Wiggins, die Spaßbremse

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Sky dominiert die Tour - die Konkurrenz resigniert

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Es war vieles angerichtet für eine spektakuläre 99. Tour de France. Zwei Protagonisten der letzten Jahre, Andy Schleck und Alberto Contador, waren nicht dabei.

Der Kurs wurde mit mehr Zeitfahr-Kilometern versehen, die Etappen bekamen einen neuen Anstrich, die Anstiege wurden steiler denn je.

Letzten Endes brachten die ersten 16 Etappen jedoch nicht den gewünschten Unterhaltungsfaktor, den der geneigte Fan wohl gerne gehabt hätte.

Sky hat alles im Griff

Das Team Sky dominiert in den Anstiegen nahezu nach Belieben, Bradley Wiggins und sein Leutnant, Chris Froome, lassen aber auch gar nichts anbrennen.

Eine grandiose Leistung, keine Frage. Auch, wie ihre Helfer Michael Rogers und Richie Porte immer wieder Löcher stopfen und bei der Konkurrenz Angst und Schrecken verbreiten, ist bemerkenswert.

Für die Spannung des Rennens ist eine solche Demonstration freilich weniger zuträglich. So resignieren die Rivalen bereits vor der letzten Bergankunft und dem Einzelzeitfahren nach Chartres.

„Watschn“ für Evans

Titelverteidiger Cadel Evans bekam auf der Königsetappe eine „Watschn“ verpasst und musste auch die letzten Hoffnungen auf eine Wiederholung des Vorjahres-Coups begraben. Der nicht zu 100 Prozent fitte Australier verlor schon vor dem vorletzten Berg, dem Col d’Aspin, den Anschluss und erwischte einen rabenschwarzen Tag.

„Ich konnte nicht auf meinem gewohnten Niveau fahren“, bedauerte der 35-Jährige. „Man muss optimistisch sein, aber auch realistisch. Offensichtlich hat heuer nicht alles perfekt zusammen gepasst.“

Traurig macht den Teamplayer, dass er einem treuen Helfer das Ende der Karriere nicht versüßen konnte. „Das Jahr ist nicht vorüber, aber leider die Gelegenheit George Hincapie ein schönes Abschiedsgeschenk zum Karriereende zu bereiten. Darauf habe ich keine Hoffnung mehr.

Hincapie lobt Evans

Der Tour-Veteran, der mit seiner 17. Teilnahme den bisherigen Höchstwert von Joop Zoetemelk nach oben korrigierte, stand seinem Kapitän treu zur Seite und führte diesen an dessen schwerstem Tag über die Ziellinie. Dort reichten sie sich als Zeichen ihres Respekts und ihrer Loyalität zueinander die Hände.

Hincapie war nicht sauer, dass Evans knapp fünf Minuten auf seine Rivalen verlor. „Cadel ist ein Champion“, meinte der US-Amerikaner, „er gibt niemals auf. Er kämpft und fährt mit Leidenschaft und dafür lieben wir ihn.“

Van den Broeck zufrieden

Nicht ganz so schlimm wie den noch amtierenden Champion erwischte es Jurgen van den Broeck. Der Belgier bekam rund eine Minute von Wiggins, Froome und Vincenzo Nibali aufgebrummt und war mit dem Ergebnis nicht unzufrieden.

Es sei „das bestmögliche Resultat“ gewesen. „Die Hitze war schrecklich. Und am Tag nach dem Ruhetag bin ich nie ganz so gut.“ Der Lotto-Kapitän hofft, auf dem Weg nach Peyragudes wieder in Topform zu sein, um vielleicht noch einmal zu attackieren. Allerdings war ihm bewusst: „Mit Wiggins, Froome und Nibali sind die drei Stärksten ganz vorne gefahren.“

Nibali will Etappensieg

Der Einzige, der es auf der Königsetappe tatsächlich wagte, zwei, drei Angriffe zu starten, war Nibali. Der Italiener attackierte am Col de Peyresourde mehrfach, konnte sich aber nicht entscheidend vom Sky-Duo absetzen.

„Es war eine unglaublich harte Etappe – was die Berge betraf, aber auch das Wetter. Ich habe dreimal versucht, zu attackieren und danach war die Abfahrt nicht wirklich geeignet, um es noch mal zu probieren.“

Nibali ist „glücklich über den dritten Rang im Gesamtklassement“, verfolgt aber noch ein weiteres Ziel: Den Etappensieg bei der letzten Bergankunft. „Es wird meine letzte Chance sein und wäre das i-Tüpfelchen einer gelungenen Tour.“

Sky ein „kaltes“ Team

Einen kleinen Seitenhieb konnte sich der Vuelta-Triumphator von 2010 aber schon am Ruhetag nicht verkneifen. Nibali, der vor einigen Jahren heftig von Sky umworben wurde, zeigte sich glücklich, dem Werben nicht nachgegeben zu haben.

In seinem Team werde der Spaß groß geschrieben, erzählte er der „Gazzetta dello Sport“. Von Sky könne man das nicht behaupten.

„Von außen betrachtet sieht es wie ein ‚kaltes‘ Team aus, wo sie wohl lieber via E-Mail kommunizieren als miteinander zu reden.“

Wiggins und Froome lassen die Sticheleien kalt, sie wollen sich weiter auf die Tour fokussieren, schließlich hält diese noch ein paar Etappen parat. „Und danach“, verlautbaren sie, „ist noch genug Zeit, um zu feiern“.

 

Christoph Nister

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