Eisel soll bei Tour de France "den Überblick" bewahren

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Radprofi Bernhard Eisel will bei der kommenden Tour de France für sein Team Sky um Vorjahrssieger Chris Froome vor allem "den Überblick bewahren".

Erfahrung bringt der 33-Jährige bei seiner zehnten Tour-Teilnahme jedenfalls in großem Maße ein.

Vom Tragen des weißen Trikots bis zum Sturz in einer Fluchtgruppe hat der Steirer schon viele Höhen und Tiefen bei der Tour erlebt.

Tour der Leiden

Mittwoch hebt Bernhard Eisel Richtung Manchester, der Homebase von Team Sky ab.

Die 101. Tour de France startet in Yorkshire, Großbritannien. Es ist die 10. Tour-Teilnahme des 33-jährigen Steirers, der das britische Radsportteam zum dritten Tour-Titel in Folge führen soll.

Im Interview spricht Eisel über schmerzhafte Tour-Erinnerungen, triumphale Momente und warum Mehrsprachigkeit für einen Road Captain von Vorteil ist.

Frage: Es ist deine 10. Tour-Teilnahme, bist du stolz?

Bernhard Eisel: Ich freu mich einfach riesig, dass ich nach dem Auslassen der Tour 2013 wieder dabei sein darf. Die Tour de France ist für jeden Radsportler das Größte. Sogar Bradley Wiggins, den ich 2012 auf seinem Gesamtsieg begleiten durfte, hat mir zur Nominierung per SMS gratuliert. Jetzt warten drei Wochen Hektik, harte Arbeit und viel Schmerzen auf mich. Irgendwie seltsam, dass man sich darauf freuen kann, aber es ist so!

Frage: Deine schönsten Erinnerungen an die Tour de France?

Eisel: Mein dritter Platz auf der Etappe nach Karlsruhe 2006 war sicher eines meiner persönlichen Highlights. Und natürlich die erste Tour-Teilnahme 2004, bei der ich gleich auf der ersten Etappe einen kapitalen Sturz fabrizierte und trotzdem einen Tag lang das Weiße Trikot des besten Jungprofis tragen durfte. Dann die Zeit an der Seite meines Freundes Mark Cavendish, den ich zu vielen Sprint-Etappensiegen verhelfen durfte. Und natürlich der Gesamtsieg mit Team Sky und Bradley Wiggins 2012.

Frage: Das Ziel für Team Sky ist der dritte Gesamtsieg in Folge – deine Rolle dabei?

Eisel: Klar, für uns zählt nur der Gesamtsieg. Chris Froome ist der Top-Favorit und wir werden alles tun, um ihn in Gelb nach Hause zu bringen. Meine Rolle ist ebenso klar definiert: Ich kümmere mich um die taktischen Dinge, ich muss als Road Captain die Übersicht bewahren und helfen, wo immer ich kann.

Frage: Apropos Übersicht. Du sprichst vier Sprachen, ein großer Vorteil für deine Aufgaben?

Eisel: Stimmt. Ich kann mit den Jungs im Fahrerfeld plaudern und mich umhören, wer mit wem Allianzen geschlossen hat und wie es den Leuten so geht. Während der Tour lese ich auch viel Zeitung, um informiert zu sein. Außerdem ist es wichtig zu wissen, wer wo geboren ist und wer wo wohnt – die Leute mit dem Heimvorteil sind nämlich genau die, die dort dann in die Spitzengruppe gehen.

Frage: Du bist heuer der einzige Österreicher bei der Tour – muss man sich Sorgen um den heimischen Radsport machen?

Eisel: Nein, wir haben viele gute Jungs, die auf einem sehr guten Weg sind. Der Radsportverband tut viel, um junge Talente gezielt zu fördern. Das Team Tirol und Team Gourmetfein arbeiten professionell, die Österreich Radrundfahrt ist eine wichtige Institution. Was uns derzeit fehlt, ist ein großer Sponsor, ein Gönner – wenn sich da jemand finden würde, der langfristig investieren will, garantiere ich, dass dieses Team in 5 Jahren mit einer Wild Card bei der Tour de France dabei sein kann.

 

Bernhard Eisel und die Tour de France:

2004 (Team Francaise des Jeux): 131. (Etappen-33.)

2005 (Francaise des Jeux): 143. (Etappen-3., 4., 7., 9.)

2006 (Francaise des Jeux): 108. (Etappen-4., 7., 7., 7., 8., 8., 9.)

2007 (T-Mobile): 121. (Etappen-6., 8., 9.)

2008 (Columbia): 144. (Etappen-33.)

2009 (Columbia-HTC): 150. (23.)

2010 (HTC-Columbia): 156. (Etappen-10.)

2011 (HTC-Highroad): 161. (Etappen-80.)

2012 (Sky): 146. (Etappen-15.)


Österreicher mit den meisten Tour-Teilnahmen:


10 Bernhard Eisel (2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2014)

8 Georg Totschnig (1995, 1997, 1998, 1999, 2003, 2004, 2005, 2006)

5 Peter Luttenberger (1996, 1997, 2000, 2002, 2003)

5 Peter Wrolich (2004, 2005, 2006, 2007, 2009)

4 Max Bulla (1931, 1932, 1933, 1936)

4 Adolf Christian (1957, 1958, 1959, 1960)

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