Rene Haselbacher über den "Mythos" Ö-Tour

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Rene Haselbacher kann es nicht lassen. Nach seinem Rücktritt als Aktiver wollte er sich eine Auszeit vom Profizirkus gönnen, aber die Österreich-Rundfahrt zieht den Burgenländer, der einen guten Teil des Jahres in Südafrika lebt, immer wieder magisch an.

Dieses Jahr war Haselbacher als rasender Reporter am Motorrad mit dabei. Der 34-Jährige stellt im Gespräch mit LAOLA1 klar: „Für mich ist die Ö-Tour ein Mythos“.

Außerdem spricht der letzte heimische Etappensieger über die neue Radsportlergeneration und gibt seine Meinung zu Danilo di Luca preis.

LAOLA1:
Wie lautet dein Resümee der abgelaufenen Ö-Tour?

Rene Haselbacher: Fuglsang ist auf jeden Fall ein verdienter Sieger. Radioshack war die stärkste Mannschaft mit der besten Taktik. Im Profisport ist es nun einmal so, dass man nicht immer auf denjenigen schauen kann, der im jeweiligen Land zuhause ist. Leider ist kein Podiumsplatz für Thommy (Anm.: Rohregger) herausgekommen.

LAOLA1: Hättest du auch mit einem Sieger di Luca leben können?

Haselbacher: Das hätte mir getaugt. Es ist, wie wenn du im Gefängnis warst. Da muss auch der Staat schauen, dass du wieder auf die Beine kommst. Es ist wurscht, was er getan hat. Es gibt nunmal Regeln.

LAOLA1: Du hast 2008 als bisher letzter Österreicher eine Etappe bei der Ö-Tour gewonnen. Wieso währt die Durststrecke so lang?

LAOLA1: Bist du dem aktiven Radsport noch in irgendeiner Form treu?

Haselbacher:
Die Österreich-Rundfahrt im letzten Jahr hat mich so motiviert, dass ich jetzt wieder mehr am Rad sitze. Aber jetzt fahre ich viel Mountain-Bike, sogar Rennen. Nach der Karriere habe ich gedacht, dass ich weg bin, aber jetzt zieht es mich mehr und mehr zurück.

LAOLA1: Was macht die Faszination Ö-Tour für dich aus?

Haselbacher: Für mich ist die Ö-Tour so groß. Ich hab früher von Wechselberger (Anm.: Helmut, zweifacher Sieger der Österreich-Rundfahrt) die Zeitungsartikel ausgeschnitten. Als ich acht Jahre alt war, habe ich mir seine Rahmennummer fünf gebastelt und bin im Burgenland von einer Ortstafel zur anderen geradelt. Später bin ich dann auch zuschauen gegangen. Für mich ist die Ö-Tour ein Mythos.

LAOLA1: Bist du zufrieden, wie es mit der Rundfahrt läuft, oder könnte man vielleicht noch mehr herausholen?

Haselbacher: Erstens einmal bin ich sicher, dass die Uschi (Anm.: Riha, Tourdirektorin) 120 Prozent gibt. Es ist wahnsinnig schwer, Rennen zu organisieren. Generell nach dem, was vor vier Jahren war (Anm.: Skandal um Bernhard Kohl). Es gibt immer harte Zeiten, aber sogar die Deutschen kommen her und sagen 'wow'.

LAOLA1: Findest du, dass die Ö-Tour heuer zu schwer war?

Haselbacher: Am Motorradl merke ich es nicht, aber ist schon sehr gebirgig. Wenn ich mir anschaue, wo ich da hätte punkten können: Das wäre schwer geworden. Die Österreich-Rundfahrt muss wieder leichter werden. Beziehungsweise ausgeglichener. Es könnte auch drei total flache Etappen geben. Bei der Tour de France gibt’s die ja auch. Es ist aber schwer, das zu organisieren. Die Geldgeber von gewissen Etappen wollen, dass man noch über den und den Berg drüberfährt und dann muss man das auch machen.

LAOLA1:Hast du noch Kontakt zu deinen alten Kollegen?

Haselbacher: Es ist nicht einfach, aber es ist mir schon wichtig. Mit Paco Worlich, Georg Totschnig, Danilo Hondo, Andreas Klöden oder Matthias Kessler bin ich noch in Kontakt. Es ist dasselbe wie nach der Schule. Da glaubst du auch, dass die zwanzig deine besten Freunde für immer bleiben, aber zehn Jahre danach schaut es ganz anders aus.

 

Von der Ö-Tour berichten Jakob Faber und Mate Esterhazy

Haselbacher: Marco Haller ist erst 21 Jahre alt und wurde auf der letzten Etappe Siebenter. Noch knapper war Daniel Schorn mit seinem zweiten Platz in Lienz dran. Mit ein bisschen mehr Glück ist ein Etappensieg drin. Es ist natürlich schwer. Das sind junge Talente, die noch ein bisschen Zeit brauchen, aber da muss man Geduld haben. Außerdem hat mir Gourmetfein sehr gefallen. Die waren in jeder Spitzengruppe und das ist für ein österreichisches Team ein Wahnsinn.

LAOLA1: Wie sind deine Erinnerungen an deinen Triumph in Bad Vöslau?

Haselbacher: Ich habe auch viele Etappen nicht gewonnen. Es war aber wunderschön und ich bin sehr stolz darauf.

LAOLA1: Du hast die jungen Österreicher angesprochen: Wie siehst du den Aufschwung im heimischen Radsport?

Haselbacher: Das ist super. Es ist auch eine Generation von Fahrern, die wirklich motiviert ist. Sie haben eine Vision und wollen Profis werden. Auch wenn es schwer ist, einen Vertrag zu bekommen. Ein Riccardo Zoidl ist für mich zum Beispiel ein absolutes Talent, es würde mich freuen, wenn er es ins Ausland schafft.

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