Radioshack zermürbt die Konkurrenz

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Es war eine Machtvorstellung, was Radioshack auf der 4. Etappe der Österreich-Rundfahrt zeigte.

Von Beginn weg zermürbte die luxemburgische Mannschaft ihre Gegner. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Jakob Fuglsang holte sich dank einer Attacke auf dem Großglockner das Gelbe Trikot und den Etappensieg.

Mit Thomas Rohregger auf Platz fünf hat zudem noch ein weiterer RNT-Profi Chancen im Gesamtklassement. Auch wenn der Favorit der heimischen Fans damit seine eigenen Ambitionen auf den Ö-Tour-Sieg wohl hinten anstellen muss.

Wir haben die beste Mannschaft“

Dabei war die Taktik des Rennstalls vor der Etappe auf einen Angriff des Tirolers ausgelegt. Dass Fuglsang, der am Horn 1:41 Minuten verlor, der große Wurf gelang, war nicht vorauszusehen. „Es ging von Anfang an schnell los. Gleich am ersten Berg verlor Danilo di Luca kurzzeitig den Anschluss. Deswegen haben wir das Tempo hoch gehalten“, meinte Matthew Busche, der gemeinsam mit Didier Laurent für seine Radioshack-Kapitäne die Führungsarbeit leistete und damit das Feld dezimierte.

Nach Fuglsangs Attacke am Glockner hatten die Teams der anderen Gesamtfavoriten nicht mehr genug Leute, um das Loch zuzufahren. „BMC, Movistar und Aqua e Sapone waren komplett fertig.“, erklärte Rohregger, der sich der Stärke seines Teams bewusst ist: „Wir haben die beste Mannschaft. Ich glaube, das hat heute jeder gesehen.“

Läuft alles normal, gewinnt Jakob“

Nach seinem Etappensieg ist Fuglsang nun mit 1:12 Minuten Vorsprung auf di Luca der große Favorit auf den Gesamtsieg. Sein Teamkollege Busche gibt sich siegessicher: „Jakob ist ein starker Zetifahrer. Wenn alles normal läuft, dann sollten wir am Ende ganz oben stehen.“

Für Fuglsang wäre es eine kleine Genugtuung. Denn eigentlich sollte der 27-Jährige momentan bei der Tour de France in die Pedale strampeln. Doch Radioshacks umstrittener General-Manager Johan Bruyneel nahm ihn im letzten Moment noch aus dem Aufgebot. Stattdessen rückte Routinier Christopher Horner nach.

Danach kam es für Fuglsang noch dicker. Nachdem er Bruyneel, der Lance Armstrong zu sieben Siegen bei der „Grande Boucle“ führte, öffentlich kritisierte, wurde er aus allen Radioshack-Aufgeboten für ProTour-Rennen gestrichen. Heute will sich der ehemalige Mountainbike-U23-Weltmeister dazu nicht mehr äußern: „Ich bin glücklich hier gewonnen zu haben. Diese Causa möchte ich nicht mehr kommentieren, sondern Rennen fahren.“

Was einen richtigen Profi auszeichnet

Zum tragischen Helden der spannenden Glockner-Etappe avancierte Thomas Rohregger. Einerseits freute sich der Kramsacher natürlich über den Sieg seines Teamkollegen. Andererseits jedoch musste er im Gesamtklassement Federn lassen. „Es tut mir ein bisschen Leid für ihn“, wusste auch Fuglsang, dass sich Rohregger den Gesamtsieg vor der Ö-Tour zum großen Ziel gesetzt hatte.

Der Tiroler zeigte sich im Ziel jedoch glücklich über die Leistung seiner Mannschaft. „Ich habe das Trikot für den besten Österreicher und mein Team hat einen Etappensieg, sowie die Gesamtführung. Also ich glaube, da kann man nicht traurig sein.“

Für ihn selbst verlief die Etappe wenig spektakulär: „Für mich war das heute mehr oder weniger ein Ruhetag. Ich konnte locker mitrollen.“ Eine Attacke aus der Gruppe der Favoriten heraus kam für ihn nie in Frage: „Ich konnte nicht attackieren, weil Jakob vorne gefahren ist. Da hätte ich das Loch zugefahren. Es zeichnet einen richtigen Profi aus, dass er in so einer Situation die 'Haxn' still hält.“

Ich will einen Etappensieg“

Dafür will Rohregger auf der 5. Etappe über 228,3 km hinauf zum Sonntagberg beweisen, was er kann. „Der Schlussanstieg ist sehr schwer, ich habe ihn mir schon angesehen. Wir haben jetzt das Gelbe. Deswegen habe ich sicher freie Fahrt, um zu attackieren und Zeit auf die Gegner im Gesamtklassement herauszuholen.“, gibt sich der Tiroler selbstbewusst.

Der drei km lange und bis zu 22 Prozent steile Sonntagberg verspricht auf jeden Fall ein spannendes Finish. Läuft alles perfekt, dann könnten sich die österreichischen Fans über den ersten heimischen Etappensieg seit 2008 freuen. Denn Rohregger kündigte an: „Ich will auch noch eine Etappe gewinnen.“

 

Aus St. Johann im Pongau berichten Jakob Faber und Mate Esterhazy

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