Siegen "für die Ewigkeit"

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Der Ventoux ruft: Franzosen wollen den ersten Sieg

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Nach mehreren Dürrejahren wähnten sich die Franzosen endlich wieder inmitten der Weltspitze.

Bei der Tour de France 2011 und 2012 hatten sie schließlich häufig Grund zur Freude. Ob durch Thomas Voeckler, der Gesamtvierter wurde und darüber hinaus die Bergwertung und Etappen gewann.

Durch Pierre Rolland, der sich ebenfalls zum Etappensieger krönte und in die Top 10 der Gesamtwertung pedalierte. Oder aber durch Thibaut Pinot, der im Vorjahr so groß aufzeigte, ein Teilstück für sich entschied und nach drei Wochen Rang neun belegte.

Fortuna meint es nicht gut mit den Franzosen

Ausgerechnet bei der 100. Auflage in diesem Jahr meint es die Glücksgöttin nicht besonders gut mit den Gastgebern. Abgesehen von Rolland, der das gepunktete Trikot auf seinen Schultern trägt, gab es für Fahrer französischer Herkunft wenig abzustauben.

In der Gesamtwertung sucht man – abgesehen vom bereits 36-jährigen Jean-Christophe Péraud (Rang neun) – vergeblich nach Lokalmatadoren in den Top 20. Und auch in puncto Tageserfolgen hatte Fortuna wenig Einsicht.

In erster Linie waren es die Deutschen (Greipel, Kittel, Martin) und Briten (Cavendish, Froome), die bislang für Furore sorgten. Julien Simon kam einem Etappensieg noch am nächsten, wurde jedoch am Samstag einen Kilometer vor dem Ziel gestellt.

Der Mont Ventoux soll die Trendwende bringen

Diese Pechsträhne soll ein Ende finden. Am Sonntag. Am Nationalfeiertag. Auf dem Weg zum Mont Ventoux, dem mystischen Berg in der Provence. Dort, wo schon Raymond Poulidor, Bernard Thévenet und Richard Virenque gewonnen haben.

„Ein Sieg auf dem Mont Ventoux bleibt für die Ewigkeit“, weiß Rolland, der nur allzu gern in die Fußstapfen seiner Landsleute treten würde. Allerdings hat er als Träger des Bergtrikots das Problem, sich für die richtige Strategie entscheiden zu müssen.

„Ich habe nicht wirklich einen Plan“, gesteht der Europcar-Kapitän. „Ein Sieg auf dem Mont Ventoux oder das Bergtrikot? Beides, das wäre gigantisch!“

Für Jean-François Pescheux, den Technischen Direktor des Tour-Veranstalters A.S.O., steht fest, dass es keinen Zufallssieger geben wird, „erst recht nicht am 14. Juli, dem Nationalfeiertag“.

Bernard hofft auf einen Sieg von Pinot

Aus seiner Sicht gibt es zwei Szenarien: Entweder, es setzt sich früh eine Gruppe ab, die keine Gefahr für Leader Chris Froome und seine Rivalen darstellt, und erkämpft sich einen komfortablen Vorsprung, den sie ins Ziel rettet, oder die Top-Stars gehen selbst auf Etappenjagd und verwandeln den Schlussanstieg „in eine Bergschlacht“.

Jean-François Bernard, der 1987 das schwere Bergzeitfahren auf dem Ventoux für sich entschied, hofft auf einen Sieg von Thibaut Pinot (Bild oben). Der 23-Jährige war im letzten Jahr die große Überraschung aus französischer Sicht, konnte die gestiegenen Erwartungen bei der Jubiläums-Rundfahrt aber nicht erfüllen.

„Es wollen zwar viele Franzosen den Sieg, aber ich sehe Pinot am Ventoux siegen. Er bringt alles mit, was es dazu braucht“, schwärmt der 51-jährige Bernard.

Pinot hat den Vorteil, im Gesamtklassement weit genug zurückzuliegen, dass er für die Favoriten keine Gefahr darstellt. Daher stehen seine Chancen, die Dürreperiode der Franzosen in diesem Jahr zu beenden, wohl mit am besten.

 

Christoph Nister

 

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