unglaublich gute Rennfahrer am Markt. Und was dann passiert, wissen wir aus der ersten Stunde Volkswirtschaftslehre, Angebot und Nachfrage: Der Preis geht nach unten.

LAOLA1: Sind das die Spätfolgen des Doping-Bebens um Lance Armstrong?

Rohregger: Definitiv. Gerade für die Jungen ist es heute sehr schwer. Ein Patrick Konrad zum Beispiel wird Dritter bei der Tour de l’Avenir. Der kriegt nicht einmal einen Vertrag bei einem guten Profi-Team. Vor fünf, sechs Jahren hätte er sich das beste Angebot aussuchen können.

LAOLA1: Seinen Preis mit guten Leistungen nach oben getrieben hat Riccardo Zoidl, der beim Nachfolge-Team von RadioShack-Nissan-Trek nun ihr Nachfolger wird?

Rohregger: Ricci hatte eine gewaltige Saison. Er findet bei Trek ein super Umfeld vor. Team-Manager Luca Guercelina war in den letzten drei Jahren mein Mentor, hat mir unter die Arme gegriffen. Er hat sehr viel Ahnung vom Radsport und geht spezifisch auf jeden Sportler ein. Zoidl ist ein kompletter Radfahrer – wenn er seinen Weg weitergeht, ist sehr viel möglich.

LAOLA1: So mancher träumt schon von Etappensiegen bei einer der großen Rundfahrten?

Rohregger: Da muss man aufpassen! Ricci kommt aus dem Amateur-Profi-Radsport ins Top-Level. Das ist sicher eine Umstellung, alleine schon von der Reisetätigkeit und den Renntagen. Da wird man erst sehen, wie er das verkraftet. Aber ich denke schon, dass er das Zeug hat, sich zu etablieren.

LAOLA1: Das ist ihm zumindest hierzulande schon gelungen: Bei der Sportler-Wahl steht er unter den Top-5, gemeinsam mit CL-Sieger David Alaba oder Ski-Hero Marcel Hirscher.

Rohregger: Es tut sich auf jeden Fall etwas im heimischen Radsport. Jetzt können wir nur hoffen, dass die Österreich-Rundfahrt wieder auf eine gesunde Basis kommt und nicht wegstirbt. Das wäre sehr, sehr wichtig. Dann sind wir sicher auf einem guten Weg.

LAOLA1: Vielleicht kann ja der Wirtschaftsrechts-Student Thomas Rohregger bei der Rettung der Ö-Tour ein bisschen mithelfen?

Rohregger (schmunzelt): Ich bin eh schon ein bisschen involviert. Und das sind auch die Betätigungsfelder, wo ich mich dann später sehe. Das Studium ist natürlich wichtig, aber wenn es möglich ist, möchte ich natürlich auch mit meinem Netzwerk helfen.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

 

Das Interview führte Stephan Schwabl

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