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A. Schleck in Gelb, Rolland siegt in Alpe d' Huez

Die zweifachen Gesamt-Zweiten Andy Schleck und Cadel Evans kämpfen am Samstag im entscheidenden Einzelzeitfahren in Grenoble um den Triumph in der Tour de France.

Der Luxemburger übernahm am Freitag auf der 19. und drittletzten Etappe von Modane Valfrejus zur Bergankunft in L'Alpe d'Huez das Gelbe Trikot und führt 53 Sekunden vor seinem Bruder Fränk Schleck und 57 vor dem Australier Evans.

Der Angriffsgeist des dreifachen Gesamtsiegers Alberto Contador blieb unbelohnt, der Spanier liegt nach dem dritten Tagesrang als Gesamt-Sechster 3:55 Minuten zurück.

1. französischer Etappensieg

Ausgerechnet bei der mythischen Klettertour über 21 Kehren und 1.090 m Höhendifferenz gab es den ersten französischen Erfolg in der 98. Auflage.

Rolland, 24-jähriger Profi des Teams Europacar, siegte 25 Jahre nach Bernard Hinault in dem Wintersportort und übernahm auch das Weiße Trikot des besten Jungprofis.

Der Teamkollege des bisherigen Spitzenreiters Thomas Voeckler, der nach zehn Tagen die Führung abgeben musste, setzte sich im Finish vor den Spaniern Samuel Sanchez - der Olympiasieger schlüpfte ins Trikot des besten Kletterers - und Contador durch.

Voeckler büßt über drei Minuten ein

Bei der 27. Zielankunft der Tour in Alpe d'Huez gab es zum 12. Mal einen Führungswechsel.

Voeckler büßte als Tages-20. im Gelben Trikot 3:22 Minuten ein und fiel an die vierte Stelle (+2:10 Minuten) zurück. Andy Schleck kletterte als Neunter mit 57 Sekunden Rückstand ins Ziel, das reichte zur Führung.

"Ich habe mich auf Evans konzentriert", sagte der Vortagsgewinner auf dem Galibier-Pass. Vor dem Zeitfahren hielt er sich mit Prognosen zurück. "Wir sind hier, um die Tour zu gewinnen. Ich bin in guter Verfassung und werde Vollgas geben", erklärte der Kapitän des Teams Leopard-Trek, der 2009 und 2010 Zweiter hinter Contador gewesen war.

Evans besserer Zeitfahrer

Evans, 2007 und 2008 hinter Contador bzw. dessen Landsmann Carlos Sastre auf dem Tour-Ehrenplatz, kämpft nach dem fünften Tagesrang bei der letzten Bergankunft um seinen ersten Tour-Sieg.

Der zweifache Gewinner der Österreich-Rundfahrt gilt als besserer Zeitfahrer als die Schleck-Brüder. Die Zeitfahr-Strecke weist zwei Steigungen mit 250 bzw. 370 m Höhenunterschied auf.

Contador hatte von Beginn an die Geschichte der Etappe geschrieben. Er attackierte schon bald nach Beginn des Anstiegs zum Telegraphe-Pass (11,9 km/1.566 m), nur Andy Schleck, Voeckler und Evans hielten mit.

Alles auf Null vor Alpe d'Huez

BMC-Kapitän Evans verlor später wegen eines Schaltungsdefekts den Anschluss, schaffte aber in der langen Abfahrt vom Galibier (16,7 km/2.556 m), der zweiten großen Steigung des Tages, wieder den Anschluss an die Spitze.

Auch Voeckler, der im Galibier-Anstieg eine Schwäche verzeichnete, kam dank drei Helfern wieder heran. So begann beim 13,8 km langen Schlussanstieg alles wieder bei Null.

Contador, der am Vortag viel Zeit verloren hatte, griff erneut an. Um zumindest den Etappensieg einzufahren, denn in der Gesamtwertung lag der Madrilene mehr als vier Minuten zurück.

Zigtausend Fans

Durch ein Spalier von zehntausenden Fans kämpfte sich der 28-Jährige solo nach oben, wurde auf den letzten zwei Kilometern aber vom Verfolger-Duo eingeholt.

"Ich habe versucht, zu gewinnen und habe früh attackiert, nachdem es gestern so schlecht gelaufen ist. Ich habe mir gedacht, alles oder nichts", sagte der Spanier.

Er ging leer aus und könnte auch seinen Erfolg von 2010 nachträglich verlieren, falls das Oberste Sportgericht einen Freispruch des spanischen Verbandes nach positivem Dopingbefund umdreht.

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