Von Grabschern und einem dunklen Schatten

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Über mangelnde Spannung dürfen sich die Rad-Fans bislang nicht beschweren.

Das Jahr 2013 bot in den ersten Monaten Aufreger en masse. Die Frühjahrsklassiker dienten nicht nur als Geburtsstunde neuer Helden, auch altgediente Stars drängten zurück ins Rampenlicht.

Abseits der sportlichen Komponente hatten die letzten Wochen allerdings auch jede Menge Kuriositäten und Skandale parat. LAOLA1 wirft einen Blick zurück:

Ein halbherziges Geständnis

"Haben Sie jemals verbotene Substanzen genommen", fragte Oprah Winfrey mit ernster Miene. "Ja", antwortete Lance Armstrong. Noch bevor die Saison so richtig begonnen hatte, wurde sie bereits von der Doping-Beichte des Texaners überschattet. An Medienwirksamkeit kaum zu überbieten, heulte sich der einstige "Tourminator" bei der Talk-Queen aus, ohne wirklich auszupacken. Armstrong gestand, was ohnehin nicht länger zu leugnen war - er dopte bei allen sieben Tour-Siegen.

Ein verpasstes Ziel

Die britische Equipe Sky Procycling führt die Teamwertung des UCI WorldTour Rankings nicht von ungefähr souverän an. Chris Froome, Richie Porte und Co. eilen auch in diesem Jahr von Erfolg zu Erfolg. Zu Etappensiegen  bei der Tour Down Under, Tirreno-Adriatico oder der Baskenland-Rundfahrt gesellten sich Gesamtsiege bei Paris-Nizza oder der Tour de Romandie. Sky präsentiert sich weiter als stärkstes Team, was Rundfahrten betrifft. Das Ziel, auch bei den Klassikern etwas vom großen Kuchen abzubekommen, schlug hingegen fehl. Der zweite Rang von Sergio Henao beim Flèche Wallonne sollte der einzige Podestplatz bleiben - zu wenig für die mit Stars bespickte Truppe von der Insel.

Ein Dominator in seiner eigenen Liga

Im letzten Jahr meinte es der Verletzungsteufel nicht gut mit Fabian Cancellara. Ein Schlüsselbeinbruch während der Flandern-Rundfahrt kostete ihn alle Siegträume in eben diesem Rennen, aber auch bei Paris-Roubaix. 2013 schlug der Eidgenosse eiskalt zurück. "Fabü" gewann zum zweiten Mal nach 2010 beide Rad-Monumente und eiferte damit Tom Boonen nach, dem dieses Kunststück ebenfalls in doppelter Ausführung (2005, 2012) gelang. Zum Drüberstreuen fügte Cancellara seiner Palmares einen Sieg beim E3 Prijs Vlaanderen hinzu.

Ein Frühjahr nach Wunsch

Nairo Quintana, Sergio Henao und Carlos Betancur sorgen für die Renaissance des kolumbianischen Radsports. Das Trio eilte im Frühjahr von Erfolg zu Erfolg - u.a. gewann Quintana die Baskenland-Rundfahrt - und zeichnet dafür verantwortlich, dass der 46-Mio.-Einwohner-Staat aus dem Norden Südamerikas auf Platz zwei des UCI-Nationenrankings liegt. Die kletterstarken Kolumbianer treten damit in die Fußstapfen eines Santiago Botero, Felix Cardenas oder Juan Mauricio Soler, die in der Vergangenheit Etappensiege bei den "Grands Tours", WM-Titel im Zeitfahren oder Bergtrikots bei den wichtigsten Landesrundfahrten ihrer Vita hinzufügten.

Ein Chaos, das in die Geschichte einging

Unmenschliche Witterungsbedingungen - Minusgrade und Schneefall setzten den Fahrern zu - zwangen die Veranstalter des Klassikers Mailand-San Remo, das Rennen zwischenzeitlich zu unterbrechen. Ein Autotransfer folgte, ehe die "Primavera" (Frühling), die ihrem Namen in diesem Jahr nicht gerecht wurde, forgesetzt werden konnte. Zahlreiche Profis verließen das Rennen, um sich von leichten Erfrierungen zu erholen, 135 hielten bis zum bitteren Ende durch. Das beste hatte Gerald Ciolek für sich, er sorgte für eine faustdicke Überraschung und bescherte dem MTN-Qhubeka-Rennstall den größten Sieg seiner Historie. Die südafrikanische Mannschaft hatte jedoch deutlich mehr zu bieten als "nur" den Klassiker-Triumph.

Da wäre zum einen Jim Songezo, der als erster dunkelhäutiger Profi in Mailand an den Start ging. Der 22-Jährige bekam die Rennunterbrechnung nicht mit und fuhr auf den Passo Turchino, der aus dem Programm genommen wurde. Erst ein Offizieller, dem Songezo auffiel, berichtete ihm von der Unterbrechnung. Fast komplett in eine Eisschicht gehüllt kam er schließlich beim Teambus an. Zum anderen wäre da die Geschichte von Jay Robert Thomson. Der 27-Jährige wurde eigens aus Südafrika (in seiner Heimat hatte es +30 Grad) eingeflogen und konnte bei der Unterbrechnung weder sprechen, noch eine Tasse halten. 70 Kilometer nach dem Restart gab er schließlich auf, wurde allerdings vom Besenwagen übersehen. So blieb ihm nichts anders übrig, als sich ein Taxi zu rufen und für 170 Euro dem Feld hinterher zu fahren.

Ein Grabscher sorgt für Aufruhr

Ein Sturm der Entrüstung brach über Peter Sagan herein, als er bei der Siegerehrung der Flandern-Rundfahrt einem Podestgirl in den Hintern kniff. Eine erste Entschuldigung ("Es sollte nur ein Scherz sein, tut mir leid.") schmetterte Grabsch-Opfer Maja Leye ab, nach einer weiteren verzieh sie dem Rad-Rüpel. Die Australierin Loren Rowney (24), selbst Radsportlerin, fand die Aktion indes amüsant und ahmte den Slowaken nach. Beim Redlands Classic griff sie einem Offiziellen auf den Allerwertesten. Kurios auch die Reaktion einiger Slowaken: Als Zeichen ihrer Solidarität gegenüber Sagan gründeten sie die "Facebook"-Gruppe "Fasst euch an den Po".

Ein Aufschwung im heimischen Radsport

Die jungen ÖRV-Profis zeigten gleich mehrfach auf. Georg Preidler etwa beim Etoile de Bessèges, als er die Bergwertung zu seinen Gunsten entschied. Selbiges gelang Marco Haller bei den Drei Tagen von de Panne. Zuletzt drängte Matthias Brändle ins Rampenlicht. Der IAM-Profi nahm bei der Tour de Romandie das Grüne Trikot für den Sieger der Sprintwertung mit nach Hause. Auch Stefan Denifl hinterließ seine Spuren, Brändles Teamkollege gelang ein starker fünfter Platz in der Gesamtwertung der Sarthe-Rundfahrt. Nicht zu vergessen Routinier Bernhard Eisel, der als Siebenter bei Gent-Wevelgem über die Ziellinie rollte und bei Paris-Roubaix als Zwölfter in der Ergebnisliste geführt wird.

 

Christoph Nister

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