Preidler vor Rad-WM: "Bin kein Rookie mehr"

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85 Renntage sind noch nicht genug.

Georg Preidler hat eine lange Saison hinter sich. Mit den Weltmeisterschaften in Richmond steht allerdings noch ein großes Highlight bevor.

Gemeinsam mit Tom Dumoulin, Nikias Arndt, Tobias Ludvigsson, Chad Haga und Ramon Sinkeldam wird er zunächst mit seinem Team Giant-Alpecin zum Auftakt das 38,8 Kilometer lange Mannschaftszeitfahren am Sonntag (20. September) bestreiten, ehe er eine Woche später gemeinsam mit Marco Haller und Lukas Pöstlberger auch im Straßen-Rennen (27. September) über 259,2 Kilometer an den Start geht.

"Ich denke, ich bin noch frisch für die letzten Rennen in diesem Jahr. Trotz der langen Saison", sagt der 25-Jährige gegenüber LAOLA1. "Ich bin es gewöhnt, viele Renntage zu haben. Der schöne Nebeneffekt ist, dass man nicht so viel trainieren muss", grinst der Grazer.

"Es ist sehr schön, wieder dabei zu sein und bestätigt auch meine Leistungen in diesem Jahr", freut er sich über die Anerkennung, ebenso wie im Vorjahr für die WM nominiert worden zu sein. "Mittlerweile kann ich schon sagen, dass ich ein bißchen an Erfahrung mitbringen kann und kein Rookie mehr bin."

Kein Jetlag

Probleme mit dem Jetlag hat der Steirer jedenfalls keine, er ist bereits seit der Tour of Alberta, die er als Gesamt-15. abschloss, in den USA. Dort belegte er mit seinem Rennstall im Auftakt-Teamzeitfahren Rang fünf, bei der WM im letzten Jahr in Ponferrada wurde Giant - ebenfalls mit Preidler - Achter. Auch heuer soll ein gutes Ergebnis herausspringen.

"Unser Ziel sind die Top Ten. Wir verbringen in der Woche davor sehr viel Zeit gemeinsam auf dem Zeitfahrrad", beschreibt Preidler, wie man sich am besten auf ein Teamzeitfahren vorbereitet.

"Im Prinzip kommt es darauf an, dass die ganze Mannschaft rund läuft. Die Stärkeren fahren längere Führungen bis zu 40 Sekunden, die Schwächeren kürzere, da das Tempo immer so hoch wie möglich gehalten werden soll."

Das Los des Stärkeren

Mit dem Niederländer Tom Dumoulin hat seine Equipe einen der stärksten Zeitfahrer der Welt in den eigenen Reihen.

Bringt diese Tatsache nicht die Gefahr mit sich, dass das Tempo für einige zu hoch werden könnte? "Nein, er muss sich an uns anpassen und bleibt länger in Führung. Nach der Vuelta wird er zudem auch sehr müde sein, denke ich", entgegnet Preidler.

Im Gegensatz zu einigen Fahrern, die nicht sehr viel vom gemeinsamen Kampf gegen die Uhr halten, kann der Österreicher dem Teamzeitfahren durchaus etwas Gutes abgewinnen.

"Schöner Moment"

"Es macht Spaß, wenn man einer der stärkeren Fahrer ist. Fährt man als Mannschaft gemeinsam eine gute Zeit ein, ist es immer ein sportlich sehr schöner Moment."

Ganz vorne sieht er allerdings andere. "Meiner Meinung nach wird BMC vor Etixx gewinnen. Die Chance auf Bronze haben aber mehrere Teams."

Preidler blickt auf eine lange Saison zurück

Eisel fehlt

Eine Woche später geht es dann über lange 259,2 km um den Weltmeistertitel auf der Straße. Doch obwohl Österreich heuer nur drei Startplätze hat - im Vorjahr waren es noch doppelt so viele - schließt Preidler eine gute Platzierung für das rot-weiß-rote Team nicht aus. "Ich denke, dass wir mit Marco (Haller, Anmerk.) eine sehr gute Chance haben."

Allerdings fehlt mit dem erfahrenen Bernhard Eisel, der sich beim GP Cycliste de Quebec seinen linken Arm gebrochen hat, eine Schlüsselfigur. Dieser Ausfall wiegt schwer.

"Dadurch ändert sich leider sehr viel. Er hat einfach die nötige Routine und weiß ganz genau, wann er mit uns nach vorne fahren muss und in welchem Momenten wir zur Stelle sein müssen", bedauert der Steier. "Ich hoffe, dass ich seinen Job so gut wie möglich übernehmen kann."

Sprinter im Vorteil

Ab Montag wird er auf Marco Haller und Lukas Pöstlberger treffen und noch einige Trainingseinheiten mit den beiden bestreiten. Auf die Frage, was man zu dritt in einem derart großen Feld ausrichten kann, sagt er: "Wir müssen natürlich schauen, was die großen Nationen wie Frankreich, Italien oder Deutschland vorhaben, aber ich denke, es wird einen Sprint aus einer 60 bis 80 Mann starken Gruppe geben".

"Wenn wir dann noch dabei sind und frische Beine haben, kann ich Marco bestimmt in einer guten Position abliefern und wer weiß, was dann möglich ist...", ist er guter Dinge und lobt seinen Landsmann. "Immerhin hat er sich bei der Tour zu einem der schnellsten Anfahrer gemausert und kann auch selbst einen super Sprint fahren."

Zu den Kandidaten auf den WM-Titel und damit die Nachfolge des Polen Michal Kwiatkowski zählen für ihn die Top-Sprinter - allen voran André Greipel, sein Teamkollegen John Degenkolb, aber auch Mark Cavendish und Nacer Bouhanni.

Zufriedenheit

Obwohl die Saison noch nicht vorüber ist, zieht "Preidi", der im Mai vorzeitig bis 2017 beim Profi-Rennstall Giant-Alpecin unterschrieb, für LAOLA1 bereits Bilanz: "Mit meiner Saison bin ich ganz zufrieden. Ich habe meinen Vertrag für zwei Jahre verlängert - mit der Bedingung, mich in die Dienste von Warren Barguil und Tom Dumoulin zu stellen."

Für den 25-Jährigen eine gute Sache: "Die beiden sind sehr glücklich darüber, einen guten Helfer zu haben und auch ich bin damit zufrieden, da weniger Druck auf mir lastet. Trotzdem werde ich die Gelegenheit bekommen, einige Rennen auf eigene Kappe zu fahren."

"Enttäuscht war ich dieses Jahr ein bißchen von der Eneco-Tour (16.), denn dort war ein Top-Ten-Platz im Gesamtklassement für mich durchaus möglich. Der Verlauf der restlichen Saison war okay und es waren ja auch einige Highlights, wie die Tour de France, dabei."

Die Tour macht süchtig

Erstmals nahm Preidler an der wichtigsten Rundfahrt des Jahres teil und beendete diese auf Rang 87. "Die erste Tour-Teilnahme war sehr lehrreich für mich. Leider nicht die erfolgreichste Tour für mein Team, aber ich hoffe, es war auch nicht das letzte Mal, dass ich dort am Start stand."

"Viele sagen, wenn du einmal die Tour gefahren bist, willst du nie mehr ein anderes Rennen fahren. Genau dasselbe ist mit mir auch passiert!", gesteht er. "Für das nächste Jahr kann ich mir auch vorstellen, zwei Grand Tours zu fahren und dabei eventuell bei einer selbst ein Top-20-Klassement anzustreben und bei der Tour wieder als reiner Helfer zu agieren."

 

Henriette Werner

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