Renaissance der "Grande Nation"

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Die "Grande Nation" meldet sich eindrucksvoll zurück

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Lang, lang ist’s her.

Es war 1985, als Bernard Hinault die Tour de France zum fünften und letzten Mal für sich entschied.

Der „Dachs“, wie die Radsport-Legende aufgrund ihrer Cleverness genannt wurde, ließ die „Grande Nation“ jubeln. Ein letztes Mal.

Danach begann eine damals nicht für möglich gehaltene Leidenszeit für das Gastgeberland der „Grande Boucle“.

Mittlerweile sind 29 Jahre vergangenen und mehrere Fahrer-Generationen sind zum Teil kläglich gescheitert, in die riesigen Fußstapfen des heute 59-Jährigen zu treten.

Hoffnung auf eine bessere Zukunft

Doch es gibt Hoffnung. Hoffnung auf eine erfolgreichere Zukunft. Hoffnung, schon in naher Zukunft endlich wieder den Sieger des größten jährlichen Sportevents der Welt zu stellen.

Dafür verantwortlich zeichnet eine neue Fahrer-Generation, die drauf und dran ist, Frankreich den ersten Podestplatz seit Richard Virenque 1997 (Rang zwei hinter Jan Ullrich) zu bescheren.

Allen voran Romain Bardet (23), Thibaut Pinot (24) und Jean-Christophe Péraud (37). Die Verwunderung, dass ein 37-Jähriger in dieser Liste aufscheint, ist nur auf den ersten Blick groß.

Péraud war über viele Jahre im Mountainbike-Sport aktiv und bekam erst 2010 seinen ersten Profivertrag. Seither zeigt er Jahr für Jahr seine Klasse. Unvergessen sein Auftritt bei der Jubiläums-Tour im Vorjahr, als er sich als Neuntplatzierter das Schlüsselbein brach.

Der Altmeister in Diensten von Ag2r gab nicht auf und setzte sich verletzt auf seine Zeitfahr-Maschine, um die Rundfahrt fortzusetzen. Nach einem weiteren Sturz war jedoch auch der Kampfgeist des Routiniers gebrochen.

In diesem Jahr sinnt er auf Revanche und bislang geht sein Plan auf. Als Einziger konnte er Leader Vincenzo Nibali (Astana) auf dem Weg nach Risoul folgen, was er daraufhin als „Mini-Sieg“ verbuchte: „Es war ein Akt der Tapferkeit.“

Eine Talent- oder Sauberkeitsfrage?!

Bardet und Pinot hingegen haben sich schon in Jugendjahren ins Blickfeld der großen Teams gefahren und mit starken Leistungen einen Namen gemacht. Ihre Entwicklung überrascht nicht wirklich, schon seit einiger Zeit wird ihnen zugetraut, bei den großen Landesrundfahrten ganz vorne mitzumischen.

Aktuell liegen – inklusive Pierre Rolland aus dem Team Europcar – gleich vier Franzosen in den Top-10. Ein Kunststück, das zuletzt 1991 gelang, als Charly Mottet (4.), Luc Leblanc (5.), Laurent Fignon (6.) und Gérard Rué (10.) die „Große Schleife“ im Spitzenfeld beendeten.

Während Publikumsliebling Thomas Voeckler im Interview mit LAOLA1 glaubt, „dass die neue Generation begabter und talentierter ist als meine“, gehen viele Experten davon aus, dass die Renaissance des französischen Radsports, die auch die Sprinter (Arnaud Démare, Nacer Bouhanni, Bryan Coquard) betrifft, eng mit dem verstärkten Anti-Doping-Kampf verbunden ist.

Kein anderes Land geht derart strikt gegen Betrüger vor, keine andere Nation litt mehr unter dem Festina-Skandal 1998. Inzwischen sind Jungs am Werk, die nichts mehr mit dieser Zeit zu tun haben.

LeMond schwärmt von den Franzosen

„Gute Jungs, die eine großartige Persönlichkeit haben“, wie der dreifache Tour-Sieger und „Eurosport“-Experte Greg LeMond sie bezeichnet. Der US-Amerikaner, jahrelang einer der größten Kritiker von Lance Armstrong, freut sich über den beinharten Kampf, den sich die Franzosen untereinander liefern.

