Die zwei Gesichter des Team Sky

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Die Dominanz des Sky-Teams bröckelt

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Die erste schwere Pyrenäen-Etappe der Tour de France 2013 stand ganz im Zeichen des britischen Teams Sky.

Die Equipe des Top-Favoriten Chris Froome zeigte sich extrem stark und wirkte unantastbar. Am Ende des Tages siegte der Vorjahreszweite vor seinem Teamkollegen Richie Porte und schlüpfte ins Gelbe Trikot.

Seine Konkurrenten um den Gesamtsieg verloren allesamt viel Zeit - Alberto Contador (TST) 1:45 Minuten, Cadel Evans (BMC) gar 4:13 Minuten, Alejandro Valverde (MOV) blieb Froome mit 1:08 Minuten Rückstand noch am dichtesten auf den Fersen.

Medien zogen Vergleich mit Armstrong-Ära

Nach dieser Demonstration der Stärke kam naturgemäß Misstrauen auf. "100 Prozent, 100 Prozent", verteidigte sich Froome nach der Etappe auf die Frage, ob er diese Leistung ohne Doping erbracht habe. "Der Sport steht viel besser da als in den letzten 20 oder 30 Jahren. Die Ergebnisse sind wesentlich glaubwürdiger. Das Feld ist bei weitem sauberer als vor fünf oder zehn Jahren."

Allerdings sprechen die Statistiken gegen diese Aussage, gerade einmal zwei Fahrer sind den Anstieg nach Ax-3-Domaines schneller hochgefahren als der Brite (23:14 Minuten) - das waren im Jahr 2001 Roberto Laiseka (22:57 Minuten) und Lance Armstrong (22:59 Minuten). Jan Ullrich etwa war bei der Tour 2003 drei Sekunden langsamer.

Verteidigung

"Ich bin mir sicher, dass meine Ergebnisse auch in 10 oder 20 Jahren noch Bestand haben werden. Sie werden mir nicht genommen, das wird nicht passieren", zeigte der 28-Jährige keine Angst, aufzufliegen.

Der als geläutert geltende David Millar (GRS) indes verteidigte das Team und twitterte: "Sky hat es nicht verdient, dass man sie mit Dreck bewirft."

Für das Team sei es "ein Drahtseilakt", gleichzeitig transparent und professionell zu sein, Rennen zu gewinnen und Wechsel geheimzuhalten.

Keine Konstanz

Einen Tag nach der beeindruckenden Vorstellung auf der achten Etappe wirkte das britische Team - mit Ausnahme von Leader Chris Froome - völlig überraschend angreifbar.

Auf dem zweiten Pyrenäen-Tag wendete sich das Blatt: Garmin-Sharp und Movistar machten vom ersten Berg an Tempo, sodass sie Froome sehr früh – schon am zweiten Anstieg des Tages - isolieren konnten.

Damit straften die beiden Teams alle Experten, die nach der achten Etappe schon davon sprachen, die Tour sei entschieden, da Sky unschlagbar sei, Lügen. Und belehrten vielleicht auch diejenigen, die Doping vermuteten, eines Besseren.

Eine Attacke jagte die nächste

„Ich will nicht lügen, es war ein wirklich schwerer Tag heute, einer der härtesten, die ich je auf dem Rad hatte“, gestand ein erschöpfter Chris Froome, nachdem er als 14. ins Ziel kam und sich aller Attacken erwehren konnte.

„Meine Teamkollegen haben gestern viel gearbeitet, und ich denke, sie haben heute für ihre Bemühungen zahlen müssen“, erklärte Froome, warum er den Großteil des Tages ohne Helfer fahren musste.

„Ich war in der Gruppe ein wenig exponiert, aber ich bin auf Kontrolle gefahren, und ich bin zufrieden, dass ich auf alle Attacken reagieren konnte.“

"Auch nur Menschen"

Doch der Kapitän zeigte Verständnis für die schwache Leistung seines Teams.

"Ich glaube, es ist normal, wenn man die ganze Arbeit betrachtet, die mein Team für mich am Vortag erledigt hat. Sie sind auch nur Menschen und können das nicht jeden Tag abliefern. An einigen Tagen kannst du mithalten, an anderen nicht. Das ist Radsport."

Einbruch

Edelhelfer Richie Porte, am Vortag noch starker Etappenzweiter, kämpfte beinahe den gesamten Tag um den Anschluss. Am vorletzten Berg kam er beinahe wieder an die Gruppe um Froome heran, doch kurz danach musste der Australier die Verfolgung aufgeben und brach völlig ein.

18:30 Minuten Rückstand waren es am Ende - damit büßte er wohl alle Aussichten auf eine gute Platzierung in der Gesamtwertung ein und es stellt sich die Frage, ob Porte auf der ersten Pyrenäen-Etappe zu viele Körner verschossen hat, in dem er sich den zweiten Platz hinter seinem Kapitän holte.

"Es war eine unglaubliche Etappe. Hut ab vor Valverde", äußerte sich Porte nach dem neunten Teilstück. "Gestern war mein Tag, aber heute war möglicherweise der schlimmste, den ich in der ganzen Saison auf dem Rad hatte. Aber es sind noch zwei Wochen, also werde ich weitermachen."

Harter Tag

"Es war sehr schwer für das Team", fasste Teamchef Dave Brailsford die zweite Pyrenäen-Etappe zusammen. "Chris hatte glücklicherweise selbst die Beine, um auf sich aufzupassen."

"Ich war auf den letzten Anstieg vorbereitet und dachte, dass sie mich dort unter Druck setzen", sagte Froome. "Es ist nicht einfach, Quintana zu folgen, er ist ein kleiner, leichter Kolmubianer, der die Berge hochfliegen kann. Ich war bereit, weitere Attacken abzuwehren, aber zum Glück gab es keine."

Der angesprochene Nairo Alexander Quintana (MOV) twitterte nach der Etappe etwas desillusioniert: „Wir wollten Froome testen, wir haben alles versucht, aber es war unmöglich, er war stark.“

Helfer verloren

Glück im Unlgück hatte Teamkollege Peter Kennaugh, der einen Abgrund hinunterstürzte, glücklicherweise jedoch weich fiel und wieder auf die Straße emporklettern konnte

Für einen anderen Helfer, Vasil Kiryienka, ist die Tour de France nach der neunten Etappe jedoch vorbei - der Weißrusse verpasste das Zeitlimit.

Weiter Weg

Die Tour ist nach der ersten Woche noch lange nicht entschieden, auch wenn Chris Froome seiner Favoritenrolle gerecht wurde und die Konkurrenz beeindrucken konnte.

Es wird spannend zu sehen, wie sich sein Team am Ruhetag erholt.

“Es ist noch ein langer Weg, bis es vorbei ist. Wir haben zwei richtig schwere Wochen vor uns und wir werden für den Sieg kämpfen müssen. Die anderen Teams werden uns bis Paris fordern“, erwartet der Mann in Gelb noch einen harten Kampf.

 

Henriette Werner

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