Ist der Radsport wieder im Aufwind?

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Nein, alles beim Alten!

Ein Kommentar von Michael Höller

Ja, diese Ausgabe der Tour de France war geil! Doch der leidgeprüfte Radsport-Fan weiß: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Gefeierte Helden werden nirgendwo anders so schnell zu verhassten Buh-Männern wie im Rahmen der nachträglichen Doping-Analysen einer Tour de France. Ob das auch auf den diesjährigen Sieger Cadel Evans zutrifft? Hoffentlich nicht, doch Gewissheit hat im Moment (noch) niemand.

Dank Doping-Sündern wie Bernhard Kohl oder Floyd Landis ist es zum journalistischen Muss geworden, jeden erfolgreichen Rad-Sportler kritisch zu hinterfragen. Zwar darf kein „Generalverdacht“ gelten, doch wie die Doping-Jäger selbst zugeben, sind sie den Produzenten illegaler Hilfsmittel immer einen Schritt hinterher. Die „Bürde der Doping-Vergangenheit“ wird der Radsport so schnell nicht mehr los und es wäre verfrüht, den Sport auf einem „Weg der Besserung“ zu sehen. Vor allem, da es ja mit Alexandr Kolobnev, zweifacher Straßen-Vizeweltmeister und Olympia-Bronzener von Peking 2008, trotz allem Anschein einer „sauberen Tour“ erneut einen prominenten Fahrer erwischte.

Dass der im Vorjahr positiv getestete Alberto Contador überhaupt am Start stehen darf, ist ein glatter Affront (was die Pfiffe vieler Fans untermauerten) und eine Quasi-Bankrotterklärung des Weltverbandes UCI. Im Radsport liegt nach wie vor vieles im Argen.

Ein sauberer Sport ist jedem Rad-Fan zu vergönnen, so richtig dran glauben will ich aber noch nicht. Oder um es in den Worten des (Langlauf-)Dopingsünders zu sagen: „Ich warte die B-Probe ab!“

Pantanis Rekord war außer Reichweite

Ja, es geht endlich bergauf!

Ein Kommentar von Christoph Nister

Na klar: Alle Radprofis sind Betrüger, jeder dopt, keiner erbringt ehrliche Leistungen. Ich kann es nicht mehr hören. Und ich will es auch nicht mehr hören. Seit Jahren dieselben abwertenden Vorurteile und immer wieder wurden die Velo-Kritiker durch das Auffliegen namhafter Profis bestätigt.

Doch es gibt Hoffnung und ich klammere mich daran. Auch wenn es voreilig wäre, davon zu sprechen, dass die Zeit der Betrügerei weitgehend der Vergangenheit angehört (siehe Kolobnev), so gibt es doch mehrere Anzeichen dafür, dass sich im Peloton etwas geändert hat.

Die Bergsprints, wie wir sie beispielsweise 2007 von Mickael Rasmussen und Alberto Contador zelebriert bekamen, gehören der Vergangenheit an, die Leistungen erscheinen wieder „menschlicher“ und dadurch in einem glaubhafteren Licht.

Es gibt keinen Fahrer, der wie Lance Armstrong zwischen 1999 und 2005 alles in Grund und Boden fährt. Die Topstars befinden sich auf einem ähnlichen Niveau und haben keine Ausreißer nach oben á la Floyd Landis 2006.

Noch wichtiger: Die Zeit der Rekorde scheint vorüber. Der Anstieg nach Alpe d’Huez dient als bestes Beispiel. Waren Marco Pantani (1997: 37:35 min) und Lance Armstrong (2004: 37:36 min) die 21 legendären Kehren schier hochgeflogen, wirken die aktuellen Zeiten geradezu amateurhaft. Alberto Contador benötigte beispielsweise 41:33 Minuten, Cadel Evans und Andy Schleck noch einmal 34 Sekunden mehr.

Der Radsport ist noch längst nicht über den Berg und muss sich Glaubwürdigkeit in einem langwierigen Prozess neu erarbeiten, doch er ist auf einem guten Weg. Dieser Umstand sollte gewürdigt werden. Vergangenheit hin oder her.

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