"Insel Österreich" seit vier Jahren ohne Heimsieg

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Nach unzähligen Versuchen, die scheiterten, hatte es endlich geklappt.

In Bad Vöslau schlug Rene Haselbachers große Stunde.

Der Burgenländer, seinerzeit bei Astana unter Vertrag, triumphierte auf der fünften Etappe der Österreich-Rundfahrt und feierte seinen ersten und zugleich letzten Erfolg bei seiner Heimat-Landesrundfahrt.

Haselbachers Sieg ging jedoch etwas unter – zeitgleich sorgte ein gewisser Bernhard Kohl bei der Tour de France für Furore und kämpfte um das Gelbe Trikot.

Bedauerlich – nicht nur, weil sich hinterher herausstellte, dass Kohl mit unlauteren Mitteln kämpfte. Sondern auch, weil Haselbachers Triumph der letzte eines Österreichers im Rahmen der Ö-Tour war.

Top-Besetzung macht es schwer

Seit nunmehr vier Jahren oder 1.450 Tagen jagen die rot-weiß-roten Pedalritter der internationalen Konkurrenz hinterher.

Kann das Zufall sein? Hatten die Österreicher einfach nur Pech? Oder fehlt es schlicht und einfach an der nötigen Klasse?

„Das ist ganz einfach zu erklären“, so Marco Haller im Gespräch mit LAOLA1. „Die Österreich-Rundfahrt ist im Radsport-Zirkus etabliert. Die Besetzung ist in jedem Jahr unglaublich gut. Das macht es für uns Österreicher schwierig.“

David Wöhrer bläst ins selbe Horn und sieht die übermächtige Gegnerschaft aus dem Ausland als Hauptursache für das mäßige Abschneiden der ÖRV-Asse. Wenn internationale Stars mitfahren, ist es für die heimischen Teams nicht einfach.“

Österreich "eine kleine Insel"

Erschwerend kommt hinzu, dass Österreich kein Team aus der Beletage stellt und selbst in der zweiten Liga, bei den ProContinental-Teams, nicht mehr vertreten ist.

Im übertragenen Sinne: Wenn Vorarlberg, Gourmetfein Wels und Co. die Österreich-Rundfahrt in Angriff nehmen, ist dies ungefähr vergleichbar mit einem Spiel eines unterklassigen österreichischen Fußballvereins gegen eine international angesehen Top-Mannschaft.

Haller, der als einer von wenigen rot-weiß-roten Vertretern bei einem WorldTour-Rennstall (Katusha) unter Vertrag steht, betrachtet die Lage nüchtern. „Machen wir uns nichts vor, gegen andere Radsport-Nationen ist Österreich eine kleine Insel.“

Der Kärntner zahlt selbst immer wieder Lehrgeld und sieht, dass der Abstand zwischen den Top-Stars und der zweiten Garde ein großer ist. „Ich habe das heuer oft gemerkt: In die Top-10 zu fahren ist schön, vom Sieg ist man trotzdem meilenweit entfernt.“

"Eine vor den Kopf geklatscht"

Auch Daniel Schorn, der sein Brot beim deutschen Team NetApp verdient, versucht erst gar nicht, die Lage schönzureden.

„Die heimischen Mannschaften geben sich extrem Mühe und kämpfen in der Qualifikation, aber die Ö-Tour ist eben eine Hors-Categorie-Rundfahrt. Das ist eine andere Klasse als die Tchibo Top.Rad.Liga. An die schnellen Rennen gewöhnt man sich nur, wenn man ständig und regelmäßig solche fährt. Hat man sie nicht, kriegt man leider schnell eine vor den Kopf geklatscht.“

Lukas Pöstlberger, der sich bei den Staatsmeisterschaften sensationell den Titel sicherte und mit nur 20 Lenzen als Sinnbild für eine neue Generation steht, sieht auch mangelnden Teamgeist als Ursache.

Schlechtes Klima als Ursache

„Die Harmonie wurde in den letzten Jahren schleißig behandelt. Die Interessen in den einzelnen Teams sind so weit auseinander gegangen, dass man sich nie einig war.“ Inzwischen habe sich dies gewandelt, das Teamklima bei Gourmetfein Wels sei beispielsweise „super“.

Um auf Dauer konkurrenzfähig zu sein, scheint ein Wechsel ins Ausland unausweichlich. „Momentan ist es wahrscheinlich der einzige Weg“, glaubt Haller, der aber auch eine Alternative in Betracht zieht. „Eine bessere Option wäre natürlich, wenn wir wieder ein ProContinental-Team hätten.“

Dafür bedarf es wiederum einiger finanzkräftiger Sponsoren, die – angesichts der zahlreichen Dopingfälle in der Vergangenheit -ihr Geld lieber anderweitig investierten.

Haller hält dagegen: „Es müsste mal einer begreifen, dass eine Radsport-Mannschaft die perfekte Plattform bietet, um Werbung zu machen. Im Vergleich zu anderen Sportarten ist das doch ein Schnäppchen.“

ÖRV-Asse wollen Serie beenden

Mittel- und langfristig wäre der Aufbau eines Austro-Rennstalls tatsächlich Gold für den heimischen Radsport wert, doch wer soll kurzfristig – im konkreten Fall bei der Ö-Tour 2012 – die Kohlen aus dem Feuer holen und die vier Jahre währende Durststrecke beenden?

„Es gibt einige, die es schaffen können“, ist Wöhrer überzeugt. „Daniel Schorn oder Marco Haller haben bei Sprints gute Chancen. Thomas Rohregger kann das in den Bergen sicher auch.“

Pöstlberger bringt einen seiner Teamkollegen ins Spiel: „Riccardo Zoidl ist nach wie vor in Topform und deshalb sicher einer, der für einen Tagessieg in Frage kommt.“

In einem sind sich alle einig: „Es wird Zeit, dass die Serie zu Ende geht. Wir sind topmotiviert!“

 

Stephan Schwabl/Máté Esterházy/Christoph Nister

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