Ö-Tour: "Teilweise fast zu schwer"

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Die rot-weiß-roten Hoffnungsträger wollen auch heuer das Fehlen von Kapazundern bei der Österreich-Radrundfahrt nützen.

Als aussichtsreichster Anwärter auf die Nachfolge von Riccardo Zoidl (Sieger 2013) gilt Stefan Denifl.

Die Youngsters um Gregor Mühlberger und Lukas Pöstlberger werden wegen der schweren Strecke und der Konkurrenz aus der höchsten Liga wohl auf Teilerfolge setzen müssen.

Denifl will um Gesamtsieg mitfahren

Denifl ist der einzige Auslandslegionär, der die über 1.450 Kilometer und rekordträchtige 17.000 Höhenmeter von Wien nach Bregenz führende Auflage in Angriff nimmt. Für den Tiroler aus dem IAM-Team geht es um die erfolgreiche Fortsetzung seines Comebacks nach neunmonatiger Knieverletzung.

"Eigentlich sollte mir die Rundfahrt gut liegen. Ziel ist es, dass ich so gut in Form bin, dass ich um den Sieg mitfahren kann", stellte der 2010 siebentplatzierte Stubaier einige Tage vor dem Start am Samstag im Gespräch mit der APA klar.

Starke Generalprobe bei Tour de Suisse

Mit einem weiteren Top-Ten-Ergebnis will er sich nicht zufriedengeben. "Das ist nicht das Ziel, da würde ich mich selber anlügen. Weil ich so lange weg war, ist die Ausgangslage nicht so gut. Aber ich bin ein besserer Radfahrer als vor drei, vier Jahren. Ich habe schon eine Sprung gemacht."

Bei der topbesetzten Tour de Suisse holte der von September bis Mai von einer Knieverletzung gehandicapte 27-Jährige zuletzt das Bergtrikot und fuhr auch auf der Königsetappe lange vorne mit.

Sich davon zu erholen, habe aufgrund der fehlenden Renn- und Trainingskilometer länger als gewohnt gedauert, erzählte Denifl. Mittlerweile habe er sich aber regeneriert. Zugute sollte Denifl auch kommen, dass die Rundfahrt mit einigen flacheren Etappen beginnt, bevor es in die Berge geht.

Mühlberger hofft auf Bergtrikot

Der bei heimischen Rennen und in seiner Altersklasse auch international oft herausragende Mühlberger glaubt hingegen, dass er mangels Erfahrung auf höchster Ebene noch nicht um den Sieg mitmischen kann.

"Wir fahren nur einmal im Jahr auf diesem Niveau, es geht dreimal über 200 km. Nur eine Etappe ist eine Roller-Etappe, sonst ist alles ziemlich schwer. Ich werde deshalb eher auf eine Etappe schauen", so der 21-Jährige aus dem Felbermayr-Rennstall. In seiner Mannschaft sei viel eher der routinierte Slowene Jure Golcer der Mann fürs Gesamtklassement. Für ihn selbst sei auch die Jagd auf das Bergtrikot eine Option.

Den Dauervergleich mit gestandenen World-Tour-Profis könne er noch nicht standhalten, glaubt der Vorjahres-Glocknerkönig. "Ich will schon aufzeigen, aber was das Gesamtklassement betrifft, haben wir Jungen keine Chance. Wenn ein Österreicher eine hat, dann Denifl", meinte Mühlberger. Auch der zwei Jahre ältere Pöstlberger (Tirol Cycling/heuer u.a. Sieg bei Irland-Rundfahrt) will sich für ein Auslandsengagement empfehlen.

Premiere für Tour-Direktor

Als Zwischenstation für höhere Aufgaben möchte auch der neue Direktor Wolfgang Weiss seine Rundfahrt positioniert wissen. "Es ist genau das. Die Tour de France ist für die großen Kapazunder die Bühne des Jahres, die Rundfahrt soll ein Sprungbrett zu den Profis und zur Tour sein. Es freut mich, dass die jungen Österreicher in breiter Phalanx dastehen." Schließlich habe man schon mehrfach zukünftige internationale Topfahrer mithervorgebracht, erinnerte er gegenüber der APA.

Weiss hat alle sechs österreichischen Continental-Rennställen (3. Liga) ohne Qualifikation zugelassen. "Damit geben wir ihnen die Bühne, sich international zu präsentierten", sagte der OK-Chef der Salzburger Rad-WM 2006. Neben einem weiteren Conti-Team aus dem Ausland stehen auch noch sechs Mannschaften aus der World Tour und sieben aus der zweiten Lizenzstufe am Start.

"Teilweise ist es fast zu schwer"

Von den internationalen Österreicher-Mannschaften IAM (Denifl, Brändle), Trek (Zoidl), Bora (Konrad, Schorn), Sky (Eisel) und Giant (Preidler) hat diesmal nur Denifls Rennstall die Einladung angenommen. Das Profil (u.a. erstmals Königsetappe mit Großglockner und Kitzbüheler Horn) könnte ein Grund dafür sein.

"Teilweise ist es fast zu schwer. Die Frage ist, ob das uns Österreichern zugutekommt", bemerkte dazu Mühlberger. Im Bezug auf die Höhenmeter ist die 67. Ausgabe mit rund 17.000 im Vergleich zu den Jahren 2006 bis 2014 (11.000 - 14.000) tatsächlich die anspruchsvollste.

Der Rundfahrt-Chef findet die Route durch alle Bundesländer ausgewogen und passend. "Es ist eine schwere Rundfahrt, der Giro hat in drei Wochen 39.000 Höhenmeter, bei uns sind es in neun Tagen 17.000, da ist man in der Verhältnismäßigkeit gleich. Das Rennen wirklich schwer machen sich die Profis mit dem Tempo selber", so Weiss.

Bergspezialist Denifl gefällt das anspruchsvolle Profil. "Ich finde, jeder Fahrertyp hat diesmal seine Chance. Die Rundfahrt muss gewisse Berge drinnen haben." Die vielen Pässe und das fehlende Einzelzeitfahren kommen freilich nicht nur dem Tiroler, sondern auch Kletterern aus dem Ausland wie Daniel Moreno (ESP/Katjuscha), Chris Anker Sörensen (DEN/Tinkoff-Saxo) und Giro-Etappensieger Davide Formolo (ITA/Cannondale) entgegen.

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