Kleines Team, große Show

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Gourmetfein zeigt auf: Eibegger und Zoidl im Interview

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„Es ist sich um's Arschlecken nicht ausgegangen“, brachte Markus Eibegger die Situation nach der Zielankunft in Lienz auf den Punkt.

Der 27-Jährige war auf der 3. Etappe der Österreich-Rundfahrt mehr als 100 km auf der Flucht, nur um kurz vor dem Ziel doch noch gestellt zu werden. Nichts wurde es also mit einem ersten Ö-Tour-Etappensieg für sein Team Gourmetfein Wels.

Die oberösterreichische Equipe kann mit ihrem bisherigen Auftreten aber dennoch zufrieden sein. Mit Riccardo Zoidl und zuletzt zwei Mal Eibegger war das Kontinentalteam bisher an jedem Tag in einer Fluchtgruppe vertreten.

Erfolgreichstes österreichisches Team

Schon vor der Ö-Tour feierten die Welser in dieser Saison große Erfolge: Youngster Lukas Pöstlberger holte sich den Staatsmeistertitel. Der 24-jährige Zoidl dominiert mit aktuell sechs Saisonerfolgen die heimische Tchibo Top.Rad.Liga. Und Routinier Eibegger gewann auf Anhieb die Istrien-Rundfahrt, nachdem er nach einer Saison beim beim iranischen Tabriz-Petrochemical-Team nach Österreich zurückgekehrt war.

Im Interview mit LAOLA1 sprechen die Gourmetfein-Aushängeschilder Zoidl und Eibegger über die verbleibenden Ziele bei der Ö-Tour, den Weg ins Ausland und die Gründe für den Aufschwung:

LAOLA1: Daniel Schorn sagte nach der Etappe, dass wir heute wieder den „alten Eibegger“ gesehen haben. Inwiefern gibst du ihm recht?

Markus Eibegger: Das hat er wegen meines Alters gemeint, oder? Aus einer Fluchtgruppe heraus ist es natürlich schon leichter, ein Rennen zu gestalten. Es geht auch um eine gewisse taktische Routine, wie und wann man die Attacke setzt. Für das braucht man nicht die absolute Top-Form, da reichen auch 80 bis 90 Prozent. Wenn du weißt, dass jemand leistungstechnisch wahrscheinlich besser drauf ist, dann musst du eben die taktischen Schwächen ausnutzen.

LAOLA1: Wann hast du gewusst, dass du es nicht bis ins Ziel schaffen wirst?

Eibegger: Das weiß man von Haus aus. Man fährt einfach drauf los und hofft, dass hinten irgendetwas passiert. Das geht von zehn Mal vielleicht einmal gut. Aber auf so einer breiten Straße, wie es in Lienz der Fall war, hast du eigentlich fast keine Chance. Aber wenn jetzt hinten z. B. ein Sturz passiert, dann schaut die ganze Sache schon anders aus.

LAOLA1: Markus, du warst letztes Jahr bei einer iranischen Mannschaft aktiv. Schildere uns ein paar Eindrücke.Gibt es große Unterschiede zu Europa?

Eibegger: Es war schon ein bisschen ein Abenteuer. Bei den Rennen selbst ist eigentlich kaum etwas anders. Aber die Anreise war manchmal problematisch und auch die Mannschaften sind nicht ganz so professionell aufgestellt. Die haben zwar alle viel Geld, aber es gab beispielsweise nur einen Masseur und einen Mechaniker für acht Leute. Dazu kommt, dass fast niemand von denen Englisch spricht, weswegen sie Probleme haben, alltägliche Sachen zu bewältigen. Die Rennen sind mit der Ö-Tour vergleichbar. Zwar nicht ganz von der Besetzung her, aber die Organisation der Rennen ist gut, auch das Preisgeld ist recht üppig. Das macht den großen Unterschied.

LAOLA1: Wie sieht es bei dir mit dem Ausland aus, Riccardo?

