Höhepunkt eines Seuchenjahres

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Wiggins muss seinen Tour-de-France-Start absagen

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Es ist zum Verrücktwerden.

Das Seuchenjahr des Bradley Wiggins setzt sich fort und findet nun seinen absoluten Höhepunkt. Der Titelverteidiger muss seinen Start an der 100. Tour de France aus gesundheitlichen Gründen absagen.

Der Verletzungsteufel zwingt den 33-jährigen Briten dazu, die Jubiläums-Rundfahrt in der Zuschauerrolle zu verfolgen.

Eine Brustinfektion, die den Olympiasieger bereits zur Aufgabe beim Giro d’Italia zwang, setzte ihm in den letzten Wochen zu. Inzwischen ist es jedoch eine Knieverletzung, die schlimmer ist, als zunächst angenommen.

Schlimm genug jedenfalls, um bei der „Grande Boucle“ nicht konkurrenzfähig an den Start gehen zu können. An ein intensives Training war zuletzt nicht zu denken. Der „Point of no return“ ist bereits überschritten.

„Eine riesige Enttäuschung“

Das prestigeträchtigste Radrennen der Welt, das von 29. Juni bis 21. Juli über die Bühne geht, trotz körperlicher Defizite in Angriff zu nehmen, wäre ein zu großes Risiko. „Es ist ein riesiger Verlust, aber in Anbetracht der Umstände können wir ihn für unsere (Tour-)Auswahl nicht berücksichtigen“, wird Teammanager Dave Brailsford auf der Homepage von Sky Procycling zitiert.

Wiggins konnte seit der ungeplanten Giro-Aufgabe nicht ordentlich trainieren. „Jetzt braucht er weitere Ruhe. Während wir uns alle bewusst sind, dass solche Dinge im Sport passieren können, ändert es nichts daran, dass es für jeden in unserem Team eine riesige Enttäuschung darstellt – in erster Linie für Brad.“

Lange Pause für Wiggins

Es sei „unglaublich traurig“, den amtierenden Champion nicht mit nach Frankreich nehmen zu können. Auf der anderen Seite sei Wiggins aber ein „Champion und eindrucksvoller Athlet“. Er werde zurückkommen und wie in der Vergangenheit Rennen gewinnen.

Teamarzt Richard Freeman erklärt das Aus aus medizinischer Sicht. „Die Brustinfektion, die die Giro-Aufgabe verursachte, beansprucht Behandlung und Ruhe." Inzwischen seien die Atemwege wieder in bester Ordnung.

Genauere Untersuchungen an „Wiggos“ Knie hätten allerdings ergeben, dass diese Verletzung schwerwiegender ist, als man zunächst vermutete. Der Athlet müsse fünf Tage gänzlich pausieren, an normales Training sei erst in zwei bis drei Wochen wieder zu denken.

Eine Art der Erleichterung

Auch der Leidtragende selbst meldete sich in einer ersten Stellungnahme zu Wort und machte keinen Hehl aus seiner Trauer. Wiggins spricht von einer „gewaltigen Enttäuschung“. „Ich habe verzweifelt versucht, dabei sein zu können. Für das Team und für alle Fans – aber das wird nicht passieren.“

Eine verkorkste Saison findet für Wiggins mit dem Tour-Aus ihren Höhepunkt

Das fehlende Training habe seine Spuren hinterlassen. Ohne dieses mache ein Antreten wenig Sinn. Nun, wo die Katze aus dem Sack ist, fühlt er eine Art der Erleichterung.

Für den zum Ritter geschlagenen britischen Volkshelden ist es nicht das erste Mal, dass er aufgrund einer Verletzung zum Zuschauen verdammt ist.

Wiggins kennt das Gefühl

„Ich habe das schon einmal erlebt, als ich mir das Schlüsselbein brach. Daher weiß ich, wie das läuft. Ich werde mich sortieren, mir neue Ziele für diese Saison setzen und mich ganz darauf fokussieren.“

Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit des Sky-Rennstalls macht er sich nicht, schließlich habe das im Vorjahr so dominant auftretende Team jede Menge Fahrer in toller Form.

Einer davon ist Chris Froome. Der Brite mit kenianischen Wurzeln wurde im Vorjahr hinter Wiggins Tour-Zweiter und kurz vor Giro-Beginn von Brailsford zum diesjährigen Kapitän ernannt.

Taktischer Vorteil dahin

Mit Siegen bei der Tour of Oman, dem Critérium International und der Tour de Romandie hat er eindrucksvoll bewiesen, dass er in die Fußstapfen seines Landsmannes treten kann.

Allerdings hat Sky mit dem Aus von Wiggins eine wichtige Option verloren. Die britische Equipe hätte zwei heiße Eisen im Feuer gehabt, was aus taktischer Sicht nicht hoch genug einzuschätzen gewesen wäre.

Dieser Vorteil ist dahin. Wie auch der Traum von der Tour-Titelverteidigung des Bradley Wiggins. Eine Saison zum Verrücktwerden …

 

Christoph Nister

 

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