Tour de France: Langsamer, spannender, sauberer?

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Die Zahlen sprechen für eine saubere Tour de France - Zweifel vollständig ausräumen können sie aber nicht.

Nach 21 Tagen Rundfahrt muss der Radsport traditionell weiter bangen, ob alle Doping-Analysen negativ bleiben.

Nicht erst seit dem Clenbuterol-Befund bei Alberto Contador von 2010, der ab nächster Woche den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) beschäftigt, ist man auf späte Überraschungen gefasst. Dass es diesmal kein böses Erwachen gibt, ist gut möglich.

"Wesentlich langsamer als früher"

Nahrung erhält die Hoffnung von Vergleichen mit den Vorjahren, in denen es ein viel stärkeres Gefälle zwischen den Spitzenfahrern und dem Rest gegeben hatte. Das Tempo, mit dem die Fahrer die schwierigsten Anstiege bewältigten, ist geringer als noch bei anderen Auflagen.

"Ich will keine voreiligen Schlüsse ziehen, aber es ist ein Fakt, dass das Plateau de Beille und L'Alpe d'Huez wesentlich langsamer erklommen wurden als früher", betonte Tour-Chef Christian Prudhomme.

Mehr als vier Minuten langsamer

Samuel Sanchez hatte für die 13,8 Kilometer lange Steigung nach L'Alpe d'Huez als Schnellster mehr als vier Minuten länger gebraucht als der nachweislich gedopte Marco Pantani beim Rekord 1998.

Auch insgesamt gingen die Zahlen zurück: Tour-Sieger Cadel Evans bewältigte die Rundfahrt in der Durchschnittsgeschwindigkeit von 39,795 Stundenkilometern - Lance Armstrong hatte 2004 zum Vergleich den Rekord von 41,654 Stundenkilometern aufgestellt.

Aber beweisen die Zahlen den Verzicht der Fahrer auf Doping? Diesen Schluss wollen nicht alle ziehen.

"Vergleich ist fragwürdig"

"Ich wäre vorsichtig, ob ein langsamerer Tour-Schnitt auf eine sauberere Rundfahrt hindeutet", sagte Anti-Doping-Experte Wilhelm Schänzer am Montag.

Auch HTC-Teamchef Rolf Aldag, der selbst Doping in seiner aktiven Karriere zugegeben hat, räumte ein: "Der Vergleich ist fragwürdig, denn die Strecken waren unterschiedlich. Außerdem kommen Komponenten wie Wind, Straßenbelag und andere dazu."

Dass im Feld - oder in Teilen davon - ein Einlenken stattgefunden hat, hält Schänzer, der im Vorjahr Spuren des für Doping geeigneten Kälbermastmittels Clenbuterol im Blut von Rundfahrt-Sieger Contador gefunden hatte, für möglich.

Kolobnew bisher einziger "Sünder"

"Die Tour-Kontrollen wurden erhöht, daher ist sicherlich auch die Abschreckungswirkung größer", meinte der Leiter des Anti-Doping-Labors in Köln.

Auch in diesem Jahr landeten wieder Tour-Proben auf Schänzers Tisch - Details dazu will der Professor nicht verraten. Bisher wurde der Russe Alexander Kolobnew als einziger der verbotenen Einnahme eines Diuretikums überführt.

"Negative Analyseergebnisse bedeuten nicht, dass es kein Doping gibt", betonte Schänzer.

Frankreich von sauberer Tour überzeugt

Neue zum Blutdoping geeignete Präparate, sogenannte Hämatide, seien etwa derzeit noch nicht nachweisbar. "Aber wir arbeiten daran", sagte Schänzer und erinnerte an 2008, als Bernhard Kohl und dem Deutschen Stefan Schumacher die Einnahme der damals neuen EPO-Variante CERA nachgewiesen worden war.

In Frankreich ist der Glaube an eine saubere Tour 2011 groß. "Wir haben wahren Radsport gesehen, Radsport, wie er sein soll", sagte der generell eher kritische Mediziner Frederic Grappe.

Lokalmatadoren sind Beweis für Chancengleichheit?

Vor allem die Leistungen der Lokalmatadoren Thomas Voeckler und Pierre Rolland aus dem zweitklassigen Europcar-Team, die im Gebirge mit Evans, Contador und den Schlecks mithalten konnten, wird als Beleg für neue Chancengleichheit interpretiert.

Der diesmal fünfplatzierte Contador wird unabhängig vom Ausgang seines Dopingverfahrens die Vuelta a Espana (20. August bis 11. September) nicht bestreiten.

Nach dem gewonnenen Giro d'Italia und der Tour müsse er sich ausreichend erholen, sagte der Spanier der "L'Equipe" und schloss seine Teilnahme an der dritten dreiwöchigen Rundfahrt des Jahres aus.

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