Zoidl: Ich habe eigentlich vor, dass es nächstes Jahr klappt. Ich bin mit ein paar ProConti-Teams in Gesprächen. Jetzt muss ich mich hier gut präsentieren, es gibt noch einige Etappen, auf denen ich mich zeigen kann. Bei einem Conti-Team fährst du leider nicht so oft international – bei uns leider nur bei der Ö-Tour, da musst du deine Chancen nutzen. Meine Saison war schon ganz super, aber international muss man sich auch beweisen. Immer step by step.

LAOLA1: Markus, hast du Tipps für deinen Teamkollegen?

Eibegger: Die Chance ins Ausland zu gehen, muss man auf alle Fälle nutzen. Die bekommt man vielleicht einmal. Es ist am Anfang sicher nicht einfach, aber man kann immer noch nach Österreich zurückkommen.

LAOLA1: Glaubt ihr, dass es in absehbarer Zeit wieder ein ProConti- oder gar ein ProTour-Team aus Österreich geben wird?

Eibegger: Wie viel kostet ein ProTour-Team? Zehn Millionen. Schon alleine drei Millionen benötigst du für ein gutes ProConti-Team. Da braucht man wirklich potente Partner. Wir bräuchten auch viel mehr Rennen mit Fernsehzeit, wie die Österreich-Rundfahrt. Mit der Oberösterreich-Rundfahrt und Judendorf haben wir nur ganz wenige weitere UCI-Rennen. Der Rest ist nur lokal relevant.

 

Aus Lienz berichten Jakob Faber und Máté Esterházy

LAOLA1: Wie groß ist der Ärger?

Eibegger:
Im Endeffekt war es eine super Werbung für unseren Sponsor. Wir haben uns gut präsentiert. Leider ist es sich ums Arschlecken nicht ausgegangen. Da darfst du dich nicht ärgern. Das ist Radsport. Und auf der nächsten Etappe musst du es wieder probieren.

LAOLA1: Ihr habt bisher an jedem Ö-Tour-Tag attackiert. War das so geplant?

Riccardo Zoidl: Wir haben von Anfang an gewusst, dass wir in der Gesamtwertung nicht viel mitreden werden können. Deswegen wollten wir uns in Fluchtgruppen präsentieren. Das haben wir bisher jeden Tag geschafft. Für die nächsten Etappen werden wir uns das wieder vornehmen. Im Nachhinein war es eine Dummheit am Sonntag in Innsbruck auszureißen. Dann hätte ich am Horn vielleicht noch mehr rausholen können.

LAOLA1: Ihr habt als Team eine tolle Saison hingelegt. Woran liegt diese kollektive Leistungssteigerung?

Zoidl:
An Eibis Wechsel zu uns (lacht). Es ist durch einige neue Fahrer, wie z. B. auch Stefan Rucker, ein neuer Schwung reingekommen. Hinzu kommt die Umstrukturierung des Rennstalls zur GesmbH. Dadurch wurde das ganze Umfeld professioneller. Gleich zu Beginn der Saison hat uns der Triumph von Markus bei der Istrien-Rundfahrt viel Druck genommen. Dann ist es ständig weiter gegangen. Ich habe auch beim Training etwas umgestellt und wiege jetzt drei, vier Kilo weniger.

LAOLA1: Seid ihr mit dem Ö-Tour-Verlauf zufrieden, obwohl euch der ganz große Erfolg verwehrt blieb?

Eibegger: Auf jeden Fall. Ein Etappensieg würde keiner realistischer Zielsetzung entsprechen. Es wäre ein bisschen verwegen, als österreichisches Kontinentalteam den Anspruch zu stellen, bei einer HC-Rundfahrt eine Etappe zu gewinnen. Das ist so, wie wenn du mit deinem Auto in der Formel 1 um Siege mitfahren würdest wollen.

LAOLA1: Wer sind jetzt eure Favoriten auf den Gesamtsieg?

Eibegger: Di Luca muss noch vor Podersdorf richtig was herausfahren, sonst hat er schlechte Karten.

Zoidl: Der Tommy sollte ganz gute Chancen haben.

Eibegger: Di Luca ist von den Topplatzierten der Gesamtwertung sicher mit Abstand der schlechteste Zeitfahrer.

Zoidl: Er braucht sicher eine Minute. Auch auf 25 Kilometern kann man als reiner Bergfahrer viel verlieren.

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