Froome im Tour-Finale bei Flutlicht am Ziel einer Reise

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Am Sonntag endet die 100. Tour de France traditionell auf den Champs Élysées.

Die Organisatoren haben sich anlässlich der Jubiläumsausgabe etwas Besonderes ausgedacht und lassen die letzte Etappe erst am Abend (18 Uhr) starten, sodass die Fahrer den berühmten Pariser Pracht-Boulevard bei Flutlicht befahren werden.

Nachdem ein letztes Mal die Sprinter an der Reihe sind, wird es bei der Siegerehrung eine Lichtshow unter dem berühmten Arc de Triomphe geben.

Zweiter britischer Sieg in Folge

Geehrt wird natürlich vor allem einer: Der designierte Tour-de-France-Sieger Chris Froome. Im letzten Jahr noch Edelhelfer seines Teamkollegen und ersten britischen Tour-de-France-Siegers Bradley Wiggins, steht er heuer vor dem größten Triumph seiner Karriere.

Die Parallele: Auch Froome hat mit Richie Porte einen sehr starken Helfer an seiner Seite, der selbst das Potenzial dazu hätte, auf das Gesamtklassement einer Grand Tour zu fahren.

Und auch er muss sich aufgrund seiner Leistung viele Dopingvorwürfe gefallen lassen. Nicht zuletzt, da er kaum Schwächen offenbarte und keiner seiner Konkurrenten ihn im Verlauf der drei Wochen ernsthaft gefährden konnte. So wurden früh Vergleiche mit einem gewissen Lance Armstrong gezogen.

Die Anfänge

Doch im Gegensatz zu Wiggins' Laufbahn - der Vorjahressieger räumte auf der Bahn zahlreiche Titel ab - begann die Karriere seines Nachfolgers auf dem Mountainbike.

Der 1985 in Kenia geborene Froome zog als Jugendlicher nach Südafrika, wo er es zunächst auf dem Mountainbike versuchte und dann zum Straßenradsport wechselte.

In der Heimat drückt ein Mann dem „dünnen Jungen“ besonders die Daumen, da er hofft, dass der Radsport in Kenia an Popularität gewinnt.

Rückschlag

Im Jahr 2007 fuhr der 1,86m große Radprofi für das Team Konica Minolta noch mit kenianischer Staatsbürgerschaft, seit 2008 ist er jedoch Brite (seine Großeltern kommen aus Großbritannien) und trat zunächst zwei Jahre für Barloworld in die Pedale, bevor er 2010 zu Sky Procycling wechselte.

2007 gewann Froome bei den Afrikanischen Spielen noch eine Medaille für Kenia. Doch trotz des großen Verlustes für sein Land befürwortet Kinjah Froomes Staatsbürgerschaftswechsel. "Chris bekam überhaupt keine Unterstützung von der kenianischen Radsport-Föderation."

Das Sky-Management beschrieb Froome bei der Verpflichtung als einen "ungeschliffenen Diamanten, der geschliffen und poliert werden muss."

Die erste Tour de France bestritt der Blondschopf gleich in seinem Debüt-Profijahr 2008 und beendete sie als 84., im Jahr darauf wurde er beim Giro bereits 36.

Doch dann warf ihn eine 18 Monate dauernde Leidenszeit aufgrund einer Bilharziose-Erkrankung, bei welcher sich ein Saugwurm von menschlichem Blut ernährt und in der Leber festsetzt, zurück.

Der Durchbruch

Anschließend kehrte der Brite mit den kenianischen Wurzeln umso stärker zurück.

Im Jahr 2011 gelang ihm der internationale Durchbruch: Er gewann eine Etappe der Spanien-Rundfahrt und verpasste den Gesamtsieg als Zweiter nur um 13 Sekunden. Dabei landete er vor seinem Kapitän Bradley Wiggins.

Im letzten Jahr schließlich wurde Froome - wie eingangs erwähnt – hinter Wiggins Tour-Zweiter, trug zwischenzeitlich das Bergtrikot und triumphierte auf der 7. Etappe.

Zudem gewann er - ebenfalls hinter „Wiggo“ und Tony Martin - Bronze im Einzelzeitfahren bei den Olympischen Spielen in London.

2013 ist das Jahr des Chris Froome

Heuer schlug dann seine große Stunde. Bereits im Frühjahr zeigte sich Froome in bestechender Form und triumphierte bei der Oman-Rundfahrt, der Tour de Romandie und dem Critérium du Dauphiné.

Zudem feierte der 69kg leichte Athlet Etappensiege bei Tirreno-Adriatico, dem Critérium International, der Oman-Rundfahrt, dem Critérium du Dauphiné und der Tour de Romandie.

Bei der Jubiläums-Tour konnte er zudem drei Etappen der Tour de France (8., 15., 17.) für sich entscheiden.

Wenn die Worte fehlen

„Ich habe auf einem kleinen Mountainbike auf den staubigen Straßen Kenias begonnen und nun finde ich mich am Vorabend der Ankunft in Paris im Gelben Trikot wieder. Es ist schwierig, das alles in Worte zu fassen, aber es war eine unglaubliche Reise“, versuchte Froome seine Empfindungen am Tag vor der Triumphfahrt nach Paris in Worte zu fassen.

Henriette Werner

Große Hoffnung

„Chris ist unsere große Hoffnung“, erklärt Ex-Radprofi David Kinjah, Froomes früherer Mentor, der in Kenia mit Infrastrukturproblemen und limitiertem Materialzugang zu kämpfen hat.

Auch Froome hatte in seiner Jugend ähnliche Probleme. Er musste sich ein viel zu großes Rad von einem Lehrer borgen, da seine Mutter, die in einer reichen Familie als Bedienstete arbeitete, sich keines für ihren Sprössling leisten konnte.

Leidenschaft geweckt

“Er half mir dabei, zu erkennen, dass du nicht das beste Rad oder die perfekten Bedingungen brauchst, du kannst einfach aufs Rad steigen und losfahren – ganz egal, wo du bist”, sagte Froome im Januar gegenüber dem “Guardian” über Kinjah, der seine Leidenschaft für den Radsport weckte.

Kinjah beschreibt Froome indes als schüchternen, aber zielstrebigen Jungen. „Du konntest ihm nicht sagen: ‚Hör auf, das reicht jetzt‘, er wollte immer weitermachen.“

Keine Unterstützung in Kenia

Nachdem der heute 28-Jährige als Teenager nach Südafrika zog, kam er dennoch in den Schulferien zurück, um mit Kinjahs Team zu trainieren.

Kinjah und Froome haben noch immer eine enge Beziehung, ansonsten hat er seit dem Tod seiner Mutter 2008 keine familiären Verbindungen mehr zu Kenia.

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