Ohne Cavendish wird Eisel zum "Klassiker-Jäger"

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Die Vorzeichen für Bernhard Eisel haben sich geändert.

Österreichs renommiertester Radprofi darf in der kommenden Saison der Schublade des Helfers im Topteam Sky entsteigen.

Sein langjähriger Weggefährte Mark Cavendish hat den Rennstall verlassen.

Für Eisel stehen daher 2013 die Frühjahrsklassiker im Mittelpunkt. Dort will der 31-jährige Steirer seinen ersten Rennsieg seit Gent-Wevelgem 2010 holen.

Klappt es mit der 10. Tour?

"Das Team will, dass ich wieder etwas mehr auf eigene Kappe fahre", erklärte Eisel am Freitag bei einem Zwischenstopp in Wien.

Bei der Tour de France soll sich der Routinier dennoch wieder in den Dienst der Mannschaft stellen.

Es wäre seine zehnte Tour-Teilnahme - und das bei der 100. Auflage der Frankreich-Rundfahrt.

"Es wird schwierig, den Schalter umzulegen vom Helfer zum Siegfahrer", meinte Eisel.

Erste Trainingslager im Dezember

Schon zu Beginn seiner Karriere bei Francaise des Jeux (2003-2006) war der Wahl-Klagenfurter auf Etappensiege gefahren.

In puncto Endschnelligkeit kann er mit Cavendish und den weltbesten Sprintern aber nicht mehr mithalten.

"Ich werde auch nicht jünger. Ich werde mich vorerst zu 100 Prozent auf die Klassiker konzentrieren", betonte Eisel.

Bereits im Dezember stehen dafür erste Intensiv-Einheiten auf Mallorca auf dem Programm.

"Von Klassikern hängt alles ab"

Hauptziele sind Paris-Roubaix und die Flandern-Rundfahrt. "Dort will ich mindestens einmal in meiner Karriere auf dem Podium stehen, am besten ganz oben", sagte Eisel.

Seine bisher beste Platzierung war Rang fünf 2006 in Roubaix.

"Von den Klassikern hängt alles ab. Wenn ich die gut fahre, habe ich auch Chancen, bei der Tour dabei zu sein. Das wäre perfekt", sagte der Österreicher, der zuletzt neunmal in Folge Paris erreicht hat.

"Verstehe den Schritt von Cav"

"Die Tour wird ein Spektakel, die Strecke ist aber schon abartig", meinte Eisel.

Zwei Mal geht es bei der Jubiläumsedition etwa nach Alpe d'Huez. Eisel ist dann auch erstmals seit 2006 Gegner von Superstar Cavendish, der zu Omega Pharma-QuickStep gewechselt ist.

"Aus seiner Sicht verstehe ich den Schritt. Er ist jetzt alt genug." Der 27-jährige Ex-Weltmeister sah neben Tour-Sieger Bradley Wiggins und Christopher Froome zu wenige Chancen, für sich selbst zu fahren.

Neuer Zimmerkollege

Neben seinem Zimmerkollegen ändert sich für Eisel bei Sky aber noch einiges.

Sein Betreuer Bobby Julich musste das britische Team wegen seiner Doping-Vergangenheit verlassen.

Der US-Amerikaner hatte im Rahmen der Enthüllungen um Lance Armstrong zugegeben, als Aktiver von 1996 bis 1998 mit EPO gedopt zu haben.

Nie im Team mit Armstrong

Eisel, dessen neuer Vertrag bis 2015 läuft, arbeitet in Zukunft stattdessen mit dem norwegischen Ex-Profi Kurt-Asle Arvesen zusammen.

"Bobby hat mich verstanden, es war eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit. Leider ist er jetzt weg", bedauerte Eisel. "Viel werde ich zu dem Thema aber nicht sagen."

Wie er sich auch mit Aussagen zur Armstrong-Affäre zurückgehalten hat. "Ich bin nie mit ihm im Team gefahren, also ist es für mich schwierig."

Vier Jahre Sperre für Doping

Als Angehöriger der Athletenkommission des Radsport-Weltverbandes UCI befürwortet Eisel härtere Strafen für überführte Dopingsünder.

Die Standardsperre von bisher zwei auf vier Jahre zu erhöhen, gestalte sich aber schwierig.

"Wir versuchen das seit Jahren, auf das Berufsgesetz haben aber weder wir noch die UCI einen Einfluss", erklärte der Sky-Profi. "Vier Jahre werden es frühestens 2015 sein."

"Es liegt alles in Trümmern"

Bis dahin soll sich der Radsport aber von den Tiefschlägen der jüngeren Vergangenheit erholt haben.

Das soll nicht nur über ein hartes Vorgehen im Anti-Doping-Kampf, sondern auch über bessere Fernsehübertragungen.

"Wir müssen das Produkt aufwerten. Die Technik ist nicht aufzuhalten", meinte Eisel. Kameras auf den Rädern etwa sind wieder ein Thema.

Eisel: "Jetzt ist die Zeit da, alles umzukrempeln. Es liegt in Trümmern, also bauen wir es neu auf."

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