Contador peilt Double an - Froome in Topform

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Die 102. Tour de France hält nicht nur die gewohnt harten Bergetappen bereit, sondern bereits in der ersten Woche knifflige Klassikerteilstücke, die das Klassement früh durcheinanderbringen könnten.

2014 hat Vincenzo Nibali auch die Pflastersteine und giftigen Anstiege souverän gemeistert, während Chris Froome und Alberto Contador nach Sturzverletzungen die Segel streichen mussten.

Ab Samstag kommt es zur Neuauflage des Großkampfes der Rundfahrtstars. Komplettiert wird das Quartett der prägenden Figuren der vergangenen Jahre vom Kolumbianer Nairo Quintana.

Hinzu kommen hoffnungsvolle Franzosen um Romain Bardet und den Vorjahresdritten Thibaut Pinot sowie aussichtsreiche Außenseiter.

In den Spuren von Pantani?

Für den zweifachen Tourchampion Contador (ein weiterer Sieg 2010 wurde wegen Dopings aberkannt) geht es bei der "Großen Schleife" um die Komplettierung des Doubles aus Giro und Tour.

Zuletzt gelang das Kunststück, die beiden Rundfahrten in einem Jahr zu gewinnen, 1998 dem Italiener Marco Pantani.

"Es wird sehr hart. Es ist nicht nur eine körperliche Herausforderung, vor allem ist es eine mentale. Und auch das Rennen muss gut laufen. Aber wenn Leute sagen, dass es unmöglich ist, motiviert mich das noch mehr", meinte der 32-jährige Contador, der die Tour 2007 und 2009 für sich entschieden hat. Fraglich ist vor allem, wie der Spanier die Giro-Strapazen verkraftet hat.

Rivalen verzichteten auf Italien

Die anderen Favoriten haben die Italien-Rundfahrt ausgelassen. Deshalb bremst Contadors Teamchef Steven de Jongh die Erwartungen.

"Wir wissen um seine Klasse, aber wir gehen nicht als Top-Favorit in die Tour. Hinter seiner Form steht verglichen mit jener von Froome, Nibali und Quintana trotz sehr sorgfältiger Vorbereitung ein Fragezeichen."

Froome in Topform

Ausgezeichnet in Schuss zeigte sich zuletzt Froome. Der Tour-Sieger von 2013 brillierte beim Dauphine-Kriterium in den Bergen. Dementsprechend motiviert geht der starke Zeitfahrer an den Start des Tour-Auftakts mit einem 14-km-Kampf gegen die Uhr in den Niederladen.

"Die Enttäuschung des letzten Jahres ist die größte Motivation für heuer. Seit dem Sturz 2014 brenne ich darauf, in der bestmöglichen Form zurückzukommen. Ich kann es kaum erwarten, dass es losgeht", betonte der 30-jährige Brite.

Zahlreiche Edelhelfer

Der Sky-Leitwolf kann sich wie Contador (Tinkoff-Saxo) und Nibali (Astana) auf besonders starke Teams mit etlichen Edelhelfern stützen, die unermüdlich für ihre Kapitäne schuften werden.

Vorjahressieger Nibali präsentierte sich nach Achillessehnen-Problemen im Winter heuer hingegen noch nicht wirklich oft in Galaform. Dennoch ist mit dem Häuptling aus dem umstrittenen Astana-Rennstall zu rechnen.

Neues Selbstvertrauen tankte er durch den neuerlichen italienischen Meistertitel am Wochenende. "Ich habe diesen Sieg gebraucht, er hat mir sehr gut getan. Er hat mich von viel Druck befreit, unter dem ich gestanden habe", gab sich Nibali kämpferisch.

Quintana noch zurückhaltend

Kaum in Erscheinung getreten ist in der bisherigen Saison Kletterspezialist Quintana. Der Kolumbianer hat sich nach seinem Tirreno-Erfolg im März hauptsächlich abseits des Rennzirkus in der Höhenlage seiner Heimat vorbereitet.

Dieses Rezept erwies sich auch schon bei seinem Giro-Sieg im Vorjahr als goldrichtig. Für den 25-Jährigen könnte aber ohnehin sein Movistar-Teamkollege Alejandro Valverde einspringen, der wie sein spanischer Landsmann Joaquim Rodriguez (Katjuscha) und Tejay van Garderen (BMC) als aussichtsreiche Außenseiter gilt.

Für den limitierten Zeitfahrer Quintana spricht, dass es diesmal nur einen kurzen Kampf gegen Uhr zum Auftakt und ein Teamzeitfahren (9. Etappe, 28 km) gibt.

Die Mannschaftsprüfung markiert auch das Ende der ersten Tour-Woche, die mit den steilen Bergauf-Ankünften in Huy (3. Etappe) und der Mur-de-Bretagne (8.) sowie einem Pflastersteinstück von Paris-Roubaix (4.) durchaus Schwieriges zu bieten hat.

Finale auf der Champs Elysees

Nach dem ersten Ruhetag geht es schnurstracks in die Pyrenäen, wo drei harte Bergetappen warten. In der Schlussphase der 3.360 km langen Tour stehen auch noch drei Bergankünfte in den Alpen auf dem Programm, darunter als Schlusspunkt die berühmt-berüchtigten Kehren nach Alpe d'Huez.

Zu Ende geht die Frankreich-Rundfahrt am 26. Juli traditionell auf den Champs Elysees in Paris. Dort werden sich die Sprinter um den abschließenden Tagessieg streiten.

In den drei Wochen davor haben die schnellen Asse um Alexander Kristoff (mit Helfer Marco Haller), John Degenkolb, Michael Matthews und Mark Cavendish voraussichtlich achtmal weitere Chancen auf Massensprints.

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