LAOLA1-Teamzeugnis: Von Orica bis Vacansoleil

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Triumphe, Dramen, Tragödien - wie jedes Jahr lieferte die Tour de France ein schier unendliches Potenzial an Geschichten.

Für die einen lief es wie am Schnürchen, ein Erfolgserlebnis jagte das nächste. Für die anderen konnte es schlimmer nicht kommen, die Hiobsbotschaften gaben sich die Klinke in die Hand.

Nicht alle konnten überzeugen

22 Team gingen am 30. Juni in Lüttich an den Start, nur einigen wenigen gelang es, die in sie gesteckten Erwartungen zu erfüllen oder gar zu übertreffen.

Wir erlebten Stürze und Demonstrationen. Wir sahen Zeitfahren, Sprints und Bergetappen.

Zeugnis-Verteilung für die Teams

Einige Profis mussten bereits frühzeitig die Segel streichen, andere sprangen für sie in die Bresche und retteten die Team-Ehre.

Einige Mannschaften erlebten jedoch ein Desaster und gingen komplett leer aus.

Zeit, ein Resümee zu ziehen. Wer präsentierte sich in Top-Form? Welche Rennställe haben dringenden Aufholbedarf? Die LAOLA1-Teamanalyse verrät es:

(Hinweis: Die Ansprüche der Teams spielen bei der Bewertung eine wesentliche Rolle)

Ziele: Bei der Tour-Premiere wurde das vorrangige Bestreben nach einem Etappenerfolg ausgegeben. Bevorzugt sollte dieser von Sprinter Matthew Goss eingefahren werden.

Ausbeute: Aller Anfang ist schwer, das mussten auch die "Aussies" zur Kenntnis nehmen. Goss war einige Mal nahe dran, zog aber stets gegenüber Cavendish, Sagan oder Greipel den Kürzeren. In der Punktewertung blieb ihm Rang drei. Stark war der Auftritt Michael Albasinis, zugleich fällt er in die Kategorie "glücklos", auch ihm blieb ein Sieg versagt.

Zeugnis: Befriedigend!

 

Ziele: Rabobank schien für alle Fälle gerüstet. Robert Gesink war für die Gesamtwertung an Bord, Mark Renshaw für die Sprints, Luis-Leon Sanchez für die Etappenjagd.

Ausbeute: Der Verletzungsteufel meinte es nicht gut mit dem Traditions-Team. Nur vier Athleten erreichten das Ziel, der Rest - darunter Gesink und Renshaw - blieb auf der Strecke. Sanchez war der Fels in der Brandung. Trotz eines Sturzes ganz zu Beginn fand er wieder zu seiner Form und bescherte Rabobank sogar einen Etappensieg: Er gewann in Foix (14.). Zudem war die Truppe trotz starker Dezimierung häufig "Gast" in der Fluchtgruppe des Tages.

Zeugnis: Befriedigend!

 

Ziele: Fränk Schleck, Fabian Cancellara, Chris Horner, Andreas Klöden, Haimar Zubelda, Jens Voigt - noch Fragen? Hochkarätiger kann eine Tour-Mannschaft nicht besetzt sein. Ein Stockerlplatz sollte als Minimum herausspringen.

Ausbeute: Die Top-Rundfahrer in den Reihen der US-Equipe ließen allesamt aus, in Szene setzte sich stattdessen Wasserträger Haimar Zubeldia als toller Sechster. Cancellara überzeugte als Prolog-Sieger und trug in der ersten Woche das "Maillot Jaune". Überschattet wurde der Tour-Auftritt RadioShacks durch Fränk Schleck, der bei einer Dopingkontrolle mit einer "anormalen Probe" durchfiel.

Zeugnis: Genügend!

 

Ziele: Jerome Coppel fungierte als Kapitän, der 25-Jährige sollte die Top-10 entern und damit die Kohlen aus dem Feuer holen. Brice Feillu wurde zugetraut, in den Bergen zu glänzen.

Ausbeute: Jerome Coppel, Anthony Delaplace, Jimmy Engoulvent, Brice Feillu, Fabrice Jeandesboz, Cyril Lemoine, Guillaume Levarlet, Jean Marc Martino und Julien Simon - nur für den Fall, dass es untergegangen sein sollte - diese neun Fahrer waren für Saur-Sojasun am Start. Wirklich aufgefallen sind sie allesamt nicht. Der einzige Top-5-Platz gelang durch Feillu, der auf Etappe 16 Fünfter wurde. Die ASO sollte ihre Wildcard-Wahl umsichtiger treffen, denn schon im Vorjahr war die Truppe nicht Tour-reif.

Zeugnis: Nicht genügend!

 

Ziele: Führerlos, aber nicht hoffnungslos - so die Ausgangslage für Saxo Bank. Ohne den gesperrten Alberto Contador fehlte der klare Leader, so bekam jeder seine Chance.

Ausbeute: Michael Morkov zählte zu den angriffslustigsten Teilnehmern und war zu Beginn gar dreimal in Folge in einer Fluchtgruppe vertreten. Zweimal bekam er den Preis des kämpferischsten Fahrers, Nicki Sörensen wurde diese Ehre einmal zuteil. Gar zum kämpferischsten Fahrer der gesamten Tour wurde Chris Anker Sörensen, Dritter der Bergwertung, ernannt. Der Däne beendete die Tour, obwohl er eine Hand in die Speiche seines Rads bekam, blutüberströmt ins Ziel rollte und sich einem operativen Eingriff unterziehen musste.

Zeugnis: Befriedigend!

 

Ziele: Nicht weniger als der Tour-Sieg wurde als Ziel ausgegeben. Bradley Wiggins hatte mit mehreren Rundfahrt-Erfolgen den Maßstab nach oben geschraubt. Weltmeister Mark Cavendish sollte überdies zumindest einen Sprintsieg nach Hause fahren.

Ausbeute: Gesamtsieg und zwei Etappen für Bradley Wiggins, Gesamtrang zwei sowie eine Etappe für Chris Froome, drei Etappen für Mark Cavendish. Viel mehr geht einfach nicht. Sky war die dominierende Kraft im Peloton. Selbst die Helfer, allen voran Bernhard Eisel, wuchsen über sich hinaus. Es war eine echte Demonstration!

Zeugnis: Sehr gut!

 

Ziele: Ohne einer klaren Verteilung der Kapitänsrolle wollte Vacansoleil in die Tour gehen, um dort mit einer flexiblen Renngestaltung für Furore zu sorgen. Kenny van Hummel war für die Sprints vorgesehen, Johnny Hoogerland für die Bergwertung, Wout Poels und Lieuwe Westra für Attacken auf allen Terrains.

Ausbeute: Van Hummel, Westra und Poels (liegt nach schweren Organ-Verletzungen noch immer im Krankenhaus) waren vorzeitig zum Ausstieg gezwungen, bei Hoogerland fragen sich viele noch immer, ob er überhaupt dabei war. Seinen geplanten Angriff auf das "polka dot jersey" hat er erst gar nicht gestartet, seine Kollegen konnten ebenfalls wenig bis gar nichts ausrichten. Die Ränge vier (van Hummel, Etappe 6) und fünf (Kris Boeckmans, Etappe 20) waren noch das Beste, was die Tour für Vacansoleil bereit hielt.

Zeugnis: Nicht genügend!

 

Christoph Nister

 

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