„Es ist interessant, wie sie sich bekämpfen“, schwärmt der 53-Jährige. „Solche großen Rivalitäten sind wichtig – wie damals zwischen Fignon, Hinault und mir. Die Franzosen gefallen mir.“

Speziell das Team Ag2r La Mondiale um Bardet und Péraud begeistert die Massen. „Wir haben gezeigt, dass wir psychisch sehr stark sind“, stellt Bardet klar. „Es ist ein psychologischer Krieg.“

<span style=\'color: #ffff00;\'>Rang <span style=\'color: #ffff00;\'>Fahrer <span style=\'color: #ffff00;\'>Team <span style=\'color: #ffff00;\'>Nation <span style=\'color: #ffff00;\'>Zeit
1 Vincenzo Nibali Astana Italien 66:49:47 h
2 Alejandro Valverde Movistar Spanien
  • 4:37 min
<span style=\'color: #0000ff;\'>3 <span style=\'color: #0000ff;\'>Romain Bardet <span style=\'color: #0000ff;\'>Ag2r La Mondiale <span style=\'color: #0000ff;\'>Frankreich <span style=\'color: #0000ff;\'>+ 4:50
<span style=\'color: #0000ff;\'>4 <span style=\'color: #0000ff;\'>Thibaut Pinot <span style=\'color: #0000ff;\'>FDJ.fr <span style=\'color: #0000ff;\'>Frankreich <span style=\'color: #0000ff;\'>+ 5:06
5 Tejay van Garderen BMC Racing USA
  • 5:49
<span style=\'color: #0000ff;\'>6 <span style=\'color: #0000ff;\'>Jean-Christophe Péraud <span style=\'color: #0000ff;\'>Ag2r La Mondiale <span style=\'color: #0000ff;\'>Frankreich <span style=\'color: #0000ff;\'>+ 6:08
7 Bauke Mollema Belkin Niederlande
  • 8:33
8 Leopold König NetApp-Endura Tschechien
  • 9:32
9 Laurens ten Dam Belkin Niederlande
  • 10:01
<span style=\'color: #0000ff;\'>10 <span style=\'color: #0000ff;\'>Pierre Rolland <span style=\'color: #0000ff;\'>Europcar <span style=\'color: #0000ff;\'>Frankreich <span style=\'color: #0000ff;\'>+ 10:48

Zwei, die ganz Frankreich Freude bereiten: Romain Bardet und Thibaut Pinot

Am Samstag attackierten seine Teamkollegen, um Pinot vom rivalisierenden FDJ.fr-Team abzuschütteln. Der hat auf Abfahrten seine liebe Müh und Not, scheint die größten Ängste jedoch überwunden zu haben.

„Das Wichtigste war, keine Zeit zu verlieren“, erklärte der Zehnte von 2012 nach der Bergankunft in Risoul. „Mir war klar, dass sie versuchen würden, meinen Schwachpunkt zu nutzen.“

Pinot stellte sich nach einer katastrophalen letzten Tour, die in seiner Aufgabe gipfelte, seiner größten Angst und bekämpfte diese im Vorjahr mit dem Rallye-Piloten Max Mamers.

Inzwischen scheint er von seiner “Phobie“ geheilt zu sein, wenngleich er immer noch anfällig ist – gerade in den Pyrenäen, in denen die Abfahrten um einiges gefährlicher sind als in den Alpen. „Diesbezüglich habe ich ein bisschen Angst um ihn“, outet sich LeMond als Sympathisant des Kletterspezialisten.

Packender Kampf hinter Nibali

Der US-Amerikaner blickt der harten letzten Tour-Woche dennoch entspannt entgegen und freut sich auf packende Positionskämpfe um die Podestplätze. „Hinter Nibali gibt es ein einheitliches Niveau. Fünf, sechs Fahrer sind in etwa gleich stark, es wird ein heißer Fight.“

Das sieht auch Bardet so, der als Gesamt-Dritter aktuell bester Franzose ist und zugleich das „Weiße Trikot“ des besten Jungprofis auf seinen Schultern trägt. Gleichbedeutend lastet damit eine große Last auf selbigen. Keine einfache Aufgabe für den 23-Jährigen.

„Es ist das erste Mal, dass ich eine solche Rolle bei der Tour de France einnehme. Jeder konzentriert sich auf Thibaut und mich. Das ist fast ein bisschen ärgerlich, weil es viele Konkurrenten gibt.“

Der Youngster zeigt sich aber glücklich, dass er gemeinsam mit Péraud eine Doppelspitze bildet und die beiden dadurch taktisch im Vorteil sind. „Wir werden von einem tollen Team unterstützt und wollen das so gut es geht genießen.“

Um am Ende möglicherweise die „Grande Nation“ über den ersten Podestplatz seit 17 Jahren jubeln zu lassen.


Christoph Nister

 

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