Tour de France: Die Favoriten müssen Farbe bekennen

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Peter Sagan, Mark Cavendish, Andre Greipel - die endschnellen Leute waren es bislang, die für die großen Schlagzeilen sorgten.

Die erste Woche der Tour de France begünstigt traditionell die Sprinter-Fraktion.

Die Klassementfahrer verfolgten in den ersten Tagen ganz andere Ziele. Primär ging es darum, möglichst wachsam zu fahren und Stürze zu vermeiden.

Nicht viele Kapitäne blieben unbeschadet

Das gelang jedoch nur einer Handvoll Favoriten. Titelverteidiger Cadel Evans (BMC) blieb ebenso von Stürzen und Zeitverlusten verschont wie der erklärte Top-Favorit Bradley Wiggins (SKY).

Weiter in Schlagdistanz sind zudem Denis Menchov (KAT), Vincenzo Nibali (LIQ) und Samuel Sanchez (EUS).

Hesjedal verlor mehr als 13 Minuten

Weniger gut lief die Tour für Fränk Schleck (RNT). Der Luxemburger war eines der zahlreichen Sturz-Opfer auf der chaotischen 6. Etappe und büßte mehr als zwei Minuten ein.

Auch Alejandro Valverde (MOV) und Pierre Rolland (EUC) gehörten zu den Verlierern vom Freitag, sie kamen gemeinsam mit Schleck mit gehöriger Verspätung ins Ziel.

Dass es noch schlimmer ging, bewiesen Robert Gesink (RAB), der auf dem Weg nach Metz dreieinhalb Minuten aufgebrummt bekam, und Ryder Hesjedal (GRM).

Der Kanadier, beim Giro noch der große Triumphator, wurde arg in Mitleidenschaft gezogen und kam mit über 13 Minuten Verspätung ins Ziel. Ein Podestplatz ist für den Garmin-Kapitän damit außer Reichweite.

Fünf Tage der Wahrheit

Dabei stehen die wirklich harten Etappen erst noch bevor. Bergankünfte, schwierige Abfahrten, Zeitfahren, Klassiker-Etappen - Tour-Direktor Christian Prudhomme und seine Gefolgschaft haben sich jede Menge "Nettigkeiten" ausgedacht, um für möglichst große Spannung und Abwechslung zu sorgen.

Die folgenden fünf Tage werden für eine weitere Auslese im Kampf um das "Maillot Jaune" sorgen und die Spreu vom Weizen trennen. Die vorentscheidenden Teilstücke im Überblick:

7. Etappe:

Tomblaine - La Planche des Belles Filles, 199 km

Die erste Bergankunft zwingt jene Kapitäne, die bereits Rückstand aufgerissen haben, zur Attacke. Hinzu kommt, dass der eine oder andere - Schleck und Valverde gehören zweifellos zu ihnen - nicht unbedingt zu den begnadeten Zeitfahr-Spezialisten zählt und dadurch ohnehin dazu verdammt ist, sein Heil in der Flucht zu suchen.

Zu viel darf man sich von der ersten Bergankunft der Tour 2012 jedoch nicht erwarten. Einerseits, weil der Schlussanstieg "nur" zur 1. Kategorie zählt. Andererseits, weil er mit einer Länge von 5,9 Kilometern (Durchschnittssteigung: 8,5 Prozent) zu den kürzeren seiner Zunft zählt.

8. Etappe:

Belfort - Porrentruy, 157,5 km

Zwar zählt diese Etappe zu den kürzesten der Tour 2012, doch mit sieben Bergwertungen hat sie es absolut in sich. Wer etwas auf das Bergtrikot hält, hat sich die Etappe nach Porrentruy dick im Fahrtenbuch angestrichen.

Als besonders giftig erweist sich der letzte Berg. Über 3,7 Kilometer geht es hoch zum Col de la Croix, 9,2 Prozent beträgt die Steigung im Schnitt. Dass ausgerechnet die letzten 1.000 Meter mit 10,3 Prozent die steilsten sind, spielt den starken Berggämsen in die Karten. Ein Angriff würde sich lohnen, denn nach der Bergwertung warten nur noch 16 Kilometer - die meisten davon bergab - bis ins Ziel.

9. Etappe:

Arc-et-Senans - Besancon, 41,5 km

Die Stunde der Zeitfahrer hat geschlagen. Fabian Cancellara wird versuchen, seinen zweiten Sieg herauszufahren. Doch auch einen Bradley Wiggins muss man auf der Rechnung haben. Besonders anspruchsvoll ist der 41,5 km lange Kampf gegen die Uhr nicht, was den Spezialisten klar in die Karten spielt.

Mehr als zwei, drei kleine Hügel stehen den Athleten nicht im Weg, für die weniger starken Zeitfahrer heißt es kämpfen, kämpfen, kämpfen. Hier kann man die Tour zwar noch nicht gewinnen, wer zu viel Rückstand aufreißt, hat sie jedoch möglicherweise schon in Besancon verloren.

10. Etappe:

Macon - Bellegarde-sur-Valserine, 194,5 km

Viel Zeit, den wohlverdienten ersten Ruhetag zu genießen, bleibt den verbliebenen Teilnehmern nach dem Zeitfahren nicht, da mit der Bergetappe nach Bellegarde-sur-Valserine ein weiterer Gradmesser bevorsteht. Besonders der Hors-Categorie-Anstieg auf dem Col du Grand Colombier dürfte so manchem Profi Kopfzerbrechen bereiten.

17,4 Kilometer à 7,1 Prozent sind nicht von schlechten Eltern und laden erneut ein, um Risiken einzugehen. Wem dies zu früh ist, der bekommt mit dem Col de Richemond eine weitere Möglichkeit. Von diesem sind es noch 20,5 Kilometer bis ins Ziel. Gute Abfahrer wie Samuel Sanchez sind prädestiniert dafür, hier aufs Ganze zu gehen.

11. Etappe:

Albertville - La Toussuire, 148 km

Wer bislang nicht zufrieden war, erlebt spätestens mit der 11. Etappe ein wahres Prunkstück. Die Bergankunft in La Toussuire gehört zum Besten, was die "Grande Boucle" in diesem Jahr zu bieten hat, führt sie doch über den Col de la Madeleine, Col du Glandon und Col du Mollard, ehe es ins 1.705 Meter hoch gelegene Etappenziel geht.

Für die Sprinter der absolute Horror, bietet es den ausgewiesenen Kletter-Assen eine einmalige Chance, Zeit wettzumachen. Selbst ein Bradley Wiggins, der als Top-Allrounder gilt, ist hier in die Bredouille zu bringen. Abgesehen von den Siegkandidaten bildet dieses Teilstück natürlich auch für potenzielle Bergtrikot-Sieger eine Option, die man wahrnehmen sollte.

 

Christoph Nister

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