"Dauphine-Fluch": Ein Sieg, den keiner will?

Aufmacherbild
 

Das Criterium du Dauphine geizt auch bei der 64. Austragung nicht mit großen Namen.

Tour-Sieger Cadel Evans, Titelverteidiger Bradley Wiggins, Andy Schleck, Alexandre Vinokourov und und und - in Südostfrankreich geben sich die Superstars die Klinke in die Hand.

Keine Lust auf den Sieg?

Kein Wunder, gilt die Dauphine doch - gemeinsam mit der Tour de Suisse - als wichtigstes Vorbereitungsrennen vor der am 30. Juni startenden Tour de France.

Fraglich ist nur, ob die genannten Siegkandidaten auch tatsächlich mit dem Bewusstsein des Dauphine-Triumphes zur "Grande Boucle" anreisen wollen.

"Dauphine-Fluch"

Immer öfter ist vom "Dauphine-Fluch" die Rede, der auf dem Sieger lasten soll. Wer hier gewinnt, kann diesen Erfolg wenige Wochen später auf den Pariser Champs Elysees nicht wiederholen, heißt es.

Die Statistik (siehe Tabelle) unterstreicht dies eindrucksvoll. Neun Jahre ist es her, dass mit Lance Armstrong letztmals ein Profi das Double feierte.

Pleiten-, Pech- und Pannenserie

Seither gab es eine höchst kuriose Pleiten-, Pech- und Pannenserie. Von Sperren über Stürze bis hin zu unerklärlicher Formschwäche war alles dabei.

Iban Mayo etwa: Der Sieger von 2004 galt als vermeintlich stärkster Kletterer im Tour-Peloton, konnte die Ansprüche seines Teams und seiner Fans jedoch nicht ansatzweise erfüllen.

Nicht nur, dass er frühzeitig in der ersten Woche mehrere Minuten Rückstand aufgebrummt bekam, Mayo ließ auch in Anstiegen seine Klasse vermissen. Nach zwei Wochen hatte er genug und verließ die Tour.

Erwartungen nicht erfüllt

Inigo Landaluze (2005), Christophe Moreau (2007) und Janez Brajkovic (2010) schienen ihr Pulver frühzeitig verschossen zu haben, denn bei der Frankreich-Rundfahrt landeten sie unter ferner liefen.

Auch Levi Leipheimer (2006) und Alejandro Valverde (2008) waren körperlich nicht auf der Höhe und konnten die in sie gesetzten Hoffnungen eines Podestplatzes bei weitem nicht erfüllen.

Wiggins musste aussteigen

2009 war Valverde, der als Erster seit Armstrong (2002, 2003) seinen Titel verteidigen konnte, in Frankreich nicht startberechtigt.

Jahr

Sieger Dauphine

Platzierung Tour

2003

Lance Armstrong (USA)

Sieger

2004

Iban Mayo (ESP)

Aufgabe

2005

Inigo Landaluze (ESP)

Rang 100

2006

Levi Leipheimer (USA)

Rang 13

2007

Christophe Moreau (FRA)

Rang 37

2008

Alejandro Valverde (ESP)

Rang 9

2009

Alejandro Valverde (ESP)

In Frankreich gesperrt

2010

Janez Brajkovic (SLO)

Rang 43

2011

Bradley Wiggins (GBR)

Aufgabe

Bei der Dauphine 2011 top, bei der Tour vom Pech verfolgt: Bradley Wiggins

Bitter verlief die Tour für Dauphine-Vorjahressieger Bradley Wiggins. Der Brite wähnte sich in Topform, musste jedoch nach einem Sturz, bei dem er sich einen Schlüsselbeinbruch zuzog, aufgeben.

Suboptimaler Formaufbau

Einzig logische Erklärung für diesen "Fluch" ist ein nicht optimal getimter Formaufbau. Grundsätzlich visieren die Klassementfahrer ihren Leistungs-Höhepunkt für die dritte Tour-Woche an.

Wer nun bereits bei der Dauphine seinen Leistungszenit erreicht, müsste diesen über mehr als fünf Wochen konservieren - ein Ding der Unmöglichkeit.

Feinschliff für die Tour

Da der Fokus ganz klar auf der "Großen Schleife" liegt, gilt es, sich in der nächsten Woche den Feinschliff für diese zu holen. Grenzen ausloten und die eigene Form überprüfen stehen auf dem Plan.

Ein Sieg bedeutet zwar jede Menge Prestige, muss angesichts der Erfahrungen der letzten Jahre aber noch nicht sein. Den wollen die Stars in Paris nachholen.

 

Christoph Nister

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen