Kampf der Titanen: Starkes Line-Up bei der Vuelta

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War die Tour de France heuer aufgrund der sturzbedingten Ausfälle von Chris Froome und Alberto Contador noch eine recht einseitige Angelegenheit zu Gunsten Vincenzo Nibalis, könnte es bei der Vuelta a Espana ganz anders zur Sache gehen.

Die Spanien-Rundfahrt, oft nur als drittwichtigste der drei großen Landesrundfahrten angesehen, wartet 2014 mit dem besten Line-Up des Jahres auf.

Darunter befinden sich viele bislang enttäuschte Fahrer, die ihre Saison retten wollen - wie etwa Chris Froome oder Alberto Contador.

Aus österreichischer Sicht freut sich Matthias Krizek (im LAOLA1-Interview) vom Team Cannondale über die Teilnahme an seiner ersten großen Landesrundfahrt.

Keine Rundfahrt für Sprinter

Acht Bergankünfte warten bei der 69. Spanien-Rundfahrt auf die Fahrer - vier weniger als im letzten Jahr. Dazu gibt es mit dem 12,6 km langen Team-Zeitfahren zum Auftakt sowie zwei Einzelzeitfahren (36,7 km und 9,6 km) mehr Kilometer im Kampf gegen die Uhr als bei der diesjährigen Tour de France.

Für die Sprinter sieht es hingegen nicht so gut aus, nur fünf Flachetappen bieten den endschnellen Männern die Chance auf einen Etappensieg. Es wird also schwer für Peter Sagan, John Degenkolb, Nacer Bouhanni und Co.

Apropos Sagan, auch der Gewinner des Grünen Trikots der Tour hat noch eine Rechnung mit dieser Saison offen - hat er doch in Frankreich keinen Tagessieg einfahren können.

Die Hoffnungsvollen

In puncto Gesamtwertung machen sich der Giro-Dritte Fabio Aru (AST), Andrew Talansky (GRS), der ehemalige Tour-de-Fance-Sieger Cadel Evans (BMC) sowie der diesjährige Tour-Dritte Thibaut Pinot (FDJ) Hoffnungen. Allerdings wohl vergebens.

Auch wenn man auf die oben genannten ebenso ein Auge werfen sollte wie auf Warren Barguil (GIA), der im vergangenen Jahr zwei Vuelta-Etappen gewann und heuer auf das Klassement fahren darf, wird der Sieg wohl an einen anderen Fahrer gehen.

LAOLA1 wirft einen Blick auf die aktuelle Form der großen Favoriten:

NAIRO QUINTANA (MOV)

Der Giro-Sieger 2014 ist einer der wenigen Fahrer, beim dem die Vuelta von vornherein als Saisonziel im Kalender stand. Der Kolumbianer kehrte nach dem Sieg bei der Italien-Rundfahrt in sein Heimatland zurück, um zu trainieren. Im August kam "Kingtana" zurück nach Europa, wo er sofort mit dem Sieg der Vuelta a Burgos seine erneut gute Form unter Beweis stellte und seinen Favoriten-Status für die Vuelta untermauerte. Nairos Bruder Dayer, der bei der Österreich-Rundfahrt mit dem Sieg am Kitzbüheler Horn aufzeigte, wird ihn heuer noch nicht unterstützen. Dafür wird Altmeister Alessandro Valverde mit von der Partie sein. Der 34-jährige Spanier verpasste bei der diesjährigen Tour als Vierter knapp das Podium und geht als Co-Kapitän in die Rundfahrt. "Mit Nairo und Alejandro gehen wir mit der Absicht an den Start, um das Gesamtklassement zu kämpfen. Das Rennen selbst wird entscheiden, wer unser Kapitän ist", erklärt Movistar-Teamchef Eusebio Unzue die Situation. Bislang besteht keine große Rivalität zwischen den beiden, sie sind befreundet und trainieren desöfteren zusammen.

 

CHRIS FROOME (SKY)

Die starke Vorstellung mit zwei Etappensiege zum Auftakt der Dauphine sollte den Weg zu seinem zweiten Tour-Sieg ebnen, doch bekanntermaßen kam alles anders: Nach einem Sturz schied der Brite mit Brüchen an beiden Händen aus und konnte nicht um den Sieg mitkämpfen. Zuletzt trainierte der 29-Jährige gemeinsam mit Ex-Profi Levi Leipheimer. Seine Form ist schwer einzuschätzen, doch trotz fehlender Rennpraxis seit seinem Tour-Aus wird der Sky-Profi alles daran setzen, um um den Gesamtsieg mitkämpfen zu können - zumal ihm die vielen Zeitfahrkilometer entgegenkommen. Edelhelfer Christian Knees ist guter Dinge: "Die Verletzungen waren ja nicht so schwer und seine Form hat bei der Tour gepasst. Ich weiß nicht genau, wie er seitdem trainiert hat, aber ich weiß, dass er top-motiviert ist. Zudem hat er ja die erste Woche, um sich einzufahren und dann in den Bergen da zu sein". Unterstützung bekommt Froome außerdem vom starken diesjährigen Sieger der Österreich-Rundfahrt, Pete Kennaugh.

 

ALBERTO CONTADOR (TCS)

Eigentlich hatte der Spanier seine Teilnahme schon ausgeschlossen. Doch einen Monat nachdem er sich bei der Tour de France in der "Form seines Lebens" bei einem Sturz das Schienbein gebrochen hat, gibt der 31-Jährige bekannt, bei seiner Heimatrundfahrt an den Start gehen zu wollen. "Seit zehn Tagen sitze ich wieder auf dem Rad und gestern war der erste Tag, an dem ich einen Berg erklimmen konnte, ohne Knieschmerzen dabei zu haben", verkündete der 31-Jährige vor einer Woche. "Das motiviert mich und aus diesem Grund habe ich beschlossen, doch die Spanien-Rundfahrt zu bestreiten." Allerdings habe die Heilung länger gedauert, als gedacht, sodass er lediglich auf die Jagd nach Etappensiegen gehen, nicht aber um den Gesamtsieg kämpfen wolle. Seine Konkurrenten werden wohl - ähnlich wie bei Froome - erst im Rennen Klarheit über die Form des Saxobank-Profis bekommen. Allerdings sollte man bei einem Contador wohl immer mit einem Podestplatz rechnen.

CHRIS HORNER (LAM)

Im letzten Jahr war der US-Amerikaner, der heuer für das Lampre-Merida-Team in die Pedale tritt, nicht nur der Überraschungssieger der Spanien-Rundfahrt, sondern mit 41 Jahren und 327 Tagen auch der älteste Triumphator bei einer Grand Tour aller Zeiten. Seine Teilnahme am Giro d’Italia scheiterte, weil er im April von einem Auto angefahren wurde. Dem 42-Jährigen drohte aufgrund einer schweren Lungenverletzung, vier Rippenbrüche und einer Kopfwunde das Karriere-Aus. Doch er kämpfte sich zurück und zeigte bei der Tour de France mit dem 17. Gesamt-Platz auf. Dennoch wird Horner - selbst als Titelverteidiger - erneut als Underdog angesehen. Dies könnte er durchaus als Vorteil für sich nutzen.

 

JOAQUIM RODRIGUEZ (KAT)

Der 35-Jährige will nach seinem schweren Sturz beim Giro d’Italia sowie dem verpassten Bergtrikot bei der Tour eine seiner letzten Chancen auf einen Grand-Tour-Sieg nutzen. Bei allen drei großen Landesrundfahrten stand der Spanier bereits auf dem Podium, bei der Vuelta war er schon zweimal Gesamtdritter, zudem konnte er in Spanien acht Etappen für sich entscheiden. Der Platz auf dem obersten Treppchen in der Gesamtwertung blieb "Purito" jedoch bislang verwehrt. Ob es heuer bei seiner Heimatrundfahrt klappt, darf bezweifelt werden, wenn man sich die extrem starke Konkurrenz vor Augen hält.

 

RIGOBERTO URAN (OPQ)

Der Kolumbianer wurde bei der diesjährigen Italien-Rundfahrt von Landsmann Quintana an seinem ersten Grand-Tour-Sieg gehindert. Doch ebendieser wird auch in Spanien mit von der Partie sein und könnte Uran erneut in die Suppe spucken. In den letzten Jahren konnte Uran seine gute Giro-Form nicht bis zur Vuelta konservieren bzw. erneut aufbauen. Allerdings geht der 27-Jährige, der als Vorbereitung die Tour de l’Ain fuhr, heuer als Kapitän seines Teams Omega-Pharma-Quickstep ins Rennen. "Als zweifacher Zweiter des Giros hat er bewiesen, dass er die Qualität hat, eine große Rundfahrt zu gewinnen", so Team-Manager Rolf Aldag. "Zudem verfügt er über ein ausgewogenes Team, dass in der Lage ist, ihm in allen Bereichen zu helfen."

 

Henriette Werner

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