Aufmacherbild

Helfer als Zünglein an der Waage?

Die Pyrenäen haben bei der 98. Tour de France noch keine Vorentscheidung gebracht.

Vor den Alpen führt immer noch Thomas Voeckler, die eigentlichen Top-Favoriten liegen allesamt noch in Schlagdistanz zueinander.

Am Ende könnten bei knappen Abständen die Helfer der entscheidende Faktor sein.

LAOLA1 beleuchtet die Rolle der "Schattenmänner" in den Teams der Podestkandidaten:


Thomas Voeckler (Europcar/1. Platz):
Der mittlerweile 32-jährige Thomas Voeckler ist eigentlich kein Spezialist für das Hochgebirge, schlug sich in den Pyrenäen aber mehr als wacker. Weder auf dem Weg nach Luz Ardiden, noch am Plateau de Beille verlor der Elsässer wirklich viel Zeit und hat vor den Alpenetappen immer noch 1:49 min Vorsprung auf Fränk Schleck. Stets an der Seite des Mannes in Gelb war sein Landsmann Pierre Rolland. Dass Rolland ein guter Bergfahrer ist, bewies er bereits 2008, als er – als damals 22-Jähriger – die Bergwertung der Dauphiné gewann. Dass er bis zum letzten Meter mit den Topfavoriten mitfahren kann, ist aber doch eine Überraschung. Immer wenn das Tempo in den Anstiegen nicht ganz so hoch war, schickte Voeckler Rolland nach vorne, um für gleichmäßiges Tempo zu sorgen. So ganz nebenbei hat Rolland auch noch Chancen auf das Weiße Trikot (momentan Platz 3).

Fränk und Andy Schleck (Leopard Trek/2. bzw. 4. Platz):
Mal abgesehen davon, dass sich die Gebrüder Schleck gegenseitig helfen und damit für eine gehörige Portion Unberechenbarkeit sorgen, befinden sich im Team Leopard Trek noch zahlreiche wichtige Stützen. Eine Sondererwähnung verdient Jens Voigt: Der mit seinen 39 Lenzen älteste Tour-Teilnehmer ist sich für nichts zu schade. Dank des Tempos, das der Deutsche auf der 12. Etappe anschlug, mussten zahlreiche Klassement-Fahrer und deren Helfer früh abreißen lassen. Zwei Tage später, auf dem Weg zum Plateau de Beille, ging „The Machine“ früh in eine Fluchtgruppe, um seinen beiden Kapitänen im Etappenfinale beistehen zu können. Von diesem Plan brachten ihn auch zwei Stürze nicht ab.

Auch die Klassiker-Jäger Fabian Cancellara und Stuart O’Grady sind Spezialisten, wenn es darum geht, Führungsarbeit zu leisten. Maxime Monfort, Jakob Fuglsang und Linus Gerdemann konnten in den Bergen bisher nicht ihre Höchstform abrufen. Letzterer war den Schlecks aber auch mit einem Ausreißversuch behilflich. Eines ist aber trotz des starken Teams klar: Fränk und Andy müssen Cadel Evans noch vor dem Zeitfahren in Grenoble irgendwie Zeit abknöpfen, sonst wird es eng mit dem erhofften Tour-Sieg.

Cadel Evans (BMC/3. Platz):
Gewohntes Bild: Wenn es hart auf hart kommt, ist Cadel Evans auf sich allein gestellt. Sobald es steil wird, fallen seine BMC-Teamkollegen schnell zurück. George Hincapie hätte man die Rolle des Edelhelfers vielleicht noch am ehesten zugetraut, doch der US-Amerikaner ist nicht mehr ganz derselbe wie zu Armstrongs Zeiten. Evans hat jedoch den Vorteil, dass er aufgrund seiner Fähigkeiten im Kampf gegen die Uhr momentan „nur“ verteidigen und keine Initiative ergreifen muss.

Ivan Basso (Liquigas/5. Platz):
Nachdem Landsmann Vincenzo Nibali dieses Jahr die Frankreich-Rundfahrt auslässt, ist Sylvester Szmyd der Edelhelfer Ivan Bassos. „Er ist in den Bergen der Mann meines Vertrauens“, sagte Basso über den Polen. Szmyd lieferte auf dem Abschnitt nach Luz Ardiden eine tolle Performance ab und leistete viel Tempoarbeit. Am Samstag, bei der Bergankunft am Plateau de Beille, erwischte der 33-Jährige dan aber einen schwachen Tag.

Samuel Sanchez (Euskaltel/6. Platz):
Kurz und schmerzlos: Wenn Samuel Sanchez noch auf das Podest will, muss er das alleine richten. Der Olympia-Sieger präsentierte sich in den Pyrenäen sehr, sehr stark, hat aber dank einer suboptimal gelaufenen ersten Woche bereits 3:44 min Rückstand auf Voeckler.

Alberto Contador (Saxo Bank/7. Platz):
Wäre Alberto Contador so überlegen wie beim Giro, wäre es im Prinzip fast egal, wie seine Kameraden drauf sind. Aber der dreifache Toursieger ist bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt nicht gerade vom Glück verfolgt und würde sich über mehr Unterstützung sicher nicht beschweren. Daniel Navarro konnte bisher nicht wirklich überzeugen. Am längsten bleibt eigentlich immer Chris Anker Sörensen an der Seite seines Kapitäns. Doch ob die Beine des Dänen stark genug sind, um Contador in den Alpen entscheidend zu helfen, darf bezweifelt werden.

 

Máté Esterházy

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»