Youngster als König der Berge?

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Youngster Georg Preidler im LAOLA1-Interview

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Das Team Type 1 ist nach RadioShack bisher einer der größten Gewinner der 64. Österreich-Rundfahrt.

Das Sprinttrikot hat der US-Rennstall, der von zwei radsportgebegeisterten Diabetikern gegründet wurde, so gut wie in der Tasche. Im Kampf um das Bergtrikot liegt der Österreicher Georg Preidler punktegleich mit Rundfahrtleader Jakob Fuglsang auf Rang zwei.

Letztgenannter hat selbstverständlich andere Prioritäten und wird auf der sechsten Etappe nach Melk, wo die letzten Bergwertungen auf das Peloton warten, kaum um Punkte fahren.

Dementsprechend hat Preidler, der bei Type 1 noch bis 2013 unter Vertrag steht, ganz gute Chancen, sich das rotgepunktete Trikot überstreifen zu können. Das sieht der junge Steirer im Gespräch mit LAOLA1 ähnlich.

Darüberhinaus spricht der Student über seinen Karriereverlauf, die Grundüngsgeschichte seines Teams und den Aufschwung im heimischen Radsport:

LAOLA1: Auf der 6. Etappe geht es für dich um das Bergtrikot. Wie schaut die Taktik aus?

Georg Preidler: Ich muss ein paar Punkte sammeln, denn danach gibt es keine mehr zu holen. Also werde ich schauen, dass ich in eine Gruppe komme. Wenn mir das nicht gelingt, dann wird mein Team eben die Nachführarbeit leisten müssen.

LAOLA1: Liegt die Priorität beim Sprinttrikot von Alessandro Bazzana oder deinem Bergtrikot?

Preidler: Wir wollen beide Wertungen holen. Am Morgen vor dem Rennen haben wir im Bus eine Besprechung, wo wir die Taktik abklären. Mir werden natürlich eher die Bergfahrer helfen, wie beispielsweise Rubens Bertogliati.

LAOLA1: Der letzte heimische Bergkönig war Josef Benetseder 2010. Welche Bedeutung hat für dich persönlich dieses Trikot?

Preidler: Als Österreicher ist das auf jeden Fall ein schöner Erfolg. Die anderen sportlichen Leiter schauen wahrscheinlich eher nicht so sehr darauf. Aber für mich persönlich hat das schon einen hohen Wert.

LAOLA1: Was hast du dir für diese Saison noch vorgenommen?

Preidler: Heuer möchte ich noch die Tour de l' Avenir fahren und die U23-Weltmeisterschaft. Dort möchte ich eine Medaille holen, weil es ein Kurs ist, der mir wirklich entgegen kommt. Das ist das große Ziel, auf das ich mich optimal vorbereite.

LAOLA1: Du bist jetzt Anwärter auf das Bergtrikot, wo siehst du deine größten Stärken?

Preidler: Ich bin kein richtiger Top-Bergfahrer. Ich versuche es geschickt zu machen und wenn ich abreiße, dann bergab heranzukommen. Meine Stärken sind kurze Hügel.

LAOLA1: Wie bei den Ardennen-Klassikern?

Preidler: Genau so etwas. Der Fleche-Wallone, den ich heuer zum ersten Mal gefahren bin, ist ein super Rennen. Lüttich-Bastogne-Lüttich ist fast zu schwer für mich. Das ist ein Wahnsinn, bei mir war heuer nach 180 Kilometern Schluss, aber da hat das Rennen erst angefangen (lacht). Aber das ist egal, es ist einfach ein Prozess. Nächstes Jahr versuche ich es dann auszufahren, im Jahr darauf vielleicht Top 30 und so weiter.

LAOLA1: Du studierst auf der Montan-Uni Leoben. Wie lässt sich das mit dem Rennfahrerleben vereinbaren?

Preidler: Ich studiere Bergbau, also Rohstoff-Ingenieurwesen. Im Sommer mache ich nur Prüfungen, im Winter mache ich dann auch Übungen mit Anwesenheitspflicht. Es dauert dementsprechend länger, aber es geht. Man muss sich reinhängen. Mich hat das aber schon immer interessiert.

LAOLA1: Zum Abschluss noch eine Frage zu deinem Team. Dessen Name weist auf Typ-1-Diabetis hin. Was sind die Hintergründe dazu?

Preidler: Die Idee dazu hatten zwei Amerikaner namens Phil Southerland und Joe Eldridge. Sie sind beide Diabetiker und große Radsportfans. Nachdem beide mit einer reinen Diabetiker-Staffel das Race Across America gewonnen hatten, erarbeitete Southerland im Rahmen einer Uni-Abschlussarbeit ein Sportteam-Konzept mit dem Namen Type 1. Mit diesem hat er Sponsoren wie Sanofi (Insulinhersteller, Anm.) und Colnago (Radhersteller, Anm.) an Land gezogen. Neben unserem Radteam ist Type 1 unter anderem auch noch im Triathlon und Laufsport aktiv. Das ganze Projekt wird von Jahr zu Jahr größer.

LAOLA1: Danke für das Gespräch.

 

Das Interview führten Jakob Faber und Mate Esterhazy

LAOLA1: Kommen wir zurück zur fünften Etappe. Am Sonntagberg haben euch tausende Zuschauer empfangen. Wie war die Stimmung?

Preidler: Wahnsinnn! So viele Leute - das hätte ich mir nicht gedacht. Das war besser als bei der Tour de Suisse. Ich bin heuer schon Lüttich-Bastogne-Lüttich gefahren, davor braucht sich der Sonntagberg sicher nicht verstecken.

LAOLA1: Matthias Brändle ist toller Dritter geworden. Wieder ein gutes Resultat eines jungen Österreichers. Bisher hat es noch nicht für einen Sieg gereicht. Aber man merkt schon, dass ein gewisser Aufschwung da ist, oder?

Preidler: Auf jeden Fall. Ich freue mich voll für ihn, dass er auf das Podium gefahren bist. Mit Leuten wie Schorn, Denifl oder Brändle haben wir eine gute, junge Truppe. Dabei haben wir alle noch gar nicht das perfekte Radfahrer-Alter erreicht. Wenn man uns also noch ein bisschen Zeit lässt, dann wird es bald wieder einen österreichischen Etappensieg geben.

LAOLA1: Mittlerweile haben viele junge Österreicher den Weg ins Ausland geschafft. Werden dadurch die Teamleiter immer mehr auf heimische Talente aufmerksam?

Preidler: Auf jeden Fall. Leute, wie beispielsweise Riccardo Zoidl (hier im LAOLA1-Interview), die gehören ins Ausland. Die sind zu gut, um in Österreich zu fahren. Wenn er nächste Saison bei einem ausländischen Team unter Vertrag kommt, dann kann richtig etwas aus ihm werden.

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