Ö-Tour als Zwei-Klassen-Gesellschaft?

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Für heimische Radsport-Teams ist die Internationale Österreich-Rundfahrt das absolute Highlight im Jahr.

Allerdings hatte die Tour-Organisation im Vorfeld mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Das wiederum bekommen vor allem die österreichischen Rennställe zu spüren.

So dürfen zwar heuer erstmals alle fünf Conti-Teams mitfahren, dafür müssem sie aber 4.000 Euro in ein Werbepaket einzahlen.

"Das finde ich seltsam"

Andreas Grossek, sportlicher Leiter des Team Gourmetfein Simplon, versteht das im Gespräch mit LAOLA1 nicht so ganz: „Wir finanzieren mit unserem Geld die Top-Teams. Das find ich etwas seltsam. Die Österreich-Rundfahrt sollte für die österreichischen Teams sein.“

Wegen ihren zahlreichen Saisonerfolgen betrifft das die Welser zwar nicht direkt, gut findet das Grossek deswegen trotzdem nicht.

Zur Erklärung: Die besten vier heimischen Mannschaften bekommen Geld aus dem Pool zurück.

Das beste Team, in diesem Fall Gourmetfein, die vollen 4.000, für das zweitstärkste Team gibt es 3.000, für die Dritten 2.000 und für das viertbeste Team noch immer 1.000 Euro retour.

Kein Radsportland

Werbepaket heißt das Ganze, weil die Sponsoren der einzahlenden Teams im Konvoi mitfahren dürfen. Zumindest bei den Oberösterreichern hat sich aber niemand gemeldet. Für Grossek verständlich:

„Österreich ist leider kein Radsportland. Es ist irrsinnig schwer, eine Firma für so etwas zu motivieren. Die müssen die Infrastruktur stellen, sich selbst Hotel und alles zahlen. Dafür fahren sie eine Woche quer durch Österreich und erhalten im Startbereich ein Vier-Mal-vier-Meter Zelt. In Frankreich wäre das toll, aber bei uns ist das sehr, sehr schwierig.“

Kann man bei der Ö-Tour also von einer Zwei-Klassen-Gesellschaft sprechen?

Laut Grossek schon: „Das ist Fakt. Auch wenn man die Hotels der ProTour-Teams hernimmt und sie mit denen der Österreicher vergleicht. Es trifft die kleinen Teams, die dummen Österreicher und die tollen Teams werden von A bis Z verwöhnt. Aber mit dem muss man leben.“

Keine Live-Bilder

Wobei der sportliche Leiter der Welser festhält: „Die Ö-Tour ist top organisiert. Da sind wir anderes gewöhnt. Wir sind viel im Ostblock unterwegs. In Rumänien es wieder ganz anders aus.“

Als weitere Schwierigkeit kommt für die österreichischen Rennställe hinzu, dass es von der Ö-Tour 2013 keine Live-Bilder gibt: „Das ist sehr bitter für uns. Das ist eine unserer wenigen Möglichkeiten auf Sponsorensuche gute Argumente vorzulegen. Da kann man sagen: 'Schaut her, wir waren so und so viele Minuten Live im Fernsehen, das hat in etwa so einen Werbewert'. Das fällt heuer zur Gänze weg.“

Dadurch werde sich die Suche nach Sponsoren sich nicht vereinfachen. Gourmetfein Simplon trifft das heuer nicht so hart wie vielleicht andere Teams.

Wegen der zahlreichen Erfolge sind Riccardo Zoidl und seine Kollegen immer wieder in den Medien präsent.

"Den großen Teams eins auswischen"

Überhaupt soll das Sportliche im Vordergrund stehen. „Wir haben heuer richtig gute Karten, den großen Teams eine auszuwischen und das ist unser Ziel. Auf alles andere verschwenden wir keine Energie“, zeigt sich Grossek kämpferisch.

„Wir setzen uns hohe Ziele und starten voller Optimismus. Wir wollen einen Fahrer in die Top Fünf des Gesamtklassements bringen. Ricci Zoidl ist der realistischste Tipp, weil er einfach der stärkste Fahrer von uns ist.“

Schließlich sei die Ö-Tour trotz aller Umstände das „Nonplusultra“ im heimischen Radsport.

„Wenn du mit jungen Fahrern in Österreich redest, hörst du nicht Giro oder Tour de France, sondern 'ich möchte einmal bei der Ö-Tour Fahren'.“

 

Máté Esterházy

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